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12.04.2024 Mutschellen, BerikonBerikon: Für die Gemeinderats- und Ammann-Ersatzwahlen formieren sich zurzeit die Parteien
Am 9. Juni finden in Berikon die Ersatzwahlen eines neuen Gemeinderats und eines neuen Gemeindeammanns statt. Die Anmeldefrist für mögliche Kandidaten läuft noch ...
Berikon: Für die Gemeinderats- und Ammann-Ersatzwahlen formieren sich zurzeit die Parteien
Am 9. Juni finden in Berikon die Ersatzwahlen eines neuen Gemeinderats und eines neuen Gemeindeammanns statt. Die Anmeldefrist für mögliche Kandidaten läuft noch bis 29. April. Aktuell legen die Ortsparteien ihre Strategien fest.
Roger Wetli
Auslöser für die jetzt nötige Veränderung war eine Referendumsabstimmung, welche der Beriker Gemeinderat am 3. März mit deutlicher Mehrheit verloren hatte. Die beantragte Erhöhung der Stellen auf der Gemeindeverwaltung um 100 Stellenprozent wurde abgelehnt. In der Woche nach der Abstimmung gab Gemeindeammann Stefan Bossard seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt. Ursprünglich wollte er die aktuelle Amtsperiode noch fertigmachen und somit bis Ende 2025 bleiben. Mit seinem Rücktritt möchte er nun Platz für Personen machen, welche die durch das erfolgreiche Referendum nötige Umstellung der Verwaltung nicht nur beschliessen, sondern auch umsetzen. Wer die verbleibenden Gemeinderäte Vizeamtsfrau Rosmarie Groux (SP), Petra Oggenfuss Feldgrill (GLP), Patrick Stangl (Die Mitte) und Stefan Bieri (FDP) ergänzen und wer neuer Gemeindeammann wird, entscheiden die Stimmberechtigten am 9. Juni. Diese Zeitung fragte bei den Ortsparteien nach, wen sie für die Wahlen empfehlen werden. Am kommenden Montagabend werden sich die Parteivertreter treffen, um genau das zu besprechen. Die Antworten sind entsprechend noch vorsichtig.
SVP möchte Verantwortung wahrnehmen
Zu den Siegern der Referendumsabstimmung gehören die SVP und die FDP. «Wir tauschen uns mit der FDP regelmässig aus – auch zu den Wahlen», erklärt SVP-Ortsparteipräsident Yves Blülle. «Wir als SVP sehen uns in der Verantwortung für einen Neuanfang. Es braucht nebst der FDP eine weitere bürgerliche Kraft und somit auch die SVP im Gemeinderat.» Die SVP erreichte zusammen mit ihrer Jungpartei bei den Nationalratswahlen in Berikon einen Wähleranteil von rund 35 Prozent. «Trotzdem stellen wir keinen einzigen Gemeinderat. Wir werden deshalb einen Kandidaten aus unserer Reihe zur Wahl stellen. Wer das ist, legen wir aber erst noch fest», so Blülle.
Bezüglich neuem Gemeindeammann erklärt er, dass ein bisheriges Mitglied des Gemeinderates wohl dossierfester wäre als ein frisch gewählter Gemeinderat. Aber auch ein neues Ratsmitglied könne die Aufgaben eines Ammanns gut bewältigen. «Das ist eine Frage des Aufwandes und des Willens», erklärt Yves Blülle. «Je nachdem, wer sich jetzt genau als Ammann bewirbt, werden wir diese Person unterstützen oder einen Gegenkandidaten stellen.» Von den bisherigen Gemeinderäten möchte er keinen Wunschkandidaten nennen
FDP unterstützt möglichen SVP-Kandidaten
«Die FDP wird keinen eigenen Kandidaten für den frei gewordenen Sitz im Gemeinderat stellen», erklärt Dirk Langer, FDP-Ortspräsident. «Mit Stefan Bieri als Gemeinderat sind wir sehr zufrieden.» Kandidiert dagegen eine Person der SVP, würde die FDP diesen unterstützen. «Wichtig ist, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und die Herausforderungen von Berikon konstruktiv gelöst werden», betont Langer. Bei den Ammannwahlen wartet die FDP noch ab, wer kandidiert, und entscheidet dann über eine mögliche Unterstützung.
