Spätzünder am Traumrennen
10.03.2026 Sport, RadsportDer Sarmenstorfer Stefan Horber und sein Teamkollege starten gemeinsam am Cape Epic in Südafrika
Am nächsten Sonntag beginnt das Cape Epic in Südafrika. Mit dabei am Etappenrennen ist das Mabalux-Tscharner-Bike-Team. Der Sarmenstorfer Stefan Horber und sein ...
Der Sarmenstorfer Stefan Horber und sein Teamkollege starten gemeinsam am Cape Epic in Südafrika
Am nächsten Sonntag beginnt das Cape Epic in Südafrika. Mit dabei am Etappenrennen ist das Mabalux-Tscharner-Bike-Team. Der Sarmenstorfer Stefan Horber und sein Teamkollege, der Willisauer Dominik Bürkli, erfüllen sich mit ihrer Teilnahme einen Traum.
Josip Lasic
Seit Samstag weilen Stefan Horber und Dominik Bürkli in Südafrika. Rund eine Woche bleibt ihnen, um sich zu akklimatisieren, ehe am nächsten Sonntag das Cape Epic beginnt. In acht Tagen stehen für das Duo ein Prolog, sieben Etappen und über 700 Kilometer auf dem Programm. Das Rennen gilt als eines der bedeutendsten im Mountainbike-Sport und wird oft als «Tour de France des Mountainbikens» bezeichnet.
Diese Zeitung besuchte das Mabalux-Tscharner-Bike-Team noch vor dem Abflug. Dort hatten die beiden Fahrer alle Hände voll zu tun. Nebst den Fahrrädern mussten sie auch Verpflegung und Gepäck transportfähig verpacken. «Es ist eine Herausforderung mit dem Gepäck. Wir haben von unseren Sponsoren Sportgetränke, Recovery-Shakes, Energie-Gels und weitere Verpflegung erhalten. Jetzt gilt es, alles so zu verpacken, dass es nicht schwerer wird als 23 Kilogramm», sagt Horber. Anders als Profis, die bei grossen Teams unter Vertrag stehen, stemmen Horber und Bürkli den organisatorischen Aufwand weitgehend selbst. Das Mabalux-Tscharner-Bike-Team wurde von ihnen gegründet. Neben den sportlichen Leistungen übernehmen sie auch vieles im Hintergrund. Trotzdem überwiegt vor dem grossen Abenteuer die Vorfreude. «Es ist ein Traum, den wir uns erfüllen. Im Anschluss verbringen wir auch Familienferien in Südafrika. Das ist etwas ganz Besonderes für uns», sagt Horber.
Fast 200 Teams als Konkurrenz
Am Cape Epic messen sich Jahr für Jahr auch Topfahrer. Bei der Elite der Männer siegte im Vorjahr erneut der Schweizer Nino Schurter. 2016 gewann der Joner Urs Huber gemeinsam mit dem Deutschen Karl Platt. Horber und Bürkli starten in der Kategorie Open Men. Fast 200 Teams sind dort gemeldet. Die Konkurrenz kennen sie kaum. Deshalb sind sie zurückhaltend, was ihre Zielsetzung betrifft: «Wir wollen ans Limit gehen uns unser Bestes geben. Am letzten Tag möchten wir beide gesund ins Ziel kommen. Wenn wir uns dann sagen können, dass wir alles gegeben haben und in den verschiedenen Situationen jeweils richtig reagiert haben, ist das ein Erfolg.»
