Sein letzter Tanz
29.08.2025 Schwingen, SportDie Ära Strebel endet
Eidgenössisches Schwingfest in Mollis
Ein letztes Mal ist Stefan Strebel das Oberhaupt. Der Villmerger ist der Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) und wird sein Amt in wenigen Monaten ...
Die Ära Strebel endet
Eidgenössisches Schwingfest in Mollis
Ein letztes Mal ist Stefan Strebel das Oberhaupt. Der Villmerger ist der Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) und wird sein Amt in wenigen Monaten offiziell abgeben. Das Eidgenössische Schwingund Älplerfest (ESAF) in Mollis am kommenden Wochenende ist für ihn die letzte grosse Kiste. Ein Abschlussfest quasi. Aber ein gewaltiges. «Es wird spannend. Ich freue mich enorm», sagt der 48-Jährige. Und er freut sich auch auf die Zeit, die danach kommt, wenn all der Druck weg ist. --spr
Eidgenössisches in Mollis: Der Freiämter Stefan Strebel vor seinem letzten Grossanlass als Schwingerboss
Noch einmal im Rampenlicht. Noch einmal ein Eidgenössisches. Noch einmal grosse Emotionen. Wenn der neue Schwingerkönig am Sonntagabend ausgerufen wird, endet die Ära von Stefan Strebel als ESV-Leiter. Und dann? «Bora Bora», meint der 48-Jährige lachend.
Stefan Sprenger
Seine «Bella» hat alles immer mitgetragen. «Dafür bin ich ihr enorm dankbar», sagt Stefan Strebel. «Bella», das ist seine Frau Fabienne. Kennengelernt vor bald drei Jahrzehnten im Fitnesscenter «Akropolis» in Wohlen. Er, der aufstrebende Schwinger aus Villmergen. Sie, die aufgestellte Wohlerin aus einer Fussballfamilie. Gemeinsam gehen sie fortan ihren Lebensweg. Ein Weg, der geprägt ist vom Schwingsport. An diesem Wochenende wird dieses grosse Kapitel geschlossen. «Jungschwinger. Aktivschwinger. Funktionär. Seit 40 Jahren bin ich im Schwingsport», sagt Strebel. «Nun ist Schluss. Es ist genug. Ich überlasse das Feld anderen. Ich habe genug gemacht, möchte keine Sitzungen mehr, keine Protokolle, kein offizielles Amt.»
«Schau, ich habe Gänsehaut»
Doch ein letztes, riesiges Highlight steht an. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Mollis. Ein letzter Tanz. Für Strebel ist es das elfte Mal, dass er dabei ist. 1995 ist er als 18-Jähriger erstmals als Aktiver am ESAF. 1998, 2001 und 2004 holt er sich den Kranz am Eidgenössischen. 2007 ist er in Aarau Fahnenträger. 2010, 2013, 2016 und 2019 ist er als Technischer Leiter des Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes dabei. 2022 und nun 2025 als Technischer Leiter des eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV). «Alles aufgegangen. Ich bin stolz», sagt er.
Er hat viel erlebt. Viel gesehen. Viel erreicht. Was bleibt, sind riesige Emotionen. Am meisten freut er sich auf den Einmarsch am Samstagmorgen. Wenn alle Schwinger und Funktionäre in die grösste mobile Sportarena der Welt einmarschieren. «Das ist wie bei den Gladiatoren im alten Rom», sagt er. 56 500 Zuschauer werden den Schwingern zujubeln. «Schau, ich habe Gänsehaut», sagt Strebel am letzten Dienstag, als er für ein Gespräch in Wohlen Zeit findet. «Diese gigantischen Emotionen, die gehen nie weg. Am Samstag ist Tag X».
Tag X für ihn. Tag X für die besten 270 Schwinger des Landes. Nach rund 900 Gängen am Samstag und Sonntag steht dann der neue Schwingerkönig fest. Wer wird es? Strebel sagt, es habe selten so einen grossen Favoritenkreis gegeben. «Giger. Schlegel. Ott. Moser. Walther. Reichmuth. Armon Orlik. Wicki. Staudenmann. Es gibt wohl noch ein, zwei Kandidaten mehr. Es wird spannend.»
