Heidi Ehrensperger, Bremgarten.
«O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.» Vor vielen Jahren las ich das und wunderte mich, dass Augustinus so einen Satz gesagt haben soll. Jetzt weiss ich, ...
Heidi Ehrensperger, Bremgarten.
«O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.» Vor vielen Jahren las ich das und wunderte mich, dass Augustinus so einen Satz gesagt haben soll. Jetzt weiss ich, dass das Zitat nicht von ihm stammt. Schön finde ich es trotzdem. Ich liebe es zu tanzen, ich komme nur viel zu selten dazu. Die Hirnforschung weiss, dass Tanzen positiv wirkt. Es fördert Aufmerksamkeit, Sensorik, Koordination und Beweglichkeit.
Nur: Weshalb kenne ich so viele Frauen, die gerne tanzen und so viele Männer, die es nicht gerne tun? Einige leiden wahrscheinlich unter den Ansprüchen, die an Männer gestellt werden: Sie sollen führen können und aufpassen, dass man niemanden über den Haufen tanzt. Diese Zumutungen würde ich gerne in den Hintergrund rücken. Sofort abschaffen möchte ich die Konvention, dass Frauen warten sollten, bis sie zum Tanz aufgefordert werden, ausser es sei dann einmal pro Abend «Damentour».
Bei den Bal Folk, den Tanzfesten mit Livemusik, die in der ganzen Schweiz angeboten werden, gibt es eine viel grössere Vielfalt. Da werden traditionelle Volkstänze in moderner Form getanzt, es gibt Kreis-, Linienund Paartänze. Nette Namen findet man da: Bourrée, Stampfpolka und Mazurka.
Internationale Tänze kommen genauso zum Zug, auch in Tanztreffen, die von der Pro Senectute angeboten werden. Allein in Bremgarten gibt es das seit 30 Jahren. Eine Bekannte von mir ist seit ihrer Pensionierung im «Tanztheater 3. Frühling». Da gibt es wöchentliche Trainings, aber auch Workshops, Feste und Aufführungen, einzige Voraussetzung fürs Mitmachen ist das Mindestalter 60.
Aber nicht nur Senioren tanzen gern. Gerade kürzlich war in dieser Zeitung ein Bericht über eine Show des Tanzlade, den es in Wohlen seit über 20 Jahren gibt. Auf den Fotos sieht man junge Leute, die Hip-Hop und Streetdance lieben.
Im Religionsunterricht in der Schule wollte uns der Pfarrer darlegen, wie es im Himmel sei. Er sagte, dass dort alle das tun könnten, was sie am liebsten machten. Ich streckte auf und meinte, ich würde am liebsten tanzen. Darauf versicherte er mir: «Heidi, dann kannst du im Himmel tanzen!» Das freut mich. Lieber würde ich es schon hier auf Erden mehr tun.