Primär beschäftigt die Zukunft
10.04.2026 Kelleramt, VereineAus dem Jahresbericht des Abwasserverbandes Kelleramt
Ein eigener Ausbau? Oder doch eine Zusammenlegung mit Bremgarten? Rund um den Abwasserverband Kelleramt beschäftigt vor allem diese Frage. Aber nicht nur. Mit Stefan Strebel ist seit wenigen Monaten ein neuer ...
Aus dem Jahresbericht des Abwasserverbandes Kelleramt
Ein eigener Ausbau? Oder doch eine Zusammenlegung mit Bremgarten? Rund um den Abwasserverband Kelleramt beschäftigt vor allem diese Frage. Aber nicht nur. Mit Stefan Strebel ist seit wenigen Monaten ein neuer Präsident im Amt.
Annemarie Keusch
Komplexer. Grösser sowieso. «In der Zwischenzeit hat sich die Bevölkerung vervielfacht und die Anforderungen an die Reinigungsleistung wurden deutlich verschärft», so fasst es Anton Burkart zusammen. Bis Ende Jahr war er Präsident des Abwasserverbandes Kelleramt, zu dem Arni, Islisberg, Oberlunkhofen, Oberwil-Lieli, Rottenschwil und Unterlunkhofen gehören. Burkart vergleicht damit die heutige ARA mit jener von 1975. 50 Jahre ist es her, dass diese den Probebetrieb aufnahm. Die 80. ARA war es damals im Kanton Aargau.
Wie lange es diese noch gibt, steht indes in den Sternen. Weil die beiden Kläranlagen in Bremgarten und im Kelleramt ihre Leistungskapazitäten erreicht haben. Ein eigener Ausbau? Eine Zusammenlegung beider Anlagen? Das wird aktuell geprüft. Bisher ist klar, dass ein Zusammenschluss am Standort Bremgarten aus technischer und raumplanerischer Sicht grundsätzlich machbar erscheine. Ob die Vorzüge auch aus ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Sicht überwiegen, werden weitere Abklärungen zeigen. Im letzten Herbst haben alle 13 beteiligten Gemeinden Ja gesagt zu einem Vorprojektierungskredit von total 1,109 Millionen Franken für ebendiese genaueren Abklärungen. Jetzt schon ist klar, dass das Beckenvolumen steigen wird – bei einer Zusammenführung beider ARAs um rund hundert Aren. «Das Abwasser der ARA Kelleramt würde in einer Pumpendruckleitung, die die Stadt Bremgarten und die Reuss unterqueren würde, der ARA Bremgarten zugeführt», hält Anton Burkart in seinem Jahresbericht fest. Der Stadtrat Bremgarten habe in Absprache mit der Ortsbürgergemeinde bereits einen konkreten Antrag für den Landabtausch mit der Armasuisse eingereicht. Burkart betont: «Die erforderliche Waldrodung beim Ausbau am Standort Bremgarten muss mit einer Ersatzaufforstung im Kelleramt kompensiert werden können.»
Neuer Präsident hat sich gut eingearbeitet
Bis es so weit sein könnte, dauert es. Burkart spricht von mehreren Jahren, die die Planungs- und Ausbauarbeiten in Anspruch nehmen werden. Der Vorstand des Abwasserverbandes Kelleramt habe auch darum eine Studie ausarbeiten lassen, die aufzeigt, «mit welchen technisch sinnvollen und wirtschaftlich tragbaren Massnahmen die Betriebssicherheit der ARA Kelleramt bis zur Realisierung der zukünftigen Abwasserreinigung gewährleistet werden kann». Von diversen Massnahmen ist die Rede. Stefan Strebel, Gemeinderat Oberwil-Lieli und neuer Präsident, ergänzt: «Ein Beispiel sind regelmässige Zustandskontrollen und Sanierungen von Leitungen, um Schäden frühzeitig zu erkennen und zu beheben.» Zudem würden technische Anlagen laufend modernisiert, etwa Pumpwerke oder Steuerungssysteme. «Um einen zuverlässigen Betrieb sicherzustellen.»
Strebel ist seit Anfang Jahr im Amt. Er sagt: «Dank der konstruktiven Zusammenarbeit verlief die Einarbeitung sehr reibungslos – auch wenn die ARA ein technisch komplexer und gleichzeitig zentraler Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur ist.» Strebel hat zudem den Vorteil, dass er seit vier Jahren im Vorstand mitwirkt. «Die ARA ist mir nicht fremd. Ich kenne sowohl die Gremien als auch das Betriebsteam gut.» Entsprechend mache ihm die neue Aufgabe Freude. «Besonders gut gefällt mir die Möglichkeit, aktiv zur Weiterentwicklung einer so wichtigen Infrastruktur beizutragen.» Schliesslich spiele die ARA eine zentrale Rolle im Umwelt- und Gewässerschutz. «Zudem schätze ich den Austausch mit den Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen.»
Niederschlag beeinflusst Menge an Wasserzufluss
Wie komplex die ARA ist, lässt ein Blick in die Betriebsdaten-Statistik nur erahnen. Dabei fallen aber auch Veränderungen auf. Etwa jene der Wasserzufluss-Menge, die bei 2,54 Millionen Kubikmetern liegt. Deutlich tiefer als im Vorjahr. «Dies hängt stark von den Niederschlägen ab», weiss Stefan Strebel. Aber es gebe auch andere Faktoren, die künftig diese Zahl beeinflussen werden – trotz steigender Einwohnerzahl möglichst gegen unten. «Etwa der Ausbau der Trennsysteme in den einzelnen Gemeinden zwischen Schmutzund Abwasser sowie modernere Haushaltgeräte und ein bewussterer Umgang mit Wasser.»
Strebel kann auch erklären, weshalb der Personalaufwand stetig steigt und im letzten Jahr knapp 450 000 Franken betrug: «In erster Linie ist das auf den erhöhten Bedarf bei Wartung und Instandhaltung unserer Anlage sowie der Aussenwerke zurückzuführen.» Hinzu kommen laut dem neuen Präsidenten zusätzliche Aufwände für den Betrieb und die Überwachung der technischen Systeme.