Schon die Qualifikation für das Etappenrennen werten beide als grossen Erfolg. Horber ist 36-jährig, Bürkli 38. Beide bezeichnen sich als Spätzünder. «Wenn mir vor vier Jahren jemand gesagt hätte, dass ich Radsportler werde, hätte ich ihn ausgelacht und gesagt, dass ich lieber das Motorrad nehme», sagt Bürkli. Zum Radsport kam er durch seine Kinder, die einem Mountainbike-Club beitraten. «Als ich einmal mit ihnen fahren ging, konnte ich konditionell nicht mithalten. Da hat mich der Ehrgeiz gepackt.» Horber spielte früher Unihockey, begann aber sich mehr für Radsport zu interessieren. Er fing an, Cross-Country-Rennen zu fahren, wie den Vittoria-Fischer-Cup in Hägglingen und Seon, und nahm danach seine ersten Marathon-Rennen in Angriff. Mittlerweile ist es seine fünfte Saison im Radsport. Für Bürkli ist es die dritte. Kennengelernt haben sich die beiden an einem Rennen im Kanton Jura. «Unsere Kinder haben auf dem Spielplatz gemeinsam gespielt. So kamen wir ins Gespräch», erzählt Bürkli. Später entstand die Idee, gemeinsam zu fahren und ein eigenes Projekt aufzubauen. Vor einem Jahr gründeten sie ihr Team, starteten an erste Rennen der Epic-Serie und qualifizierten sich am «Four Islands» in Kroatien für Südafrika. Mittlerweile besteht das Team auch aus einem dritten Fahrer: Raphael Müller aus Aesch. In Südafrika gehen aber Horber und Bürkli gemeinsam ins Rennen.
Möglichst professionelle Bedingungen
Beide sind zu 100 Prozent berufstätig. Horber arbeitet als Geschäftsleitungsmitglied bei der Mabalux Lichttechnik in Däniken, Bürkli als Bauleiter bei der Dachdeckerfirma Kneubühler in Menznau. «Glücklicherweise haben wir flexible Arbeitgeber. Und weil wir ein Team haben und Sponsoren uns unterstützen, können wir uns im Zweifelsfall auch einmal einen zusätzlichen Tag fürs Training nehmen. Aber während sich Profis ganz auf den Sport konzentrieren können, ist es für uns in erster Linie ein sehr intensives Hobby», sagt Horber.
Neben Beruf und Familie investieren die beiden rund 16 Stunden pro Woche ins Training. Dazu kommen Mentaltraining, Regeneration und ein hoher finanzieller Aufwand. «Zum Glück haben wir eine grosse Liste von Sponsoren, die uns wirklich gut unterstützen. Sonst wäre das alles gar nicht machbar», sagt Horber.
Damit die Bedingungen am Cape Epic möglichst professionell sind, haben sie für das Rennen einen Mechanikerservice und Massagen organisiert.
Solchen Aufwand betreiben sie sonst nicht. Bürkli: «Am ‹Four Islands› haben wir diesbezüglich Lehrgeld gezahlt. Wenn du einen Defekt am Fahrrad hast, wird dir geholfen. Aber wenn du kein solches Rundumpaket hast, kostet es dich mehr, du bist der Letzte, der an die Reihe kommt, und es wird nur das Nötigste getan.» Der Willisauer erklärt, dass ansonsten im Rennen selbst die Bedingungen für sie nicht so spürbar unterschiedlich sind wie für Profifahrer. «Sobald du im Ziel bist, musst du an nichts mehr denken. Du gehst an einen Essensstand, wo du dich verpflegen kannst. Je nachdem, wie du untergebracht bist, steht ein Bus bereit, der dich zum Hotel bringt. Dort kannst du duschen, wieder etwas essen.» Horber: «Wir müssen aber im Vorfeld viel mehr organisieren, damit wir solche Bedingungen haben.»
Horber: «Epic-Rennen machen süchtig»
Für die beiden ist der Radsport eine Leidenschaft. Dafür bringen sie gerne Opfer. Das Cape Epic ist jetzt ein grosses Projekt. Ob sie irgendwann wieder dort teilnehmen, ist noch offen. Horber: «Das war jetzt alles so zeitintensiv, dass ich nach unserer Rückkehr sicher ein paar Wochen das Fahrrad stehen lasse. Gleichzeitig habe ich mich bereits für die nächsten Rennen angemeldet. So habe ich wieder ein Ziel vor Augen. Was Südafrika angeht, werden wir sehen. Aber diese Epic-Rennen machen süchtig.»
Jetzt steht aber zuerst ihre Premiere in Südafrika an. Horber: «Wir müssen schauen, wie wir mit den Temperaturen umgehen. Während andere in Wohnwagen übernachten, haben wir ein Zelt dabei. Deshalb spüren wir die Hitze vielleicht stärker. Das grösste Problem wäre, wenn einer von uns krank wird. Alles andere haben wir vorbereitet. Und dann schauen wir mal, wohin es reicht.»

