Reine Eventualplanung
29.05.2026 MutschellenBereits Prüfung sorgt für Unmut
Die Eventualplanung des Kantons für eine Notunterkunft für Asylsuchende bei der Kreisschule Mutschellen löst bereits starke Bedenken bei der Bevölkerung aus. Es handle sich dabei nur um Abklärungen, ob der ...
Bereits Prüfung sorgt für Unmut
Die Eventualplanung des Kantons für eine Notunterkunft für Asylsuchende bei der Kreisschule Mutschellen löst bereits starke Bedenken bei der Bevölkerung aus. Es handle sich dabei nur um Abklärungen, ob der Standort unterhalb der Schulanlage infrage kommen könnte, so der Kanton. Die Gemeinderäte der Verbandsgemeinden äussern ihre Bedenken und sind klar dagegen. Auch die SVP Berikon äussert sich kritisch. --sab
Kanton prüft Asyl-Notunterkunft an der Kreisschule Mutschellen als möglichen Standort – was Bedenken auslöst
Die Meldung, dass der Kanton eine Notunterkunft für Asylsuchende auf dem Areal der Kreisschule Mutschellen planen soll, sorgt in den vier Verbandsgemeinden für Aufregung. Nun nehmen das Departement für Gesundheit und Soziales sowie die Gemeinderäte Stellung dazu.
Sabrina Salm
Die Nachricht von Mitte Mai, dass der Kanton Aargau eine Eventualplanung für eine Asyl-Notunterkunft in Berikon auf dem Gelände der Kreisschule Mutschellen (KSM) verfolgt, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In der Bevölkerung schürt dies sofort Ängste und sorgt für viele Fragen. «Hierzu erreichten die Gemeinderäte eine Vielzahl von Rückmeldungen», schreiben die Gemeinderäte der vier betroffenen Dörfer Berikon, Oberwil-Lieli, Widen und Rudolfstetten-Friedlisberg in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie erklären, dass sie die Sorgen und Ängste der Bevölkerung – insbesondere der Eltern – sehr ernst nehmen. Sie betonen aber auch: «Der Kanton prüft derzeit lediglich, ob eine Anlage allenfalls in Betrieb genommen wird.» Es handle sich um eine Eventualplanung, «und es sind noch keine konkreten Schritte geplant oder entschieden».
Derzeit nicht absehbar
Dies unterstreicht auch Michel Hassler, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales. «Eine Inbetriebnahme der geschützten Sanitätsstelle in Berikon als Notunterkunft ist derzeit nicht absehbar.» Der Kanton agiere vorausschauend. Denn er befinde sich im Asylbereich seit Januar 2023 in einer Notlage. Seit etwa dieser Zeit sind die Regelstrukturen im Asylbereich überlastet. «Am 1. Mai 2026 lebten 10 011 Personen aus dem Asylbereich im Kanton Aargau in Kantons- und Gemeindeunterkünften. Den Höchststand verzeichneten wir zuletzt am 31. März 2026 mit 10 071 Personen. Das dürfte der höchste Stand seit dem 2. Weltkrieg sein», sagt Hassler weiter. Der kantonale Sozialdienst (KSD) betreibt aktuell 79 Asylunterkünfte. Die regulären Plätze sind zu 89 bis 93 Prozent ausgelastet. Um Engpässe zu vermeiden, fallen unter die Eventualplanung auch unterirdische Zivilschutzanlagen, geschützte Operationsstellen (GOPS) und geschützte Sanitätsstellen (GSS).
Aufgrund der hohen Zuweisungszahlen durch den Bund müsse man für einen allfälligen starken Anstieg bereit sein, da bauliche Herrichtungen Zeit in Anspruch nehmen. Parallel zur Abklärung auf dem Mutschellen werden auch andere Standorte geprüft.
