Reicher Fundus an Geschichten
31.03.2026 Kultur, Vereine, Berikon, MutschellenChronisten feiern Jubiläum
Kürzlich erschienen die 20. «Beriker Chleeblätter» der Gruppe Dorfkultur des Kulturvereins Berikon. Seit 20 Jahren werden darin ältere und neuere Geschehnisse über Berikon festgehalten. Die jährlich ...
Chronisten feiern Jubiläum
Kürzlich erschienen die 20. «Beriker Chleeblätter» der Gruppe Dorfkultur des Kulturvereins Berikon. Seit 20 Jahren werden darin ältere und neuere Geschehnisse über Berikon festgehalten. Die jährlich veröffentlichte Dorfchronik bietet einen grossen Fundus an Geschichten. Dabei geht es der Gruppe Dorfkultur vor allem darum, Wissen zu erhalten, aufzubereiten und einer interessierten Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. --rwi
20. Ausgabe der «Beriker Chleeblätter» des Kulturvereins Berikon ist erschienen
140 Artikel über Berikon sind in den 20 «Beriker Chleeblättern» in den letzten zwei Jahrzehnten erschienen. Die Verantwortlichen möchten auch künftig daran festhalten. Sie sind noch heute so neugierig wie damals.
Roger Wetli
«Uns gingen die Ideen für Geschichten noch nie aus. Und ich glaube auch nicht, dass das künftig passieren wird», erklärt Max Welti. Leen Keesmaat stimmt dem zu. Beide gehören seit dem Anfang zu den fünf bis sechs Personen, welche für die «Beriker Chleeblätter» schreiben. «Eigentlich hatten wir zu Beginn das Ziel, 10 Chleeblätter herauszubringen. Dass es jetzt bereits 20 sind, finde ich schon eindrücklich», so Keesmaat.
Längst selbst Teil der Geschichte geworden
Zum Staunen lädt aber nicht nur diese Zahl ein, sondern auch der Inhalt der «Beriker Chleeblätter». In der neusten Ausgabe berichten die Verantwortlichen zum Beispiel über den Beriker Waldbrand von 1834, die Bedeutung von Salz für das Dorf und beleuchten die Geschichte des Beriker Waldhauses. Mit weiteren Artikeln wie etwa dem Jahresrückblick 2025 schaffen sie einen Bezug zur Gegenwart. Auch ein Einblick in die 20 Jahre der Chleeblätter wird gewagt. Denn längst ist diese Schrift selber zu einem wichtigen Teil der Beriker Geschichte geworden.
Offerte war zu teuer
Ausschlag für die jährlich erscheinende Dorfchronik gab der Gemeinderat. «2003 feierte das Dorf die früheste bekannte Erwähnung von Berikon vor 750 Jahren. Der Gemeinderat wollte dazu eine Dorfchronik in Auftrag geben», erinnert sich Max Welti. «Die von einem Experten eingereichte Offerte war aber viel zu teuer, weshalb das Projekt versandete.» Die Gruppe Dorfkultur des Kulturvereins Berikon nahm dies zum Anlass, selber Geschichten über Berikon zu sammeln. «Die Dorfchronik erschien nie», weiss Max Welti. «Wir erhielten aber immer mehr Unterlagen und recherchierten selber. Die Frage blieb, was wir mit den Erkenntnissen machen könnten.» Bald entstand eine Schrift zum Thema Flurnamen. Diese wurde durch ein ähnliches Projekt in Schlieren inspiriert.
2006 erschienen schliesslich die 1. «Beriker Chleeblätter». «Zu Beginn thematisierten wir vor allem alte Geschichten. Bald brachten wir auch Aktuelles hinein», so Welti. «Die Herausgabe einmal pro Jahr hat sich bewährt, weil die Chleeblätter damit auch eine Art Jahreschronik sind.»
Auf der ganzen Welt gelesen
Die Startsitzung für die neue Ausgabe findet immer Anfang April statt. Dort werden die Themen grob festgelegt und untereinander aufgeteilt. Nach den Schulsommerferien schauen die Autoren, welche Geschichten tatsächlich möglich sind. Bewusst wird bei den Artikeln nicht erwähnt, wer was geschrieben hat. «Oft arbeiten in irgendeiner Form verschiedene Personen an den gleichen Texten. Die Chleeblätter sind ganz klar eine Teamarbeit», schätzt es Max Welti sehr.
Er betont, dass neben privaten Sammlungen das kantonale Staatsarchiv und das Stadtarchiv Bremgarten wichtige Quellen für die Geschichten sind. «Bis 1798 gehörte Berikon zur Vogtei Bremgarten. Entsprechend sind die dortigen Archive sehr spannend», so Welti. Grosse Unterstützung würden sie aber auch von der Gemeinde erhalten. Und die Ortsbürger unterstützen die «Beriker Chleeblätter» finanziell, sodass sie gratis abgegeben werden können.
Liegen die Blätter im Gemeindehaus und im Bürgisserhus zum Mitnehmen auf, erhalten sie die Ortsbürger per Post. «Es gibt immer wieder Leute, welche unsere Chronik sammeln», weiss Max Welti. Er wirkte in den 90er-Jahren im Beriker Gemeinderat, als für einen Anlass Adressen von auswärts wohnenden Ortsbürgern gesammelt wurden. «Auch diese Ortsbürger erhalten die ‹Beriker Chleeblätter›. Heute sind es rund 300 Adressen in der ganzen Welt, wie etwa Südafrika, Australien oder Texas.» Das bleibe nicht ohne Wirkung. «Wir erhalten immer wieder schöne Rückmeldungen und Briefe», freut sich Keesmaat.
Über die Chleeblätter hinaus
Beide betonen, dass sie mit ihrer ganzen Sammlerei nicht nur die jährliche Dorfchronik herausbringen, sondern diese auch Grundlage für Dorf- und Grenzumgänge ist. Leen Keesmaat hatte die Idee, die alten Häuser zu beschriften. Dies wurde in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege umgesetzt. «Die Beschriftungen allein nützen aber nichts», weiss Keesmaat. «Deshalb haben wir dazu einen Rundweg kreiert.»
Das Ziel für die nächsten Jahre sehen Max Welti und Leen Keesmaat darin, für die «Beriker Chleeblätter» jüngere Leute nachzuziehen. «Es wäre schön, wenn diese Arbeit noch viele, viele Jahre weitergeht. Dazu braucht es Leute, die sich mit Berikon verbunden fühlen», so Welti. Beide sind nach wie vor motiviert und schon fast kindlich neugierig auf Geschichten von Berikon. «Wir möchten dieses Wissen aufbereiten und damit bewahren», erklärt Keesmaat. Max Welti weiss: «Eine Geschichte bringt immer weitere Aspekte, die man vertiefen könnte. Man muss es nur tun.»


