Mutschellens Köchin geht
16.07.2024 Mutschellen, SchuleDas Kochen beigebracht
Kreisschule Mutschellen: Claudine Bütler ging
Der Anfang der Schulsommerferien vor eineinhalb Wochen war für Claudine Bütler gleichzeitig das Ende einer 34-jährigen Tätigkeit an der Kreisschule Mutschellen. ...
Das Kochen beigebracht
Kreisschule Mutschellen: Claudine Bütler ging
Der Anfang der Schulsommerferien vor eineinhalb Wochen war für Claudine Bütler gleichzeitig das Ende einer 34-jährigen Tätigkeit an der Kreisschule Mutschellen. Hier unterrichtete sie leidenschaftlich Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) und brachte den Oberstüflern damit nicht nur wichtige Grundregeln des Haushaltens bei, sondern auch das Kochen. Rund 4000 Schülerinnen und Schüler besuchten ihren Unterricht. Wie gekocht wird, lernte der Mutscheller unter anderem von ihr. Nach den Sommerferien wechselt sie in den Kanton Zürich, weil ihr die veränderten Unterrichtsbedingungen des Aargaus nicht mehr nachhaltig genug sind. --rwi
Kreisschule: Nach 34 Jahren verlässt Hauswirtschaftslehrerin Claudine Bütler ihre Schule
Mit 56 Jahren nimmt die Lehrerin für Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) Claudine Bütler eine neue Herausforderung als Lehrerin für Hauswirtschaft an den Mittelschulen des Kantons Zürich an. 34 Jahre lang hat sie dem Mutscheller Nachwuchs das Kochen und Haushalten beigebracht. Rund 4000 Schülerinnen und Schüler lernten bei ihr.
Roger Wetli
«Mein Ziel war es immer, den Schülerinnen und Schüler Grundmenüs zu lehren, welche sie zu Hause nachkochen können», strahlt Claudine Bütler. «Es durften dabei auch mal Desserts wie Erdbeerroulade oder Erdbeertiramisu sein. Sofern Erdbeeren gerade Saison hatten.» Das Kochen sei eine sehr sinnliche Erfahrung. Wobei sich die Geschmäcker in den Jahren ihrer Tätigkeit an der Kreisschule Mutschellen (KSM) nur wenig geändert hätten. «Die Jugendlichen essen wieder mehr Gemüse. Aber eine Lasagne braucht Fleisch. So, wie es die Schülerinnen und Schüler von zu Hause aus gewohnt sind», lacht Bütler. «Und Chnoblibrot ass früher kaum jemand. Heute ist es ein grosses Highlight, wenn wir es zubereiten.»
Das Würzen der Speisen ist entscheidend. «So erfuhren die Jugendlichen immer wieder ‹Wow-Effekte›», weiss die Hauswirtschaftslehrerin. «Wichtig ist auch, dass man die Speisen vor dem Servieren probiert. Für mich ist es kein Kompliment, wenn ein Gast nachwürzt.» Als Standardwerk für den kochpraktischen Teil des WAH-Unterrichts gilt nach wie vor der «Tiptopf». «Davon unterrichte ich mittlerweile mit der 4. Version.» Stolz ist Claudine Bütler, dass es in fast jedem Abschlussjahrgang Schülerinnen und Schüler gab, die danach eine Lehre als Koch, Bäcker oder Confiseur begannen.
Grosses Vorbild Erna Tiefenauer
Bütler wuchs in Oberwil-Lieli auf und wohnt bis heute dort. Von 1980 bis 1984 besuchte sie an der KSM die Bezirksschule. Damals unterrichtete Erna Tiefenauer Hauswirtschaft. Sie wurde zum grossen Vorbild von Claudine Bütler. «Mit ihr bin ich immer noch regelmässig in Kontakt. Ihretwegen wollte ich diesen Beruf erlernen», schaut Bütler zurück. Während des Lehrerinnenseminars in Brugg unterrichtete sie an der KSM einen Tag pro Woche als Praktikantin. «Danach wurde mir mit 22 Jahren eine Stelle an der Bäuerinnenschule in Münsingen angeboten. Meine Vorgängerin an der KSM kündigte aber sehr kurzfristig und meinte zu mir, da sie spät dran sei, wäre sie froh, wenn ich mich bewerben und ihren Job übernehmen würde.»