Die Mitte hofft auf einen konstruktiven Neuanfang
Die Ortsparteien Die Mitte, GLP und SP unterstützten bei der Referendumsabstimmung den Gemeinderat. Entsprechend ist Nelly Meier, Ortspräsidentin Die Mitte Berikon, mit der GLP und SP im Gespräch. «Ich habe nichts dagegen, dass das Referendum ergriffen wurde. Ich habe aber Mühe damit, mit welchem Populismus für die Ablehnung geworben wurde», erklärt sie. «Ich hoffe, dass am Montag an der Sitzung aller Ortsparteien ein Neuanfang hin zu konstruktiven und sachlichen Argumenten gestartet wird.» Bezüglich Unterstützung oder dem Stellen eigener Kandidaten warte Die Mitte den Montagabend ab.
Zweiter GLP-Gemeinderat nicht im Fokus
Auch GLP-Co-Präsident Lukas Huber hält fest, dass die jüngsten Querelen keine gute Werbung für das Amt eines Gemeinderates gewesen seien. Die Arbeit des Gemeinderats soll und darf kritisiert werden. Wer sich im Ton vergreife, dürfe aber nicht erstaunt sein, wenn das Amt an Attraktivität einbüsst. Mit Petra Oggenfuss Feldgrill ist aktuell eine GLP-Vertreterin im Beriker Gemeinderat. «Eine weitere GLP-Kandiadatur steht zurzeit nicht im Fokus», erklärt Huber.
Wichtiger als die Parteizugehörigkeit sei bei einem Gemeinderatskandidaten, dass er für das Amt auch fähig ist. Sei er das, sei es aber nützlich, wenn diese Person einer Partei angehöre. «Das erleichtert einiges», ist Lukas Huber überzeugt. Bezüglich Ammannwahlen werde die GLP je nach Konstellation entscheiden, wie sie handeln werde. «Wir werden aber auch da mit den anderen Parteien zusammenarbeiten.»
SP akzeptiert Sitzanspruch der SVP
Dass die SVP aufgrund ihres Wähleranteils einen Sitz im Beriker Gemeinderat verdient hätte, akzeptiert SP-Ortspräsident Fredi Kaufmann. «Wir erwarten aber eine Kandidatur, welche sich nicht populistisch verhält», betont er. Entscheide sich etwa SVP-Ortspräsident Yves Blülle für die Kandidatur als neuer Gemeinderat, würde die SP wohl eine Gegenkandidatur unterstützen, welche lösungsorientiert und kompetent ist. Diese sollte laut Kaufmann zudem potenziell bereit sein, nach Ablauf der laufenden Legislatur das Amt des Ammanns zu übernehmen. «Entscheidet sich Rosmarie Groux, als Vizeamtsfrau für den Ammannposten bis zum Ende der laufenden Legislatur zu kandidieren, unterstützen wir sie», so Kaufmann. Als hervorragender Nachfolgekandidat von Rosmarie Groux als Gemeinderat stünde Anthony Paine bereit.
Drei von vier Bisherigen wollen nicht
Im heutigen Beriker Gemeinderat amtet Vizeamtsfrau Rosmarie Groux seit 2001 und ist damit das amtsälteste Mitglied. «Ich werde mich nach meinen Ferien entscheiden, ob ich als Ammann kandidiere oder nicht», erklärt sie. Eine Absage für dieses Amt verkünden bereits jetzt die Gemeinderäte Petra Oggenfuss Feldgrill, Stefan Bieri und Patrick Stangl. Alle drei geben dafür berufliche und familiäre Gründe an.
Fest mit einem «Ja» gerechnet
«Das Abstimmungsergebnis hat Einfluss auf die Organisation der Gemeindeverwaltung», erklärt Verwaltungsleiter Patrick Vogel. «Wir hatten fest mit den 100 zusätzlichen Stellenprozenten gerechnet.» Nach der Referendumsabstimmung habe der Gemeinderat zusammen mit den Abteilungsleitern verschiedene Varianten geprüft, wie die Verwaltung künftig organisiert werden könnte. «Das Ergebnis liegt nun vor und wird den Mitgliedern des Referendumskomitees, Vertreterinnen und Vertretern der Parteivorstände und der Finanzkommission Ende April im persönlichen Austausch vorgestellt. Gleich im Anschluss wird die Bevölkerung informiert», so Vogel. --rwi

