Oberrüti ist skeptischer
14.08.2026 Oberrüti, Region Oberfreiamt, Abstimmungen, PolitikIm November entscheidet das Stimmvolk in Oberrüti und Dietwil über die Erweiterung der Deponie Babilon
Die Deponie Babilon in Dietwil ist fast voll. Dank einer Erweiterung gegen Norden soll mehr Platz für sauberes Aushubmaterial entstehen – neu auch ...
Im November entscheidet das Stimmvolk in Oberrüti und Dietwil über die Erweiterung der Deponie Babilon
Die Deponie Babilon in Dietwil ist fast voll. Dank einer Erweiterung gegen Norden soll mehr Platz für sauberes Aushubmaterial entstehen – neu auch im Gemeindegebiet von Oberrüti. Dafür braucht es eine Teiländerung der Kulturlandpläne beider Gemeinden. An Infoveranstaltungen fühlten die Verantwortlichen nun den Puls.
Annemarie Keusch
Eine Frage wegen der Brunnstube, die im künftigen Deponie-Perimeter liegt. Mehr kam von der Dietwiler Bevölkerung, respektive von den rund 20 Anwesenden an diesem Abend, nicht. Das Wasser werde natürlich auch künftig gefasst und in den Ausserfeldbach geleitet. Die Antwort von Dieter Greber, Verwaltungsratspräsident der Deponie Freiamt AG, folgte prompt. Das heisst aber nicht, dass die Erweiterung der Deponie Babilon ein Selbstläufer ist. In Dietwil vielleicht. Dort, wo die Deponie seit 2016 in Betrieb ist. Nicht aber in Oberrüti. Die Erweiterungspläne tangieren auch das Nachbardorf. An der dortigen Infoveranstaltung am Abend zuvor gab es mehr skeptische Äusserungen. Und der Aufmarsch war mit rund 80 Interessierten grösser. «So war es auch, als wir damals das Projekt erstmals in Dietwil vorstellten», relativiert Dieter Greber.
Dennoch, er ist sich bewusst, dass in Oberrüti durchaus noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, dass es vielleicht noch Anpassungen braucht. Und Greber betont: «Ich glaube, vieles ist der breiten Bevölkerung im Dorf nicht bewusst.» Die finanziellen Vorteile zum Beispiel. Über zehn Jahre hinweg winken den Einwohnergemeinden Oberrüti und Dietwil total je rund 1,75 Millionen Franken. «Der Preis pro Kubikmeter Aushub ist indexiert, heisst, wird zweimal jährlich angepasst.» Auf 4.80 Franken pro Kubikmeter wurde er im 2012 ausgearbeiteten und 2022 auf die Erweiterung angepassten Dienstbarkeitsvertrag festgelegt. Aktuell sei man bei 5.65 Franken pro Kubikmeter. Zehn Jahre Einnahmen also, «obwohl Oberrüti nicht zehn Jahre lang direkt betroffen ist». Greber spricht damit die Etappierung an. Erst von 2032 bis 2036 soll im Gebiet «Chäferen» in Oberrüti Aushubmaterial deponiert werden. Die beiden vorherigen Etappen betreffen primär Dietwiler Gemeindegebiet.
Lärm, Staub, Hochwasser
Dass eine Deponie mit Emissionen verbunden ist, das stellt Dieter Greber indes nicht in Abrede. Staub und Lärm sind auch zwei der Themen, die an der Informationsveranstaltung seitens der Bevölkerung angesprochen wurden – vor allem auch aus den Quartieren, die bis 200 Meter nahe an der möglichen Deponie wohnen würden. Ein weiteres Thema war das Hochwasser. Vor zwei Jahren wurde das Dorf stark überschwemmt. «Wir können diese Problematik nicht lösen», macht Dieter Greber geltend. Aber die Deponie Freiamt AG versuche ihren Beitrag zu leisten, mit Bachöffnungen – konkret am Ausserfeld- und am Gibelbach. Zudem betont Greber: «Der rekultivierte Boden, nachdem er mit unverschmutztem Aushubmaterial aufgeschüttet wurde, lässt sicher mehr Wasser versickern als vorher.» In Dietwil ist die Stimmung weniger skeptisch. Hier hat man Erfahrung mit der Deponie Babilon, die seit 2016 in Betrieb ist. Mit der Erweiterung Nord sollen 1,4 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial zusätzlich abgelagert werden können – je hälftig auf den Gemeindegebieten von Dietwil und Oberrüti. Geplant ist, dass dadurch die Betriebszeit um acht Jahre verlängert werden kann. 2028 droht sonst das Betriebsende.
Pro Tag 60 Lastwagen
Einschätzungen dazu liefert an beiden Informationsabenden auch Josef Wanner von der ilu AG. «Der Bedarf an zusätzlichem Deponie-Volumen ist gemäss kantonalem Bericht gegeben. Im Freiamt ist das Defizit diesbezüglich besonders gross.» Schliesslich fallen im Aargau jährlich pro Person 3,9 Kubikmeter unverschmutztes Aushubmaterial an. «Kann dies nicht in der Nähe deponiert werden, führt das zu einem riesigen Verkehrsaufkommen.» 60 Lastwagen, also 120 Fahrten täglich, sind es auch bei der Deponie Babilon. «Mit der Erweiterung werden es nicht mehr», versichert Wanner.
Er legt zudem einen Fokus auf die ökologische Aufwertung, die das Deponie-Projekt mit sich bringe. «Vernetzung, Revitalisierung, Ersatzbeschaffung, ökologische Ausgleichsfläche.» Zudem wird der Boden nach dem Deponie-Betrieb rekultiviert, also der Landwirtschaft zurückgegeben.
Sportlicher Zeitplan
Und Wanner präsentiert den Fahrplan. Sagen am 18. November (Oberrüti) und 19. November (Dietwil) beide Gemeindeversammlungen Ja zur Teiländerung des Kulturlandplanes, ist erst eine von mehreren Hürden genommen. Wenn auch eine wichtige. Es folgen das Gestaltungsplan- und später das Baubewilligungsverfahren. Mit einer Baubewilligung rechnet man Mitte 2028. Dietwils Gemeindeammann Theo Kern spricht von einem sportlichen Zeitplan. «Aber wenn wir nicht vorwärtsmachen, kann es zu einem Deponieunterbruch kommen.» Weil die aktuelle Fläche eben 2028 aufgefüllt sein wird. Der Dietwiler Gemeinderat steht hinter dem Projekt. «Ökologisch vertretbar, die Natur und die Gemeinde profitieren und der Schutz des Siedlungsgebietes ist vorhanden», fasst es Theo Kern zusammen.
Verschiedene Szenarien
Zweimal Ja ist aber nur eines von verschiedenen möglichen Szenarien. «Was ist, wenn eine Gemeinde die Teiländerung ablehnt?», fragt ein Stimmbürger. «Dann müssen wir umplanen», meint Dieter Greber. Sagt Oberrüti Nein, müsse man sich auf die Erweiterung im Gemeindegebiet Dietwils beschränken. Sagt Dietwil Nein, dann wird es schwierig, weil die Zufahrt zum Gebiet «Chäferen» über den jetzigen Abzweiger zur Deponie nicht möglich ist. «Wir hoffen, wir haben in den letzten Jahren einen so guten Job gemacht und uns Vertrauen in uns und unsere Tätigkeit erarbeitet», sagt Dieter Greber. Vertrauen, aus dem er sich ein Ja in Dietwil und in Oberrüti erhofft.

