Mit Verstärkung nach Biel
21.04.2026 Kelleramt, Musik, Vereine, Kommende EventsDer Musikverein Jonen nimmt mit seinem neuen Dirigenten am Eidgenössischen teil
Ein Jahr ist es her, dass Andreas Huber beim MV Jonen den Dirigentenstab übernommen hat. Erklärtes Ziel ist der Wiederaufstieg in die zweite Stärkeklasse. Vorerst steht vom ...
Der Musikverein Jonen nimmt mit seinem neuen Dirigenten am Eidgenössischen teil
Ein Jahr ist es her, dass Andreas Huber beim MV Jonen den Dirigentenstab übernommen hat. Erklärtes Ziel ist der Wiederaufstieg in die zweite Stärkeklasse. Vorerst steht vom 14. bis 17. Mai das Eidgenössische Musikfest in Biel an. Dort spielt der Verein am Samstag. Mit Verstärkungen.
Thomas Stöckli
19 Mitglieder zählt der Musikverein Jonen derzeit. Reicht das für eine Teilnahme als Brassband am Eidgenössischen Musikfest in Biel? «Eigentlich nicht», war man sich in Jonen einig. «Das würde nur Frust und Enttäuschung bedeuten», bringt es Andreas Huber, der vor rund einem Jahr den Dirigentenstab übernommen hat, auf den Punkt. Und doch: Ein Verzicht auf die Teilnahme sei für ihn keine Option gewesen: «Wir dürfen uns nicht verstecken», hat Huber seinen Musikanten gesagt, «und wir müssen uns auch nicht verstecken.»
Entsprechend galt es, Verstärkungen zu suchen. Das gelang: Mit 27 Musikantinnen und Musikanten ist der Musikverein nahe dran an der Vollbesetzung. «Sogar mein Lehrer aus der Dirigentenausbildung kommt uns aushelfen», so Huber, «das hätte ich nie erwartet.» Einzig ein drittes Solo-Kornett und ein zweiter Bariton fehlen noch. Wobei sich der Dirigent erfindungsreich zeigt: «Notfalls schreibe ich vom zweiten Bariton eine Passage in die Eufoniumstimme, das funktioniert auch.» Zumal der MV Jonen mit seinen Personalsorgen nicht alleine dasteht: «Im Aargau ist mir keine einzige Brassband der dritten Stärkeklasse in Vollbesetzung bekannt.»
Spontanes Probedirigat
Mit 40 Jahren gehört Andreas Huber noch zu den ganz Jungen am Dirigentenpult. Wie hat er, der Oberkulmer, vor einem Jahr nach Jonen gefunden? Er habe zu der Zeit zwar eine neue Anstellung als Dirigent gesucht, blickt Huber zurück, das Kelleramt sei ihm aber eigentlich zu weit weg gewesen: «40 Minuten pro Weg – fast anderthalb Stunden Fahrzeit pro Probe – das hängt an», sagt er. Wie es der Zufall so will, lernte er als Aushilfe in Waltenschwil Patrick Wüthrich kennen, der auch in Jonen spielt. Das sei nur noch 10, 15 Minuten weiter, warb dieser. Spontan wurde ein Probedirigat vereinbart. Die Noten erhielt Huber gerade mal zwei Tage vor jener Probe. Trotzdem schien es auf Anhieb zu passen. «Einen Tag Bedenkzeit habe ich mir noch ausbedungen.»
«Mit dem MV Jonen lässt sich genau die Musik machen, die ich mir vorstelle», begründet der neue Dirigent seine Zusage. Von der eingängigen Polka und Evergreens bis zu anspruchsvollen Wettbewerbsstücken reicht das Spektrum. Dabei macht Huber aus seinen Ambitionen keinen Hehl: «Mein Ziel ist es, von der dritten in die zweite Klasse aufzusteigen.» Wobei ihm bewusst ist, dass das Niveau in den letzten 20 Jahren angestiegen ist. «Es reicht nicht, das Instrument zwischen den Proben im Koffer zu lassen», stellt er klar.
Eine Stärke des Musikvereins sind derzeit sein starkes Bass- und Posaunenregister. «Wir könnten eher noch ein, zwei Kornetts mehr brauchen», hält er fest, «dazu noch fixe Schlagzeuger und Malletisten sowie Es-Hornisten.» Andreas Huber wirkt selber am Eidgenössischen Musikfest ebenfalls als Perkussionist und Tubist noch in zwei weiteren Vereinen als Musikant mit. Weitere Anfragen hätte es noch deutlich mehr gegeben.
