Caroline Doka, freischaffende Journalistin, in Wohlen aufgewachsen, lebt heute in der Nähe von Basel.
Es gibt für mich nichts Schöneres als Sommerferien am Zugersee. Zu meinem Glück gehört es, frühmorgens um den See ...
Caroline Doka, freischaffende Journalistin, in Wohlen aufgewachsen, lebt heute in der Nähe von Basel.
Es gibt für mich nichts Schöneres als Sommerferien am Zugersee. Zu meinem Glück gehört es, frühmorgens um den See zu radeln, wenn die Welt noch still, die Luft kühl und unterwegs wenig los ist. Im Naturschutzgebiet kurz vor Zug duftet es betörend nach Moor und Mädesüss. Jenseits des Schilfs glitzert das Wasser, dahinter ragt die Rigi in den Morgenhimmel. In diesen Stunden gehört die Welt mir.
Jedes Jahr geniessen mehr Menschen die morgendliche Idylle. Ab und zu surrt bergauf ein E-Bike an mir vorbei. Sobald es flach wird, ziehe ich wieder an ihm vorüber. «Wir sehen uns am nächsten Anstieg», rufe ich im Überholen einer E-Bikerin zu, die zuvor an mir vorbeigerauscht ist. Sie lacht und gesteht, wie schäbig sie sich fühle, wenn sie leichten Tritts an Rennradlern vorbeirolle.
Mitten im Weg spazieren schnatternd zwei Damen. Ich bremse sanft und flöte: «Nicht erschrecken, ich komme links vorbei!» Sie stieben auseinander wie aufgescheuchte Hühner und schicken mir Empörungen hinterher. Ich halte an, erzähle, dass ich früher hier allein unterwegs war und es eben voller geworden sei auf der Welt. «Deshalb habe ich für eine begrenzte Einwohnerzahl gestimmt, aber es wurde ja abgelehnt!», macht eine der Damen ihrem Ärger Luft. «Fahren Sie doch auf der Strasse!»
Doch dort scheucht man mich hupend auf den Veloweg. Wo bin ich als Velofahrerin eigentlich geduldet? Selbst in meiner Sackgasse am See herrscht Fahrverbot. Missachtung: 2000 Franken. Am nächsten Morgen steuere ich in Zug ein Café an und beobachte bei einem Espresso unter schattigen Linden die Menschen. Am Nebentisch eine Dame, erfrischt vom Morgenschwumm im See. Wir kommen ins Gespräch und schweifen von einem Thema zum nächsten. Beschwingt steige ich danach aufs Velo.
Tags darauf zieht es mich wieder ins Café, und tatsächlich, meine Seeschwimmerin ist auch da. «Setzen Sie sich doch zu mir», sagt sie freudig. Wir knüpfen an, wo wir aufgehört haben, und plaudern wie alte Bekannte. Statt langer Touren halte ich nun jeden Tag beim Café, freue mich auf meine Bekanntschaft und darüber, dass es ihr offenbar genauso geht. Was scheren mich schimpfende Spaziergänger und hupende Autos. Der glitzernde See und meine bereichernde Begegnung sind Sommerglück pur.