Nicht alles wird ihm fehlen

  26.06.2026 Muri, Porträt

Nach über 40 Jahren im Bildungswesen geht Bez-Schulleiter Peter Hochuli in Pension

Noch eine Woche bleibt. Dann folgt die Übergabe an seinen Nachfolger. Seit 2009 ist Peter Hochuli an der Bezirksschule in Muri tätig – zuerst als Lehrer, seit 2020 als Schulleiter. 1985 erlebte er aber bereits mit, als die Bez vom Kloster in die Bachmatten zügelte. Allgemein, Veränderungen stellt Hochuli im Bildungswesen so einige fest.

Annemarie Keusch

Der Schulpflegepräsident mit dem Skelett im Auto. Peter Hochuli lacht. Das Bild ist vor seinem inneren Auge noch deutlich da. Dabei sind seither über 40 Jahre vergangen. Seit dem grossen Zügeln der Bezirksschule Muri vom Standort Kloster in die Bachmatten. Damals war Hochuli noch Student und im Praktikum an der Bezirksschule Muri. Peter Hägler war sein Praktikumslehrer. «Er war ein prägender Lehrer für mich und nicht ganz unschuldig daran, dass ich Bezirkslehrer wurde», sagt Peter Hochuli. Im Verlaufe des Gesprächs in der kühlen Klosterkirche stösst Hägler zufällig dazu. Sie beide sind Klosterführer, das halbjährliche Treffen steht an diesem Abend an.

Peter Hochulis Verbindung zur Bezirksschule Muri geht also über 40 Jahre zurück. Zig Stellvertretungen folgten. «Aber als ich das Studium abschloss, war hier keine Stelle frei.» Vier Jahre wirkte er in Baden als Lehrer, später elf Jahre in Bremgarten, als Lehrer und Konrektor, und vier Jahre in Obersiggenthal als Gesamtschulleiter. 2007 machte sich Hochuli selbstständig, in der Beratungsbranche. Zwei Jahre später kam der Anruf des damaligen Bez-Schulleiters Tom Weber. Wegen der Krankheit eines Lehrers war ein Stellvertreter gesucht. «Ich blieb, unter zwei Bedingungen. Solange ich die Kinder erreiche und solange ich hinter den Entscheiden der Schulleitung stehen kann.» Schliesslich war er selber Schulleiter. Fortan arbeitete Hochuli an der gleichen Schule wie seine Frau Susanne. Viele Jahre wieder als Lehrer und seit 2020 als Schulleiter.

Leidenschaft ist immer noch da

Nun steht seine Pensionierung an. Am Donnerstag wird er an der Zensurfeier der Bezirksschule verabschiedet, am Freitag im Lehrerkollegium. «Ja, es wird wohl noch den einen oder anderen emotionalen Moment geben», blickt Peter Hochuli auf die kommende Woche. Er feiert im Herbst seinen 65. Geburtstag, der Entscheid, mit dem zu Ende gehenden Schuljahr aufzuhören, fiel schon vor einem Jahr. «Ich habe mich darauf eingestellt», sagt er pragmatisch. Hochuli spricht von ambivalenten Gefühlen. Von der Leidenschaft, mit der er nach wie vor als Schulleiter und als Lehrer tätig ist. Davon, dass die Kinder ihm am Herzen liegen und dass er nach wie vor fasziniert sei von diesem Beruf. «Wir prägen die Zukunft, das ist doch eine wundervolle Aufgabe.» Aber es gibt auch die andere Seite. «Ich verhehle nicht, dass mir Gewisses nicht fehlen wird.» Beispielsweise Situationen, in denen der Umgangston nicht stimmt – mit Eltern, mit Schülern, im Team. «Es ist einfach gut so, wie es ist», fasst er zusammen. Auch wenn der Moment, sich bei der AHV anzumelden, durchaus ein eigenwilliger gewesen sei. Eine rückwärtszählende Uhr sei für ihn nie infrage gekommen. «Es wäre ein Zeichen der Unzufriedenheit, und unzufrieden war und bin ich schlicht nicht.»

Über 40 Jahre lang ist Peter Hochuli im Bildungswesen tätig. Viele Jahre als Lehrer. Viele Jahre auch als Schulleiter.

