Prägende Freiämter
26.03.2024 Region Oberfreiamt, WaltenschwilDelegiertenversammlung des Aargauer Schiesssportverbands in Waltenschwil
Der Wohler Thomas Vock ist neu im Vorstand. Beat Brun, OK-Präsident des Aargauer Kantonalschützenfestes, das letztes Jahr im Bezirk Muri stattfand, ist neu Ehrenmitglied. Und Regierungsrat ...
Delegiertenversammlung des Aargauer Schiesssportverbands in Waltenschwil
Der Wohler Thomas Vock ist neu im Vorstand. Beat Brun, OK-Präsident des Aargauer Kantonalschützenfestes, das letztes Jahr im Bezirk Muri stattfand, ist neu Ehrenmitglied. Und Regierungsrat Jean-Pierre Gallati genoss in Waltenschwil ein Heimspiel.
Annemarie Keusch
Es hallt immer noch nach: das Aargauer Kantonalschützenfest vom letzten Sommer. Die Delegierten des Aargauer Schiesssportverbandes AGSV wählten den OK-Präsidenten Beat Brun zum Ehrenmitglied. «Er hat über Jahre riesige Arbeit geleistet. Zusammen mit dem OK hat er ein Megafest auf die Beine gestellt», lobte AGSV-Präsident Peter Gautschi. Während Brun neu Ehrenmitglied ist, gabs für die anderen OK-Mitglieder einen Anerkennungspreis. «Ich habe das Amt nicht wegen des Danks und der Ehre gemacht, freue mich aber riesig», betonte Brun. Es habe Freude und Spass gemacht, OK-Präsident zu sein. «Auch wenn es die eine oder andere schlaflose Nacht gab.» Aller Aufwand habe sich gelohnt, schliesslich war das AGKSF 2023 ein Erfolg. Besonders hob Brun seine Beinwiler Schützen hervor. «63 Schützinnen und Schützen, total 82 Auszeichnungen, das ist bemerkenswert und wohl schweizweit Rekord.»
2028 soll das nächste Aargauer Kantonalschützenfest stattfinden. Die Grundbestimmungen dafür haben die Delegierten ohne Diskussion genehmigt. Noch fehlt aber ein Organisator. «Fasst euch ein Herz», appellierte Vorstandsmitglied Jürg Weber an die Vereine. Und diese kamen zahlreich an die Delegierenversammlung in Walten-schwil. 151 Vereinsdelegierte, total 228 Personen reizten die Platzverhältnisse in der Bannegg-Halle aus.
Gemeinderat und Regierungsrat einst im Jungschützenkurs
Neben den eigentlichen Traktanden war die Versammlung von verschiedenen Reden geprägt. Grossratspräsidentin Mirjam Kosch weiss, dass Engagements in Vereinen nicht mehr so beliebt sind wie auch schon. «Gleich sieht es in der Politik aus. Wir müssen beide darüber nachdenken, wie wir in Zukunft attraktiv bleiben.» Brigadier Niels Blatter hob das funktionierende Miliz-System des Landes hervor und betonte, dass ihn mit Waltenschwil ein spezielles Erlebnis verbindet. «Ich absolvierte meine Rekrutenschule in Bremgarten, bezog hier in Waltenschwil mein erstes Biwak.» Und auch Gemeindeammann Simon Zubler unterstrich seine Verbindung zu den Schützen. «Ich war Jungschütze und auch darüber hinaus aktiv im Verein.»
Neben Zubler genoss auch Regierungsrat Jean-Pierre Gallati ein Heimspiel. «In der schönsten Gemeinde im Kanton», meinte er lächelnd. 26 Jahre habe er hier gelebt, ebenfalls den Jungschützenkurs besucht. Trotzdem ging er in seiner Ansprache primär auf nationale, auch auf internationale Themen ein. Etwa, die Herausforderung der vielen Flüchtlinge, gerade wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. «Es ist kein Geheimnis, dass wir im Aargau am Anschlag sind.» Noch am selben Tag weihte er eine weitere Notunterkunft ein. Für Gallati ist klar: «Die Ukraine verteidigt sich selbst, aber auch alle anderen westeuropäischen Staaten, auch die Schweiz.» Neutralität heisse auch darum nicht, dass es die Schweiz nichts angehe, was im Krieg passiere. «Gegenüber Verbrechen kann man nicht neutral sein.»
«Sie haben es nicht begriffen»
Kritisch ist Gallati der Landesverteidigung gegenüber. «Ihr als Schützen leistet einen Teil dazu. Aber sind wir als Land überhaupt fähig, uns zu verteidigen?» Die Bevölkerung interessiere sich nicht für den Wehrwillen, die Politiker in Bern zelebrieren die Schuldenbremse. «Sie haben es nicht begriffen. Nicht gelernt aus 1939, als unsere Armee ebenfalls nicht bereit war für den Krieg. Wir haben noch eine kurze Chance, das nachzuholen, sonst ist es zu spät.» Der anhaltende Beweis zeigt, dass die Mehrheit der Schützinnen und Schützen mit ihm einig ist.
Einigkeit herrschte überhaupt bei allen Traktanden. Nachdem vor einem Jahr das Budget viel Anlass zu Diskussionen gab, sind diese Wogen geglättet. Die Jahresrechnung ist positiv, das Budget dank einer Erhöhung des Mitgliederbeitrages nicht tiefrot. Und auch personell sieht es nach dem Rücktritt unter dem Jahr nach 19 Jahren wieder besser aus. Logisch, dass Urs Boller ebenfalls zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Präsident Gautschi betonte, dass das vergangene Jahr kein einfaches war. «Fast alle im Vorstand haben Doppelfunktionen übernommen. Aber wir durften auch viel Hilfe und Unterstützung erfahren, nicht zuletzt der Bezirksschützenverbände. Der AGSV lebt.» Dass sich dies auch nicht ändert, dabei hilft künftig ein Freiämter im Vorstand mit –Thomas Vock von der Pistolensektion Wohlen.
Lebendig, so will sich der AGSV auch im August präsentieren. Schliesslich feiert der Schweizer Schiesssportverband vom 16. bis 18. August sein 200-jähriges Bestehen in Aarau, wo er einst gegründet wurde. Mit bis zu 30 000 Besuchern wird gerechnet.
Tag der offenen Schützenhäuser
Als Teil der Kampagne «200 Jahre SSV» öffnen die Schützenvereine am 13. und 20. April schweizweit ihre Türen – im Freiamt tun dies am 13. April die Schützengesellschaft Boswil 10 bis 12 Uhr, Gewehr 300 Meter; die FSG Ober- und Unterlunkhofen, 13.30 bis 16 Uhr, Gewehr 300 Meter; der PC Fahrwangen, 10 bis 16 Uhr, Pistole 25 Meter; die PS Wohlen, 10 bis 15 Uhr, Pistole 10 und 25 Meter; die FS Berikon und FSG Rudolfstetten, 13 bis 16 Uhr, Gewehr 300 Meter; die LG Zufikon, 10 bis 16 Uhr, Gewehr 10 Meter, Target Sprint; SPS Fischbach-Göslikon, 10 bis 14 Uhr, Gewehr 50 Meter; die SG Oberwil-Lieli, 14 bis 16 Uhr, Gewehr 300 Meter und die Sportschützen Sins am 13. April und 20. April, jeweils 10 bis 11.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr, Gewehr 50 Meter. --ake