Nachhaltigkeit weiter denken
19.06.2026 Kelleramt, Oberlunkhofen, EnergieTüftler der Nachhaltigkeit
Fritz Brun aus Oberlunkhofen geht neue Wege
Ökologisch denken und damit erst noch das Budget entlasten: Diese Kombination hat es Fritz Brun angetan. Viele seiner Ideen hat er in seinem eigenen Haus umgesetzt. ...
Tüftler der Nachhaltigkeit
Fritz Brun aus Oberlunkhofen geht neue Wege
Ökologisch denken und damit erst noch das Budget entlasten: Diese Kombination hat es Fritz Brun angetan. Viele seiner Ideen hat er in seinem eigenen Haus umgesetzt. Entstanden ist ein komplexes System, das Wasser und Sonne als Ressourcen nutzt, um den Wirkungsgrad seiner Wärmepumpen zu erhöhen und so einiges an Strom und Geld zu sparen. --tst
Fritz Brun aus Oberlunkhofen tüftelt an der Verbindung von Solarthermie, Wärmepumpe und Regenwassernutzung
Regenwasser ist ein wertvoller Rohstoff. Das hat Fritz Brun erkannt. Und nicht nur das: Sein Haus in Oberlunkhofen ist ein Pionierwerk, das zeigt, wie sich nachhaltig Ressourcen sparen lassen.
Thomas Stöckli
Photovoltaikanlagen gehören mittlerweile fast überall ins Ortsbild. Auch auf dem Dach von Fritz Brun in Oberlunkhofen sind schwarze Elemente sichtbar. Bei genauem Hinschauen zeigt sich aber: Der gelernte Elektroinstallateur produziert hier nicht Sonnenstrom, sondern nutzt stattdessen die Sonnenwärme. Das grossflächige System mit schwarzen Schläuchen hat er selbst entwickelt und bereits vor 55 Jahren verbaut. Bestehend aus dünnwandigen Kunststoffrohren, liefert es seither zuverlässig die Wärme, um den eigenen Pool schon im Frühling und bis weit in den Herbst hinein nutzen zu können. Von fünf zusätzlichen Solarthermie-Hochtemperatur-Panels kommt geballtere Wärmeenergie fürs Haus – im Sommer direkt für den Boiler, im Winter via Regenwasserzisterne, um den Wirkungsgrad der Sole-Wasser-Wärmepumpe zu verbessern.
Über 41 000 Franken eingespart
Die Solarthermie-Kollektoren sind allerdings nur der sichtbare Teil einer hochkomplexen Anlage, die der Tüftler für sein eigenes Haus massgefertigt und stetig weiterentwickelt hat. Einer Anlage, deren Energiewert Brun in 23 Jahren auf über 17 000 Franken beziffert – «das macht sich in kurzer Zeit bezahlt.» Herzstück ist die 10 000-Liter-Regenwasserzisterne. Dieser unterirdische Tank speichert das Regenwasser vom Dach. Statt es ungenutzt abzuleiten, wie das sonst üblich ist, nutzt Brun das kostbare Nass für die Gartenbewässerung, die WC-Spülungen und den Pool. Seit 2007 habe er so rund 24 000 Franken an Netzwasserund an Kanalisationsgebühren eingespart – Tendenz steigend, droht das Zürichsee-Wasser doch durch die Ausbreitung der invasiven Quaggamuschel massiv teurer zu werden.
Als zusätzlichen Vorteil nennt Brun, dass die WC-Anlage seit dem Betrieb mit Regenwasser nicht mehr verkalkt. Und auch die Allgemeinheit profitiert: Wenn bei einem Starkregen zuerst die Zisterne gefüllt wird, entlastet dies das öffentliche Kanalisationssystem.
Wirkungsgrad erhöhen
Der Regenwasserspeicher reicht erfahrungsgemäss auch bei sommerlichen Dürreperioden von bis zu fünf Wochen. Ist die Zisterne leer, sitzt Brun noch nicht auf dem Trockenen: Eine Quelle auf dem Grundstück liefert weit mehr, als sein Haushalt verbraucht. Sie speist eine zusätzliche 2000-Liter-Zisterne. Das sichert nicht nur die Versorgung von WC-Anlagen, Garten und Pool ab.
Mit konstant über 12 Grad dient das Quellwasser darüber hinaus im Winter für den effizienten Betrieb der Sole-Wasser-Wärmepumpe: «Wenn es draussen frostig ist, habe ich so einen viel besseren Wirkungsgrad», erklärt der Tüftler. Aus dem selben Grund ist auch in der Regenwasserzisterne ein Wärmetauscher eingebaut. Das zahlt sich aus: «Im Vergleich zu einer herkömmlichen Wärmepumpenanlage braucht meine 20 bis 30 Prozent weniger Strom.»
Möglichkeiten kombinieren
Wann immer er hörte, «das geht nicht!», hat das Fritz Brun nicht entmutigt, sondern zusätzlich angestachelt. Fasziniert von der Elektrifizierung seines Elternhauses in Besenbüren liess er sich zum Elektroinstallateur ausbilden. Mit Berufserfahrung und Meisterprüfung im Sack erarbeitete er sich fortan Zusatzwissen im Bereich Heizungstechnik. «Dass ich beide Berufe beherrsche, ist ein Riesenvorteil», sagt er, «so kann ich die verschiedenen Möglichkeiten kombinieren.» Wobei es auch die Voraussetzungen vor Ort miteinzubeziehen gilt. Wie im Fall von Brun die Quelle auf dem Grundstück. Bei anderen ist es vielleicht ein ehemaliger Öltank, der mit Aussenisolation als Wärmespeicher umgenutzt werden kann.
Der Blick in die Technikräume zeigt auf, dass hier ein Tüftler wirkt. Aus der Vielzahl an Möglichkeiten, möglichst energieeffizient zu wohnen, hat sich Fritz Brun ein komplexes Gesamtsystem zusammengestellt, angefangen ganz pragmatisch bei der Wärmedämmung. «Auch ohne Klimaanlage wird es bei uns im Sommer nie über 25 Grad im Haus», sagt er. Dazu gehöre es allerdings auch, nur frühmorgens zu lüften, wenn sich draussen die Luft noch nicht aufgeheizt hat. «So lässt sich sehr viel Energie sparen.» Weiter dient ein Netzwerk an Speichern dazu, die lokal vorhandene Energie – bei Bedarf über Wärmepumpen – effizient zu nutzen. «Seit 1984 habe ich in der ganzen Schweiz über 650 Wärmepumpenanlagen installiert», blickt er zurück. «auffällig ist, wie zuverlässig die Maschinen laufen.»
Mehr als nur Photovoltaik
Angesichts des Gewirrs an Rohren, Leitungen und Schläuchen – allein für die Heizung sind es 58 Ventile – verliert nicht nur der Laie schnell den Überblick. Das ist auch Fritz Brun bewusst. Seine Anlage beweist, welches Potenzial in den verfügbaren Technologien liegt. Auf welche man setzen und wie stark man diese kombinieren will, bleibt jedem selbst überlassen.
Wichtig findet Brun, das man bezüglich nachhaltiger Energie nicht nur von Photovoltaik spricht. «Thermische Kollektoren bringen ein x-Faches», sagt er, «es braucht allerdings auch Speicher dazu.» Seine Anlage beweist: Die Verbindung von Solarthermie, Wärmepumpe und Regenwassernutzung macht nicht nur ökologisch Sinn, sondern auch finanziell.



