Näher geht es kaum
03.07.2026 Region Oberfreiamt, Boswil, MusikIm Rahmen von «Boswiler Sommer» kommt es zur Premiere des Wunschkonzertes
Die Musiker öffnen ihre Notenpulte und das Publikum entscheidet, was darauf liegt. So geschehen beim Wunschkonzert am Künstlerhaus Boswil. Ein Konzertabend entstand, geprägt ...
Im Rahmen von «Boswiler Sommer» kommt es zur Premiere des Wunschkonzertes
Die Musiker öffnen ihre Notenpulte und das Publikum entscheidet, was darauf liegt. So geschehen beim Wunschkonzert am Künstlerhaus Boswil. Ein Konzertabend entstand, geprägt von Nähe und Intimität. Das Festival dauert noch bis übermorgen Sonntag, 5. Juli.
Annemarie Keusch
Wie viel eigentlich im Gesicht der Musikerinnen und Musiker passiert. Es wird erst sichtbar, wenn das Publikum so nah sitzt. Dass es die Runzeln auf der Stirn zählen kann, wenn die Musik dramatisch wird. Oder die Schweissperlen, die sich hie und da bilden. Oder es fällt auf, wie stark sich die Musik in den Augen der Musikerinnen und Musiker widerspiegelt. Laut, leise. Schnell, langsam. Entspannt, aufgerieben. Alles wird sichtbar, natürlich auch das Lächeln, das sie sich zwischenzeitlich zuwerfen. Und es wird sichtbar, wie schnell die Finger über die Stege der Streichinstrumente huschen. Dass da gar ein Haar des Geigenbogens mal reissen kann und selbst das die Geigerin nicht aus dem Konzept bringt.
Ludwig van Beethovens Streichtrio c-Moll, op. 9, Nr. 3 ist eines der drei Werke, das an diesem Abend in der Alten Kirche aufgeführt wird – mit Julia Fischer an der Violine, Adrien La Marca an der Viola und Benjamin Nyffenegger am Violoncello. Gewünscht vom Publikum. «Eine Premiere», sagt Künstlerhaus-Geschäftsführerin Nina Fleischle vor dem Konzert. Zwischen drei Programmen durfte das Publikum vorgängig auswählen. Die Mehrheit entschied. Und als wäre das nicht schon Premiere genug, ist auch das Set-up in der Alten Kirche an diesem Abend ein anderes. Der Flügel steht im Zuschauerraum, die Notenständer und die Stühle der Musikerinnen und Musiker ebenfalls. «Musik. Ganz nah.» So lautet das Motto des aktuellen «Boswiler Sommers» – hier ist es auf den Punkt umgesetzt.
Nervenkitzel für die Musikerinnen und Musiker
Impromptu f-Moll, op. 142, Nr. 4 von Franz Schubert. Dieses Klavierwerk gab Herbert Schuch zum Besten. Ganz ohne Noten entlockte er dem Steinway-Flügel die breiteste Palette an Tönen. Auch hier, die Emotionen der Musik spiegeln sich im Künstler wider. Der Applaus ist entsprechend frenetisch. Was beim Klavierquintett Es-Dur, op. 44 von Robert Schumann nicht anders ist. Die Streicher (zusätzlich Eva Zavaro an der Violine) und der Pianist vereint.
Die Premiere kommt an. Entsprechend zufrieden sind Julia Fischer und Benjamin Nyffenegger, die an diesem Abend nicht nur selber auf der Bühne zu erleben waren, sondern die auch die künstlerische Leitung des Festivals innehaben. Von ihnen stammt die Idee des Wunschkonzertes. «Es wäre doch schön, wenn das Publikum Mitspracherecht hätte bei dem, was es sich an diesem Abend anhört.» Für sie sei es spannend gewesen zu verfolgen, welches Programm sich durchsetzt. «Dadurch wussten wir erst relativ knapp vor dem Festival, was wir spielen», führen sie aus. Ein gewisser Nervenkitzel sei dabei gewesen. Angesprochen auf die drei Werke geraten die beiden ins Schwärmen. «Das Beethoven-Streichtrio bietet alles, was Beethovens Musik ausmacht.» Die Trio-Formation sei herausfordernd, «vielleicht sogar noch mehr als das Streichquartett». Das Klavierwerk von Schubert, interpretiert von Herbert Schuch, bezeichnen die beiden als richtiges Geschenk. «Und Schumanns Klavierquintett gehört sowieso zu den absoluten Favoriten für Musiker und für das Publikum.»
Vier Konzerte verbleiben
Das Wunschkonzert ist ein Teil des vielfältigen «Boswiler Sommer»-Programms. Heute, morgen und übermorgen stehen vier weitere Konzerte auf dem Programm. Heute Abend, 3. Juli, 19.30 Uhr, das Fest der Solistinnen und Solisten – mit Andrey Godik (Oboe) und Julia Fischer (Violine). Das Konzert von morgen, 4. Juli, 19.30 Uhr, steht unter dem Titel «Tango und neue Welt. Und zum Abschluss übermorgen, 5. Juli, findet um 11 Uhr eine Matinee mit Schuberts Oktett und um 17 Uhr ein Konzert unter dem Titel «Legenden der Kammermusik» statt.
Zum «Boswiler Sommer» sagen die künstlerischen Leiter: «Wir verbringen die schönste Zeit hier beim Künstlerhaus.» Alle Musiker seien begeistert, von der Region, der Schönheit der Landschaft. Die Betreuung, die Verpflegung, die Akustik in der Kirche – alles sei bestens. Die Musikerinnen und Musiker verbringen viel Zeit miteinander. Nicht nur bei den Proben, auch spätabends am Feuer hinter der Kirche. Zusammengefasst sind sich Benjamin Nyffenegger und Julia Fischer einig: «Es ist schlicht paradiesisch. Dieser Ort hat etwas Magisches.»
Mehr Informationen und Tickets unter: www.kuenstlerhausboswil.ch.