Es klappte. Wobei der Altersunterschied zwischen ihr und ihren Schützlingen zuerst noch klein war. «Von damals kenne ich heute noch ehemalige Schülerinnen und Schüler», lacht sie. Waren in ihrem ersten Schuljahr die Sekklassen im damaligen Hauswirtschaftsunterricht bereits geschlechtergemischt, unterrichtete sie die Bezschülerinnen und Bezschüler noch ein Jahr getrennt.
Infrastruktur nicht zu toppen
Ein Grund, wieso Claudine Bütler jetzt 34 Jahre an der KSM blieb, war die tolle Küche. «Ich durfte sie in einem perfekten Zustand übernehmen und beim Umbau vor 11 Jahren mitreden. Die allermeisten meiner Wünsche wurden umgesetzt. Diese Infrastruktur ist nicht zu toppen. Ich möchte sie jetzt auch blitzsauber übergeben.» Ein weiterer Grund für ihr Bleiben war das Gesamtlehrerteam. Sie sei dort immer geschätzt worden. 30 Jahre lang kochte sie im Skilager. Gleich lange bereitete sie Apéros für die Abschlussfeiern zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern vor. «Es machte schlicht Spass. Und es ist schön, zu sehen, welchen Lerneifer die Jugendlichen auch ganz ohne Notendruck entwickeln. Deren Leistungsbereitschaft war sehr hoch.» Ein grosser Erfolg für Claudine Bütler war das Freifach «Kochen in englischer Sprache», das sie von 2008 bis 2020 anbot. «Ziel war, Englisch in einem anderen Umfeld zu sprechen. Die Schülerinnen und Schüler lernten dabei sehr schnell», schaut Bütler zurück. «Das Freifach fand grossen Anklang und musste dann den Inhalten bei der Umsetzung des neuen Lehrplans weichen.»
Drei Wochen Intensivunterricht
Dass sie jetzt mit 56 Jahren in den Kanton Zürich wechselt, ist den neueren Rahmenbedingungen für den Unterricht Wirtschaft, Arbeit, Haushalt geschuldet. «Früher unterrichtete ich die Jugendlichen wöchentlich vier Stunden. Heute sind es im zweiten Oberstufenjahr im kochpraktischen Teil nur jede zweite Woche vier Stunden. Fällt da jemand krankheitsbedingt oder aus anderen Gründen aus, ist diese Person vier oder gar sechs Wochen weg. Der Lernzuwachs ist für mich mit dem neuen System zu gering und damit nicht nachhaltig.» Zudem könne sie mit vier Stunden Unterricht alle 14 Tage innerhalb eines Jahres nur noch die Hälfte der früheren Menüs lehren. «Trotzdem habe ich immer versucht, auf dem beigebrachten Wissen vor zwei Wochen aufzubauen. Ich möchte, dass die Jugendlichen nach diesem Jahr etwas können.» Dazu gehöre auch das Thema Nachhaltigkeit, etwa wie man Resten verwerte oder wann man bereits die Herdplatte abstellen könne. «Dieses Verhalten muss geübt werden.»
Nach den Sommerferien unterrichtet Claudine Bütler an den Mittelschulen des Kantons Zürich. Dieser setzt ein ganz anderes Hauswirtschaftskonzept um. «Die Jugendlichen sind dort drei Wochen in einem Lager, übernachten am gleichen Ort und besuchen ihr Zuhause nur an den Wochenenden. In diesen drei Wochen lernen und besorgen sie den ganzen Haushalt. Sie erhalten Kompetenzen im Kochen, Resteverwerten, Waschen, Reinigen, aber auch im textilen und technischen Gestalten. Halt alles, was es braucht, um selbstständig einen Haushalt führen zu können. Dieses Konzept überzeugt mich.» Sie selber wird dort ebenfalls übernachten, wobei sie als 50-Prozent-Angestellte auch mal nach Hause kommt.
Trotz der Kritik am aktuellen Unterrichtssystem für Wirtschaft, Arbeit, Haushalt WAH des Kantons Aargau wird sie die KSM in bester Erinnerung behalten. «Und alles von mir erarbeitete Unterrichtsmaterial überlasse ich meinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern. Sie können darauf aufbauen, wenn sie möchten.»