Kritik nach Spitzenpaarungen
Als Technischer Leiter des ESV ist es nur er alleine, der die Spitzenpaarungen des 1. Gangs zusammenstellt. Am Mittwoch – live im Schweizer Fernsehen – stellt er diese Duelle vor und macht dies gewohnt souverän. «Ungeschriebene Gesetze interessieren mich nicht», sagt Strebel, der hofft, dass «knallhart und mutig» eingeteilt wird.
Er hofft, dass fünf bis sechs Kränze in die Nordwestschweiz wandern. Wenn der Aristauer Joel Strebel den Kranz schafft, wovor er ausgeht, dann schreibt er Freiämter Sportgeschichte.
Denn Joel Strebel wäre erst der zweite Freiämter Schwinger, dem es in 100 Jahren Vereinsgeschichte gelingt, dreifacher Eidgenosse zu werden. Vor ihm hat das nur einer geschafft: Stefan Strebel. «Ich würde mich für ihn sehr freuen», sagt Stefan Strebel, der früher sein Jungschwingertrainer war. Im 1. Gang hat er Lario Kramer als Gegner für seinen früheren Schützling ausgewählt. «Kramer hat 2025 drei kantonale Festsiege vorzuweisen. Strebel gewann 2024 drei kantonale Feste – und 2025 ein Teilverbandsfest. Ein spannendes Duell.»
Vor einer Situation hat er «Respekt»
Bei der Einteilung gab es – wie immer – auch Kritik. Beispielsweise dass der amtierende Schwingerkönig Joel Wicki keinen Eidgenossen erhält, sondern mit dem 20-jährigen Michael Moser zwar den Shootingstar der Saison, aber keinen Eidgenossen. Strebel: «Ich bin mir bewusst, dass Michael Moser noch keinen eidgenössischen Kranz gewonnen hat. Aber Adrian Käser im Jahr 1989, Jörg Abderhalden 1998 und Kilian Wenger 2010 waren ebenfalls noch keine Eidgenossen, als sie zum König wurden.» Zur Kritik und den Diskussionen, die seine Einteilungen auslösen, sagt Strebel cool und in gewohnt charmantprovokativer Art: «Das gehört dazu.
Mein Nachfolger kann sich wieder an die ungeschriebenen Gesetze halten, wenn er will.»
Stefan Strebel wird in Mollis mit dem E-Bike vom Hotel in Näfels auf das Festgelände fahren. Natürlich werden ihm unterwegs viele Gedanken in den Kopf schiessen. Sein letztes Fest, sein letzter grosser Auftritt. Sein letztes ESAF. Natürlich ist seine «Bella» an seiner Seite. Zum letzten Mal Sitzungen, Protokolle, Festakte. «Das wird ein tolles Fest mit gewaltigem Ambiente», sagt er.
Vor einer Situation hat Strebel jedoch ein wenig Bammel. Wenn nach dem Schlussgang kein König feststeht. «Davor habe ich Respekt. Ich hoffe, es gibt zwei klare Schlussgangteilnehmer – und am Ende einen klaren Sieger. Einen verdienten neuen König», sagt er. Und wenn der neue Schwingerkönig gefeiert wird, endet seine Ära im Schwingsport.
«Viele wollen etwas vom Schwingerkuchen»
Im März 2026 wird er – nach sechs Jahren – an der Delegiertenversammlung dann offiziell abtreten als Technischer Leiter des ESV. Es werden in Zukunft viele Herausforderungen auf den Schwingsport zukommen. «Sponsoren, Selbstverwirklicher, Fernsehen. Viele wollen etwas vom Schwingerkuchen. Der Schwingsport muss dagegenhalten und die Tradition wahren. Ich hoffe, das gelingt.»
Und wie sieht seine Gefühlswelt aus? Schliesslich geht am Sonntagabend eine Ära zu Ende. «Ich habe keine Angst davor, was danach kommt. Aber es wird ein einschneidender und langer Lebensabschnitt zu Ende gehen. Ganz viel Druck wird abfallen. Und ich werde mehr Zeit haben.» Zeit für seine «Bella», seine Familie, vielleicht für einen Hund. «Und Bora Bora.» Strebel will die Insel im Südpazifik unbedingt einmal besuchen, quasi als absoluter Endpunkt seiner Schwinger-Laufbahn. Bei all den vielen und grossen Dingen, die er in seiner Schwingerkarriere erreicht hat, scheint diese letzte Aufgabe seine mit Abstand einfachste zu sein.