Sabrina Salm, Redaktorin.
Ach, der Sommer. Diese verheissungsvoll glitzernde Jahreszeit, in der Instagram mit Meerblicken und perfekt inszenierten Füssen am Pool überflutet wird und der Grillgeruch in jeder Strasse hängt. Wir ...
Sabrina Salm, Redaktorin.
Ach, der Sommer. Diese verheissungsvoll glitzernde Jahreszeit, in der Instagram mit Meerblicken und perfekt inszenierten Füssen am Pool überflutet wird und der Grillgeruch in jeder Strasse hängt. Wir streben jedes Jahr aufs Neue nach ihm, diesem Sommer wie aus der Werbung. Der, in dem wir morgens barfuss durch den Sand laufen und abends tiefenentspannt auf einer Terrasse sitzen, während Kinderlachen durch die Luft weht und der Rosé genau richtig temperiert ist. Kein Sonnenbrand, kein Stau, keine genervten Familienmitglieder. Einfach nur Leichtigkeit und Sonne im Herzen. Der perfekte Sommer eben.
Doch während die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt, geraten wir kollektiv ins Schwitzen – nicht nur wegen der Temperaturen, sondern wegen des Vorbereitungsstresses, der mit der Ferienzeit einhergeht. Zwischen dem Ist-Zustand (E-Mail-Chaos, Wäscheberge, und Hausputz) und dem vermeintlich erholsamen Ziel (Cocktail in der Hand, nichts als das Meeresrauschen im Ohr) liegt ein logistischer Hindernislauf, der einer kleinen Expedition gleicht.
Man organisiert, packt und checkt Wetter-Apps wie andere den Aktienkurs. Kinder wollen bespasst, Pflanzen versorgt, Kühlschränke leer gegessen werden. Irgendwo zwischen Sonnencreme auf der Packliste und «Wo ist eigentlich der Reisepass?» fragt man sich leise, wann genau die Ferien eigentlich anfangen. Spoiler: meist erst nach Tag drei, wenn man aufhört, dienstlich Mails zu beantworten, das Smartphone endlich weglegt – und akzeptiert, dass man den Lieblingshut zu Hause vergessen hat.
Dass Ferien nur Entspannung bringen, ist eine Illusion. Aber: All das gehört irgendwie dazu. Der perfekte Sommer ist nicht durchgeplant. Er ist chaotisch, ein bisschen klebrig, oft zu heiss oder zu nass, manchmal laut, manchmal faul – und genau deshalb schön und gespickt mit lauter kleinen Glücksmomenten. Er lebt von den kleinen Dingen, die wir nicht buchen oder timen können.
Also lassen wir das mit dem Perfektsein. In diesem Sinne: Tief durchatmen, Sonnenbrille auf, und nicht vergessen – der Sommer ist dann am besten, wenn wir ihn einfach passieren lassen.