Auf der Spielfreude aufbauen
Am Eidgenössischen will sich der MV Jonen von seiner besten Seite präsentieren. Dazu wurde soeben der Probenbetrieb von einmal auf zweimal die Woche verdoppelt, wobei die Proben kurz und intensiv gehalten werden, damit die Spielfreude nicht verloren geht. «Wir streben nicht einen Rang in den Top 10 oder gar in den Top 3 an», zeigt sich Huber realistisch.
Für den Verein ist aktuell anderes wichtiger. Etwa die Pflege der Gemeinschaft und die Spielfreude. «Als zusammengewürfelte Truppe müssen wir uns erst mal finden», so Huber. Die Teilnahme am Eidgenössischen hat das Potenzial, für ganz viel Kitt unter den Musikanten sowie Aushilfen zu sorgen. Dieser Kitt liefert dann wieder die Motivation, im Probealltag gemeinsam einen Schritt weiter zu gehen.
Längerfristig gehört zu diesem Ziel auch die Nachwuchsarbeit. «Viele Junge Leute, die gut sind auf ihrem Instrument, hören mit zehn, zwölf Jahren auf, sobald es in der Schule schwieriger wird.» Ihnen gelte es ein Motivations-Angebot zu schaffen. «Wir haben zwei Junge, deren Väter auch mitspielen», sagt der Dirigent. «Sobald aus diesen zwei erst drei, dann vier und fünf werden, ist die Schwelle für die Jungen nicht mehr so hoch», so Huber. Dann werde es seine Herausforderung sein, das Niveau so anzupassen, dass man gemeinsam vorwärtskomme. Um auf möglichst viele Wünsche und Bedürfnisse eingehen zu können, hat Andreas Huber zudem eine Wunschbox eingerichtet, in der jeder und jede die eigenen Musikliteratur-Wünsche einbringen kann, auch anonym.
«Hauptprobe» in Mühlau
Nun geht der Blick erst mal voraus. Als «Hauptprobe» vor dem Eidgenössischen steht am 2. Mai ein Vorbereitungskonzert in Mühlau an. Nebst dem MV Jonen, der in der 3. Stärkeklasse startet, und der lokalen MG Mühlau in der 2. Klasse wird dort auch die Musikgesellschaft Oberrüti der 1. Klasse zu hören sein.
In Biel hat der MV Jonen dann am Samstag, 16. Mai, seinen grossen Auftritt. Ab 14 Uhr spielt er in der Schule Neumarkt nebst dem Aufgabenstück «Cirque au Lac» von Manuel Renggli als Selbstwahlstück «Schattdorf Impressions» von Darrol Barry. Auf der Parademusik-Strecke lässt er ab 15.35 Uhr den Marsch «60 Jahre Musikant» von Jean-Pierre Fleury folgen.
Für Andreas Huber wird es der erste Auftritt als Dirigent an einem Eidgenössischen sein. Die Nervosität halte sich dennoch in Grenzen, verrät er: «Als Dirigent gehe ich das nicht anders an als ein Jahreskonzert oder irgendein ‹Ständli›: Wir müssen immer unsere Leistung bringen, das wird wahrgenommen und darüber wird gesprochen.» Entsprechend sei er es sich gewohnt, zu fokussieren und die Leistung abzurufen. «Die Spannung löst sich, kurz bevor wir auf der Bühne stehen», weiss Andreas Huber aus Erfahrung. Den Auftritt will er dann geniessen. Und anschliessend den Applaus und das Zusammensein. In einem Punkt ist er allerdings strikt: Das erste Bier gibt es erst nach dem letzten Auftritt.
Persönlich
Das Eufonium sei sein Hauptinstrument, sagt Andreas Huber. Daneben spielte er auch Schlagzeug. Und damit nicht genug: 2018 schloss er den Dirigentenkurs auf der Unterstufe ab, sammelte dann sechs Jahre Leitungserfahrung mit der Musikgesellschaft Dintikon. Ein Jahr nachdem er die Musikgesellschaft Jonen übernommen hatte, folgte vor zwei Wochen der Dirigenten-Abschluss auf der Mittelstufe. Das Fernziel lautet, dereinst das Hobby zum Beruf machen zu können. «Das ist in diesem Business allerdings schwierig», ist sich der 40-Jährige bewusst.
Freiämter am Eidgenössischen
550 Vereine mit 22 200 Musizierenden – das Eidgenössische Musikfest vom 14. bis 17. Mai in Biel verspricht zum Fest der Superlative zu werden. Folgende Vereine aus dem Freiamt tragen ihren Teil zum Gesamtspektakel bei: die Brass Band Auw, die MG Dottikon, die MG Mühlau, die MG Oberrüti, der MV Jonen, der MV Niederwil, die Stadtmusik Bremgarten und MV Concordia Hägglingen. Den Tag, die Zeit und die Lokalität der jeweiligen Auftritte finden Interessierte unter www.emf26.ch/spielplan.


