Stolz auf eine glanzvolle Epoche
02.06.2026 Wohlen, MuseumFeierlichkeiten rund um 50-Jahr-Jubiläum Schweizer Strohmuseum mit feierlichen Ansprachen
Das Schweizer Strohmuseum ist von grosser Bedeutung. Im Museum ist der Puls der Vergangenheit und der Gegenwart zu spüren. Seit einem halben Jahrhundert ist das Museum ein ...
Feierlichkeiten rund um 50-Jahr-Jubiläum Schweizer Strohmuseum mit feierlichen Ansprachen
Das Schweizer Strohmuseum ist von grosser Bedeutung. Im Museum ist der Puls der Vergangenheit und der Gegenwart zu spüren. Seit einem halben Jahrhundert ist das Museum ein Leuchtturm, der weit in die Region hinausstrahlt.
Daniel Marti
Prominente Personen standen dem Strohmuseum Pate bei der Jubiläumsfeier. SRG-Generaldirektorin Susanne Wille, Regierungsrätin Martina Bircher, Georg Matter, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton Aargau, und Gemeindeammann Roland Vogt zählten zu den Gratulanten. Und sie alle hielten ausdrucksstarke Reden.
Susanne Wille über Tradition, Heimat und Identität
«Liebes Wohlen», so begann Susanne Wille ihre Ansprache zum 50-Jahr-Jubiläum des Schweizer Strohmuseums. Das zeigt, dass das Freiämter Regionalzentrum der Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) sehr nahe ist. Und als ehemalige Kulturchefin des Schweizer Fernsehens schätzt sie das Schweizer Strohmuseum erst recht. In Villmergen aufgewachsen, ist sie persönlich verwurzelt mit der Region. Gewiss, zur Strohindustrie hat sie einen engen Bezug, der reicht zurück zu ihrem Grossvater. Der habe sehr oft einen Strohhut getragen. «Und für Wohlen ist die Strohindustrie ein grosses Symbol.» Bereits zu ihrer Schulzeit interessierte sie sich für die Blütezeit. «Mit viel Stolz» habe sie diese Geschichte betrachtet. «Wohlen und seine Strohindustrie haben damals in die Welt hinausgestrahlt.»
Um die Dominanz von Wohlen rund um die Strohindustrie zu verdeutlichen, blickte Susanne Wille ins Jahr so um 1900 zurück. Da zählte dieser Industriebereich landesweit knapp 100 Betriebe, 31 davon hatten ihren Standort in Wohlen. Die Hutgeflechtindustrie hat im Freiamt also eine grosse Tradition, «und dieses kulturelle Erbe wird im Strohmuseum weitergetragen», so Wille. «Tradition ist nie einfach nur Vergangenheit, sie gibt uns Heimat, Identität und Hilfestellung, um zu verstehen, was rund um uns entsteht.» Wille verglich das Strohmuseum gerne mit «ihrer» SRG. «Wir haben den Auftrag, daran zu erinnern, was uns ausmacht. Und wir geben den Regionen eine Bühne.» Dies sei bei der SRG und dem Strohmuseum sehr ähnlich. Dies habe sich auch bei der letzten Volksabstimmung im März gezeigt. Diese fiel für die SRG und gegen die Kürzung der finanziellen Unterstützung aus. Die Analyse habe gezeigt, was ausschlaggebend war, so Wille. «Es ging um den Zusammenhalt im Land und um Solidarität untereinander.» So habe auch das Museum die besondere Aufgabe, Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren und diese zu verstehen, erklärte die 52-Jährige. «Wir müssen alle zusammenstehen und die Kräfte bündeln.» Letztlich verfolgen die SRG und das Strohmuseum ähnliche Ziele. «Beide schaffen Orientierung.» Und dank dem Strohmuseum gehe die erfolgreiche Geschichte der Strohindustrie nie verloren.
Regierungsrätin Bircher bereits als Siebenjährige im Museum
Wie Susanne Wille hat auch Regierungsrätin Martina Bircher Freiämter Wurzeln. In Niederwil aufgewachsen, kam sie schon als Siebenjährige mit dem Thema Stroh in Berührung. «Mit der Primarlehrerin machten wir einen Ausflug ins Strohmuseum», erinnert sie sich. Damals jedoch an den alten Standort am Bankweg 2. Für sie sei also die Erfolgsstory zum Greifen nah. Als Aargauer Kulturministerin brachte sie die regierungsrätlichen Grüsse nach Wohlen. Das hätte sie sich als Siebenjährige nicht ausdenken können.