Ungeeigneter Standort
In den vergangenen Wochen hat der KSD deshalb mit Vertretern der Gemeinde und der Kreisschule Mutschellen besprochen, wie eine allfällige Nutzung als Notunterkunft aussehen könnte, und auch die Bedürfnisse von Gemeinde und Schule eingeholt. Die Gemeinderäte von Berikon haben bereits da ihre erheblichen Bedenken gegen die mögliche Inbetriebnahme der Anlage als Notunterkunft klar zum Ausdruck gebracht. «Die Gemeinderäte der vier Gemeinden Berikon, Oberwil-Lieli, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen, deren Schülerinnen und Schüler die Oberstufe Kreisschule Mutschellen besuchen, haben ein gemeinsames Schreiben mit ihren Vorbehalten an Landammann Jean-Pierre Gallati (SVP) versandt», heisst es aus ihrer Medienmitteilung. Alle vier Gemeinden machen deutlich, dass sie gegen eine mögliche Nutzung der Anlage als Notunterkunft für Asylsuchende sind. «Der Zugang im Zentrum in der Schulanlage stellt ein grosses Problem dar», begründen sie. Zudem orten die Gemeinderäte erhebliche Sicherheitsrisiken für die Schulkinder auf dem Schulweg sowie an den umliegenden Bushaltestellen. Der Schulbetrieb sei ohnehin seit Längerem angespannt. «Die KSM soll nun endlich wieder zur Ruhe kommen.»
SVP Berikon will sich wehren
Zu Wort meldet sich zudem die SVP Berikon. Die Ortspartei übt scharfe Kritik an den kantonalen Plänen. Sie stellt die Eignung eines Schulareals als Standort für eine Asyl-Notunterkunft grundsätzlich infrage. Besonders der Standort unterhalb der Schulanlage der Kreisschule Mutschellen sei aus mehreren Gründen «völlig ungeeignet». «Der Ausgang der Zivilschutzanlage befindet sich unmittelbar beim Schulareal. Unabhängig davon, in welche Richtung die Bewohner der Anlage geführt werden, bewegen sie sich zwangsläufig auf denselben Schulwegen und in denselben Quartieren wie unsere Schülerinnen und Schüler.»
Die SVP verweist auf das hohe Konfliktpotenzial und verlangt, dass die Sicherheit und der ungestörte Schulbetrieb der einheimischen Kinder oberste Priorität haben müssen. Weiter kritisiert die SVP Berikon die aus ihrer Sicht ungenügende Asylpolitik von Bund und Kantonen, welche zunehmend zu Engpässen bei den Unterbringungskapazitäten führe. «Die SVP Berikon wird sich mit aller Konsequenz und mit allen demokratischen Mitteln gegen diesen Standort bei der KSM wehren und sich mit Nachdruck für den Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung einsetzen», hält sie in ihrer Mitteilung fest.
Im tatsächlichen Fall würde der Kanton vorab informieren
Der Kanton weist darauf hin, dass er bereits Notunterkünfte betreibt, die sich in unmittelbarer Nähe zu Schulen befinden. «Auf die Bedürfnisse der Gemeinden, Schulen und der Anwohnerinnen und Anwohner sowie weiterer Nutzer des betroffenen Areals nimmt der KSD bei der Planung sowie im Betrieb so gut wie möglich Rücksicht», erklärt Michel Hassler. Der KSD rufe dazu jeweils eine Begleitgruppe mit Vertretern der Gemeinde, von Schule oder Pflegeheimen sowie Anwohnerinnen und Anwohnern ins Leben, die den Betrieb begleiten. Der Betrieb der bisher acht unterirdischen Notunterkünfte läuft gut. «Die Betreuungs- und Sicherheitskonzepte haben sich in der Praxis bewährt.»
Ob die Kreisschule Mutschellen tatsächlich jemals als Notunterkunft genutzt wird, bleibt offen. Nach aktuellem Stand handelt es sich um eine vorsorgliche Prüfung ohne konkreten Umsetzungsentscheid. Hassler betont noch einmal: «Derzeit braucht es keine zusätzliche Notunterkunft. Mit den beiden geschützten Sanitätsstellen (GSS) in Lenzburg und Seon stehen dem kantonalen Sozialdienst (KSD) bereits zwei weitere Anlagen für einen Betrieb zur Verfügung.» Der Kanton versichert, die Bevölkerung im Falle einer tatsächlichen Nutzung der GSS Berikon vorab per Medienmitteilung zu informieren.
Eines ist bereits heute klar: Widerstand ist, sollte der Kanton den Standort an der Kreisschule Mutschellen als geeignet befinden, programmiert.

