Miteinander und füreinander
04.08.2026 Region Oberfreiamt, BettwilDie Bettwiler Nationalfeier und die Lage der Nation
Wegen der fehlenden Bereitschaft der Vereine organisierte das OK-Team um Gemeinderätin Claudia Gauch erneut die 1.-August-Feier in Bettwil. Zwei Kinder sorgten dabei für eine herzerwärmende musikalische ...
Die Bettwiler Nationalfeier und die Lage der Nation
Wegen der fehlenden Bereitschaft der Vereine organisierte das OK-Team um Gemeinderätin Claudia Gauch erneut die 1.-August-Feier in Bettwil. Zwei Kinder sorgten dabei für eine herzerwärmende musikalische Einlage und René Meier wandte sich an die Bevölkerung.
Nach einer kurzen Begrüssung durch Gemeindeammann Dominique Hoffmann ergriff Festredner Oberst René Meier das Wort. Als Kommandant der Waffenplätze BODLUV ist er auch für die Militäranlage in Bettwil zuständig, die neben Emmen künftig der wichtigste Übungsplatz der Schweizer Armee werden soll. Weil das Gelände während der Anwesenheit der Truppen teilweise grossräumig abgesperrt wird, sind das VBS und René Meier im engen Austausch mit der Bettwiler Bevölkerung und den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben.
Wieder miteinander reden
Mit ein Grund für Meier, in seiner Rede den Zusammenhalt ins Zentrum zu stellen. Weg von der Elektrifizierung, hin zum persönlichen Kontakt. «Wir müssen wieder lernen, miteinander zu reden», betonte der dreifache Familienvater. Er rief die Bevölkerung dazu auf, sich im Alltag wieder vermehrt gegenseitig zu helfen, einander generationenübergreifend zu unterstützen und so mit- und voneinander zu lernen. Denn auch die Armee funktioniere so: «Die Menschen rücken aus verschiedenen Kantonen ein, haben die unterschiedlichsten Berufe und sprechen andere Sprachen. Trotzdem ziehen sie alle am gleichen Strick.»
Meiers eindrucksvolles Beispiel einer Gruppe Rekruten, die in unterirdischen Unterkünften ohne Internetempfang beherbergt wurde, zeigte, wie das funktionieren kann: Anfangs entsetzt, begriffen die jungen Frauen und Männer rasch, dass sie sich auch ohne Handy miteinander unterhalten können. Zwei Wochen später sassen sie jeden Abend zusammen und führten bei einem Jass kameradschaftliche Gespräche. Das Fazit des Kommandanten: «Das ist gelebtes Miteinander und Füreinander.»
Ausnahmetalent Schweiz
Das einzigartige Schweizer Milizsystem, das eine starke Identifikation der Militärangehörigen mit der Armee und dadurch einen beispiellosen Zusammenhalt mit sich bringe, lobte Meier besonders: «Die Armee, das sind wir.» Das System hole die Menschen mit dem Wissen ab, das sie bereits besitzen. Gerade bei der Aufrüstung in der Abteilung Cyber sucht die Schweizer Armee händeringend nach Talenten wie zum Beispiel Drohnenpiloten. Bereits in Planung sei eine Cyber-RS, auch Teilzeitmodelle seien im Gespräch. Die Armee müsse flexibler werden und gerade bei den Jungen wieder an Sinnhaftigkeit und Akzeptanz gewinnen. Selbstkritisch gibt Meier zu: «Hier haben wir den Anschluss verpasst.»
Freiheit aktiv schützen
Nicht nur im Falle eines Angriffs, sondern auch bei Ereignissen wie Naturkatastrophen sei die Armee eine Art Rückversicherung. «Aber die Sicherheit, die geht jeden Einzelnen von uns etwas an», betonte Meier. «Die Welt hat sich verändert. Es ist gefährlich zu denken, dass bei uns nichts passieren könne. Wir müssen wachsam bleiben.» Die Armee sei zwar stark aufgestellt, aber das Verständnis, das Interesse und der Rückhalt in der Bevölkerung seien eminent wichtig.
Auch deshalb mischte er sich an diesem Abend unter die Bettwiler Bevölkerung und stand den interessierten Besuchern für alle möglichen Fragen zur Verfügung.
Im persönlichen Gespräch verriet der Rothenburger zum Schluss: «Ich mache das nicht zum Selbstzweck, sonst wäre ich Anwalt geworden.» Auch er sei in erster Linie ein Bürger. «Eben einer in Uniform, der versucht, den Menschen das System Armee zu erklären. Und genau das müssen wir tun.»
--sca


