Sehr bewegte Monate erlebt
17.04.2026 Berikon, Mutschellen, PolitikGemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill schaut auf ihre ersten 100 Tage im Amt zurück
Intensive erste 100 Tage erlebte Petra Oggenfuss Feldgrill in ihrer neuen Funktion als Gemeindeammann. Im März verlor sie mit dem Gemeinderat eine wichtige Abstimmung an der ...
Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill schaut auf ihre ersten 100 Tage im Amt zurück
Intensive erste 100 Tage erlebte Petra Oggenfuss Feldgrill in ihrer neuen Funktion als Gemeindeammann. Im März verlor sie mit dem Gemeinderat eine wichtige Abstimmung an der Urne. Trotzdem überwiegen für sie die positiven Erlebnisse.
Roger Wetli
«Auch wenn es teilweise etwas anders wirken könnte: Zwischen den Gemeindeammännern der Mutscheller Gemeinden sind die Kontakte sehr angenehm», betont Petra Oggenfuss Feldgrill. «Natürlich vertritt jeder Ammann die Interessen seines Dorfes. Das ist auch gut so. Wir reden, verhandeln und suchen nach Lösungen. Alles andere wäre auch falsch.» Die Zusammenarbeit mit den Ammännern der Nachbargemeinden ist eine von vielen neuen Aufgaben, die sie in den letzten 100 Tagen aufgenommen hat.
Mit vier Gemeinderatsjahren am amtsältesten
Einen ersten Höhepunkt als Gemeindeammann erlebte sie beim Neujahrsauftakt mit der vorgängigen Inpflichtnahme der Kommissionsmitglieder. «Das war ein sehr schönes Erlebnis mit all den vielen Menschen, welche sich in den Kommissionen für Berikon engagieren.» Generell schätzt Petra Oggenfuss Feldgrill die vielen Begegnungen, die das neue Amt ermöglicht. Sie nahm ihre Tätigkeit als Gemeinderat 2022 auf und wurde im September 2024 Vizeammann. Anfang Januar trat sie die Nachfolge von Rosmarie Groux als Gemeindeammann an. «Sie involvierte mich als Vizeammann sehr stark. Das mache ich jetzt auch mit Vizeammann Patrick Stangl», versichert erzählt Petra Oggenfuss Feldgrill. Sie weiss, dass der Beriker Gemeinderat aktuell einen sehr amtsjungen Rat stellt. Sie und Stangl wurden gleichzeitig ins Amt gewählt und sind somit die amtsältesten Mitglieder. «Vieles machen wir jetzt zum ersten Mal in der neuen Besetzung.»
Als ehemalige Ressortleiterin Bau ist sich Petra Oggenfuss Feldgrill ein forderndes Amt gewohnt. «Jetzt habe ich einfach eine andere Aufgabe. Ich kümmere mich nun mehr um die übergeordnete Koordination, übernehme Leitungsaufgaben und repräsentiere die Gemeinde», erklärt sie – und gibt zu: «Ja, es gibt jetzt mehr Arbeit.» Wegen der beiden schulpflichtigen Kinder versucht sie möglichst vieles tagsüber zu erledigen. «Aber auch die Abendtermine sind wichtig. Dafür hat meine Familie Verständnis», ist sie dankbar. «So ein Amt geht nur mit einer funktionierenden Partnerschaft.» Seit sie Mutter ist, arbeitet Petra Oggenfuss mit einem 50-Prozent-Pensum. Das macht sie auch weiterhin.
Vom Abstimmungsresultat enttäuscht
Als neuer Ammann versuchte sie als eine der ersten Amtshandlungen die Referendumsabstimmung um eine Erhöhung der Stellenprozente zur Umsetzung des Verwaltungsleitungsmodells zusammen mit dem Gemeinderat zu gewinnen. Sie verloren mit einem Nein-Anteil von 63,8 Prozent. In der Woche darauf kündigte der Verwaltungsleiter Patrick Vogel seine Stelle. Petra Oggenfuss Feldgrill gibt zu: «Mit dem Abstimmungsresultat habe ich Mühe. Die Deutlichkeit des Resultates hat mich sehr enttäuscht.» Sie fragt sich, warum es der Gemeinderat nicht geschafft hat, die Bevölkerung von der Notwendigkeit von mehr Ressourcen für eine zukunftsgerichtete Organisation zu überzeugen.