Den Weg dorthin schlug er in der Kanti ein. «Ich entschied mich aus Überzeugung für die Bezirksschule.» Die Kinder intellektuell zu fordern und gleichzeitig von ihnen immer wieder hinterfragt zu werden – das fasziniert ihn. «Ich wäre kein guter Realschul-Lehrer.» Damit will Hochuli aber keinesfalls eine Geringschätzung zum Ausdruck bringen. In Obersiggenthal war er Gesamtschulleiter und auch für die Realschule verantwortlich. «Ich habe grosse Hochachtung vor dem, was die Lehrpersonen in dieser Stufe leisten.»

Langweilig wird es ihm nicht

Lehrer und Schulleiter – beides machte Peter Hochuli gerne. Auch in den letzten sechs Jahren als Leiter der Bez Muri war das Unterrichten immer wieder gefragt. Wenn andere Lehrpersonen ausfielen. «Es geht immer noch», meint er und lacht. Es war indes das Führen, das ihn an der Schulleitung reizte. Dass ihm das liegt, zeigt sich auch in anderen Engagements: als Präsident des Vereins Murimoos, als Gemeindeammann von Unterlunkhofen, als Präsident der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri, als Klosterführer. All diese Aufgaben führt Hochuli übrigens weiter. «Da erübrigt sich die Frage, wie ich die Zeit als Pensionär verbringe.» Wobei, er freue sich auf mehr Flexibilität. Darauf, einmal Ferien ausserhalb der Schulferien machen zu können. «Zum allerersten Mal.»

Peter Hochuli hat in den vier Jahrzehnten im Bildungswesen so manche Veränderung miterlebt. Die Abschaffung der Schulpflege ist eine. «Ich war von Anfang an ein vehementer Befürworter», gesteht er. Verschiedene Anpassungen der Lehrpläne, der Wechsel zu drei Jahren Oberstufe. «Ich trauere den vier Jahren noch immer nach. Die Schere geht in der Mittelstufe weiter auseinander. Wie es da die Lehrpersonen schaffen sollen, auf alle gleich gut einzugehen, ist mir ein Rätsel.» Schüler, die in der fünften und sechsten Klasse unterfordert sind und entsprechend in der Bez grosse Mühe bekunden – solche Beispiele gebe es seither viel mehr. Natürlich hat sich in der langen Zeit auch die Gesellschaft verändert. Längst ist die Digitalisierung auch im Schulzimmer angekommen. «Frontalunterricht ist mittlerweile fast verpönt.» Dabei sei es eine Kernkompetenz eines Pädagogen oder einer Pädagogin, zu erklären, zu erzählen. «Als mir einst eine Schülerin sagte, sie interessiere sich überhaupt nicht für Geschichte, höre mir aber gern zu, empfand ich das als ganz schönes Kompliment.»

Kinder sind gleich geblieben, äussere Einflüsse nicht

Was sich laut Hochuli hingegen kaum verändert hat, sind die Kinder. Sie kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen und Fragestellungen wie vor zwei, drei Jahrzehnten. Sich finden, als Person und als Klassenkonstrukt, ist eine davon. «Vor allem aber macht es nach wie vor riesig Freude, mit ihnen zu arbeiten. Es ist eine dankbare Aufgabe, weil so viel Ehrlichkeit zurückkommt.» Was indes anders wurde und sich eher zum Negativen verändert hat, sind die Einflüsse und Versuchungen, denen die Kinder begegnen. Dass die Eltern sich via Anwalt bei der Schule melden, das habe es früher schlicht nicht gegeben. «Mehr Demut täte uns allen gut», ist Hochuli überzeugt.

Dennoch, er ist dem Bildungswesen über all die Jahrzehnte aus Überzeugung treu geblieben. Und nicht, weil er sich keine Alternativen hätte vorstellen können. «Mich faszinierte und fasziniert vieles: Fliegerei, Eisenbahn, Medizin, Architektur.» Phasenweise liebäugelte er damit, nur noch als Fachlehrer tätig zu sein und ein zweites Standbein aufzubauen – als Car-Chauffeur, als Privatpilot. Getan hat er es nie. Darum seine Antwort auf die Frage, ob er diesen beruflichen Weg nochmals einschlagen würde: «Möglicherweise ja.» Auch wenn die Anforderungen stetig steigen, nicht zuletzt auch politischer Natur. Dennoch ist sein Fazit klar: «Ich konnte über 40 Jahre mit Kindern und Lehrpersonen zusammenarbeiten. Das hat mich sehr erfüllt.»


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