Sechs Jahrzehnte am Es-Horn
20.03.2026 Boswil, Region Oberfreiamt, Musik, VereineKöbi Keusch ist seit 60 Jahren Teil der «Musig» Boswil und damit CISM-Veteran
Anfangs war er der Jüngste, mittlerweile ist er der Drittälteste. Ob damals als 14- oder jetzt als 74-Jähriger – geblieben ist der Spass am Musizieren. Und ...
Köbi Keusch ist seit 60 Jahren Teil der «Musig» Boswil und damit CISM-Veteran
Anfangs war er der Jüngste, mittlerweile ist er der Drittälteste. Ob damals als 14- oder jetzt als 74-Jähriger – geblieben ist der Spass am Musizieren. Und die Freude am Verein. «Das Miteinander ist sehr toll, das ist enorm wichtig», ist Köbi Keusch überzeugt.
Annemarie Keusch
Das ideale Instrument für ihn. Darum ist Köbi Keusch dem Es-Horn treu geblieben. «Weil es nicht besonders schwierig ist.» Soli gibt es kaum, vielmehr trägt das Instrument zum Teppich bei, auf dem andere Instrumente brillieren können. «Es machte mir nichts aus, immer eher im Hintergrund zu sein. Im Gegenteil.» Ideal war das Es-Horn immer. «Weil ich nicht viel üben musste», sagt der 74-Jährige und lacht. Als Landwirt fehlte ihm lange die Zeit dazu. «Dank dem Es-Horn konnte ich trotzdem dabei sein und mitmachen.» Auch heute übt er selten. «Nur Passagen, die noch nicht funktionieren.» Und wenn, dann am Mittwochabend, wenn seine Frau in der Kirchenchor-Probe ist. «Dann störe ich niemanden», meint er und lacht.
Zum Es-Horn kam Köbi Keusch damals als 14-Jähriger. Die «Musig» schrieb einen Bläserkurs aus, er nahm daran teil. «Mir gefiel Musik schon immer», erzählt er. Ein Instrument spielte er aber vorher nie. «Das war damals nicht Usus. Es gab keinen Musikunterricht.» Dem Bläserkurs folgten zwei weitere kantonale Kurse, dann legte er in der örtlichen «Musig» los. «Ich bin hängen geblieben und es gefiel mir über all die Jahre.» Als er 14-jährig zu den Jüngsten gehörte und auch jetzt, wo er der Drittälteste im Verein ist.
Märsche mag er immer noch
Dass er damals in die «Musig» ging, war auch eine willkommene Möglichkeit für Abwechslung. «Für Ausgang», sagt er lachend. Am Samstag proben – was früher normal war, ist in den heute prall gefüllten Agenden nicht mehr vorstellbar. Gewandelt hat sich in den 60 Jahren aber nicht nur das. Köbi Keusch ist mittlerweile der einzige Es-Horn-Spieler im Verein. «Anfangs waren wir vier.» Das gehe trotzdem gut, weil die Waldhörner das Es-Horn ergänzen. Wie es zu dieser Entwicklung kam? «Heute geniessen viele eine gute Grundausbildung in Musikschulen. Die Tendenz geht dann eher in Richtung melodiösere Instrumente. Das ist auch verständlich.» Und die Tendenz geht auch eher in Richtung harmonische Instrumente. Die Musikgesellschaft Boswil ist in der Harmonie-Besetzung unterwegs – mit Flöten, Saxofon und Klarinette.
Entwickelt hat sich auch im Bereich der Genres einiges. Anfangs waren es vor allem Polka und Märsche. «Ich mag beides heute noch sehr», gesteht Köbi Keusch. Aber er ist auch der moderneren Unterhaltungsmusik nicht abgenigt. «Die Abwechslung machts aus.» Ein Lieblingsstück habe er nicht, im Gegenzug auch keines, das er nicht gerne spielt. «Ich mache bei allem mit. Wenn ich im Verein dabei bin, dann bin ich dabei.» Und das ist Köbi Keusch, seit 60 Jahren.
Jubiläen bedeuten ihm nicht viel
Was ihm aktuell besonders gefällt: das Miteinander. «Die Kollegialität im Verein stimmt – von Jung bis Alt. So macht es riesigen Spass.» Als er neu in die «Musig» kam, war das ein reiner Männer-Verein. «Auch das hat sich zum Glück verändert.» Die wöchentlichen Proben lässt er nur ganz selten aus. «Es muss schon etwas Aussergewöhnliches anstehen, damit das passiert.» Buch geführt, wie oft er in den 60 Jahren fehlte, hat Köbi Keusch indes nicht. Überhaupt, Zahlen sagen ihm wenig.
Wie lange er im Vorstand mitwirkte? Das weiss er nicht mehr. Aktuar und Kassier war er.
Auch auf die Jubiläen gibt Köbi Keusch nicht viel. Dass er nun 60 Jahre aktiv musiziert und damit CISM-Veteran wird, eine europäische Auszeichnung, «ist eine reine Alterserscheinung». Die Jahrzehnte haben sich angesammelt und damit die Erfahrung. Ist er überhaupt noch nervös vor Auftritten? Etwa dem Jahreskonzert, das am 28. März um 20 Uhr ansteht? Köbi Keusch lächelt. «Nervös ist das falsche Wort, aber eine gewisse Anspannung braucht es.»
Auch zwei Söhne musizieren im Verein mit
Ans Aufhören denkt der 74-Jährige nicht. «Solange die Gesundheit passt, bleibe ich gerne dabei.» An der Freude und am Spass wird es wohl auch in Zukunft nicht mangeln. Und das tolle Miteinander im Verein tut seines dazu.
Übringens sind auch zwei von Köbi Keuschs vier Söhnen im Verein dabei. «Ja, ein gewisser Stolz ist da. Vor allem auch, weil sie viel besser sind als ich.» Ganz allgemein, Stolz auf den Verein. Weil er gut funktioniert, weil er gut aufgestellt ist. «Aber natürlich können auch wir noch mehr junge Mitglieder gebrauchen», meint er augenzwinkernd.
Mehr Informationen, auch zum Jahreskonzert: www.mg-boswil.ch.