Sie habe die Zeit des Abstimmungskampfes professionell und nicht persönlich genommen. «Die Gegner hatten ihre Argumente, wir unsere. Das Resultat nehmen wir jetzt sehr ernst. Die Frage ist jetzt, wie wir mit dem Entscheid des Souveräns umgehen.» Der Gemeinderat möchte dazu das Gespräch mit den Gegnern führen. Zwar laufe auf der Verwaltung das tägliche Geschäft gut, aber es würden die Ressourcen für die Weiterentwicklung fehlen. Wie wichtig diese ist, zählt sie an Zahlen auf: «Aktuell leben in Berikon etwas über 5000 Personen. Bis 2040 rechnen die Prognosen mit 6400 Einwohnern. Diese Entwicklung müssen wir steuern.» Denn würden in 14 Jahren tatsächlich 1400 Personen mehr in Berikon wohnen, brauche es eine vorausschauende Infrastruktur-Planung für Themen wie zum Beispiel Verkehr, Schulraum oder Versorgung.
Lösung in Aussicht
Bezüglich der Organisation der Verwaltung besteht nach wie vor ein Antrag der Finanzkommission, welche diesen an der letzten Einwohnergemeindeversammlung gestellt hatte. Dieser verlangt, dass der Gemeinderat bereits bewilligte, aber noch nicht besetzte Stellen in einzelnen Abteilungen flexibel auch für andere Abteilungen einsetzen kann. Das ist bisher nicht möglich. Petra Oggenfuss Feldgrill: «Diese Anpassung möchten wir für die nächste ‹Gmeind› traktandieren. Ich hoffe sehr, dass dieser Antrag vom Souverän unterstützt wird. Dies würde dem Gemeinderat künftig mehr Flexibilität in der Gemeindeführung ermöglichen.» Sie betont, dass dadurch künftig neue Stellen nicht durch die Hintertür geschaffen werden können.
«Kommt dieser Antrag durch, müssen wir künftig neue Stellen, welche im Gesamtstellenplan bereits bewilligt sind, jeweils übers Budget an der Winter- «Gmeind» beantragen. Bevor dem zugestimmt ist, stellen wir niemanden zusätzlich an», betont sie.
Das erste Ziel des Gemeinderates ist es jetzt nach der verlorenen Abstimmung und der Kündigung des Verwaltungsleiters, die Gemeindeverwaltung neu aufzubauen. «Wir hatten nun dazu eine Klausur. Das Aufgabenfeld des Gemeindeschreibers oder der Gemeindeschreiberin in der neuen Organisation wurde vom Gemeinderat definiert. Die Stelle ist bereits ausgeschrieben und der Rekrutierungsprozess gestartet», sagt Petra Oggenfuss Feldgrill.
Pragmatische Legislaturplanung
Aufgrund der Abstimmung wartete der Beriker Gemeinderat noch, die aktuellen Legislaturziele zu definieren, denn die verfügbaren Ressourcen auf der Verwaltung haben Einfluss auf den Umfang der Ziele, welche während der Legislatur bearbeitet werden können. Mit Bekanntwerden des Abstimmungsresultates konnte mit der Legislaturplanung begonnen werden. «Mittlerweile haben wir die Legislaturziele definiert», versichert sie. Themen sind zum Beispiel die Finanzen, die Gemeindeliegenschaften, der Abschluss der Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) und die Gestaltungspläne Riedacher und Bahnhofareal. «Zudem möchten wir den Dialog und Austausch mit der Bevölkerung stärken», so Petra Oggenfuss Feldgrill. Der Gemeinderat wird in Kürze ausführlicher über die definierten Legislaturziele informieren.
Wichtige Weichen stellen
Petra Oggenfuss Feldgrill erklärt, dass sie Freude an der Aufgabe des Gemeindeammanns hat. «Ich mache es gern und möchte dem Souverän dienen.» Der Abstimmungskampf habe das Dorf gespalten. Sie hoffe, dass jetzt darunter ein Strich gezogen werde und die Bevölkerung gewillt sei, gemeinsam Lösungen zu finden. Das Dorf werde sich weiterentwickeln. «Auch in den nächsten vier Jahren werden wichtige Weichen für das Dorf gestellt. Ich wünsche mir bei der Lösungsfindung eine konstruktive und respektvolle Diskussion.»