«Wir sind stolz auf das Strohmuseum. Es zeigt, wie Kulturvermittlung funktioniert», sagte die Regierungsrätin. Ein Museum sei ein Ort der Begegnung und «es bietet mehr als Wissensvermittlung, und hier kann man seine Wurzeln entdecken». So wünschte Martina Bircher allen rund um das Schweizer Strohmuseum alles Gute. «Und auf weitere 50 Jahre.»
«Wichtiger Meilenstein und würdiger Platz»
Auch für Gemeindeammann Roland Vogt ist das Strohmuseum ein besonderer Ort. «Wer durch Wohlen geht, spürt hier den Puls einer lebendigen Gemeinde. Vor 50 Jahren wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt.» Vogt erinnerte an den Gründungstag am 13. Februar 1976 und an den Umzug in die Villa Isler im Jahr 2013. «Hier in diesem Anwesen hat das Museum einen würdigen Platz gefunden, hier spürt man die Erinnerungen vieler Menschen. Hier spürt man Herzblut, und hier werden Erinnerungen an eine glanzvolle Epoche erlebbar gemacht.»
Das Sahnehäubchen
Ruth Portmann, Präsidentin der Stiftung Freiämter Strohmuseum, sprach sogar von einem Sahnehäubchen. Damit meinte sie das Museum selber, aber auch die Jubiläumsfeierlichkeiten. Sie blickte auf die Geschichte des Strohmuseums zurück – vor allem auf den Wechsel des Standortes. Im Anwesen der Villa Isler wurde das Museum tatsächlich zum Schmuckstück. Die langjährigen Stiftungsratsmitglieder Jacques Isler und Walter Dubler, beide über 20 Jahre Mitglied der Stiftung, leisteten Wesentliches. Vor allem Walter Dubler, damals Gemeindeammann, habe sich enorm für den neuen Standort starkgemacht. «Er hat gekämpft, damit das Museum in das schöne Anwesen durfte», so Portmann.
Die Stiftungsratspräsidentin sprach auch die grosse Konstanz in der Führung an. Lediglich drei Personen amteten in den 50 Jahren in der Museumsleitung: Dieter Kuhn, Anna Hegi und jetzt Petra Giezendanner. Auch bei der Kulturkommission fühlen sich die Museumsverantwortlichen immer wieder gut aufgehoben. Daher war es kein Zufall, dass drei Kultursekretärinnen (zwei ehemalige und die aktuelle) bei den Feierlichkeiten dabei waren: Iris Küng, Claudia Nick und Simone Pallecchi. «Sie alle sind verbunden mit dem Strohmuseum. Das zeigt auch, dass dieser Ort von Bedeutung ist.»
«Freiamt als globaler Modeplayer»
Georg Matter, Leiter der Abteilung Kultur im Aargau
«Es gibt Orte, an denen man sofort weiss: Hier passiert etwas Wichtiges, Beständiges, mit Sorgfalt und mit Leidenschaft. Das Schweizer Strohmuseum ist so ein Ort.» Dies sagte Georg Matter. Der Leiter der kantonalen Abteilung Kultur weiter: «Dieses Museum bewahrt und vermittelt etwas, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – und auf den zweiten Blick fasziniert: das Naturprodukt Stroh, das Handwerk des Strohflechtens und die industrielle Herstellung von Massenprodukten aus Stroh. Themen, die in Wohlen und im Freiamt einmal so bedeutend waren, dass sie den Alltag ganzer Generationen prägten.» Die Accessoires aus Stroh wurden in Paris, London und auf der ganzen Welt verkauft. «Das Freiamt als globaler Modeplayer», folgerte Matter.
Das Strohmuseum erzählt laut Matter von der lokalen Tradition und von der Weltgeschichte aus Wohler Perspektive.» Das Strohmuseum und die Kultur verbindet Menschen «über Grenzen, über Generationen». Das Museum mache vieles im Kleinen greifbar. «Es erzählt über Arbeitsbedingungen, Geschlechterrollen und Globalisierung.» Vor allem in der aktuellen Weltlage sei dies nach wie vor wichtig. Die Menschheit habe in den letzten 250 Jahren eine «unglaubliche Entwicklung ermöglicht. Aber diese steht auf dem Prüfstand», betonte er und sprach damit politische Spannungen und globale Krisen an. «Dies alles fordert die Gesellschaft heraus. Was gibt dabei Orientierung?», fragte er und gab die Antwort selbst: «Unsere gemeinsame Geschichte, unsere Werte, gegenseitiges Vertrauen, Identität, das Gefühl von Zugehörigkeit.» Dies alles bietet auch das Schweizer Strohmuseum.
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