Mit Südwind auf die Umlaufbahn
10.03.2026 WohlenElternbildungstag Freiamt: Jan-Uwe Rogge begeisterte mit seinem Referat und seinem Humor
Er ist 79 Jahre alt und voller Erfahrung. Wenn der Erziehungsberater über den Werdegang von Eltern und Kindern erzählt, dann herrscht beste Stimmung. Und das OK lag mit ...
Elternbildungstag Freiamt: Jan-Uwe Rogge begeisterte mit seinem Referat und seinem Humor
Er ist 79 Jahre alt und voller Erfahrung. Wenn der Erziehungsberater über den Werdegang von Eltern und Kindern erzählt, dann herrscht beste Stimmung. Und das OK lag mit seiner Einordnung genau richtig: Ein Auftritt von Jan-Uwe Rogge ist ein Geschenk.
Er reiste extra von Hamburg an. Und die weite Reise hat sich gelohnt, vor allem für die Teilnehmenden am Elternbildungstag. Jan-Uwe Rogge, Erziehungsberater und Autor, unterhielt die Eltern bestens. Er gab Ratschläge, zeigte quere Vergleiche auf. Und er hält den Eltern, sogar der gesamten Gesellschaft, immer wieder den Spiegel vors Gesicht. Seine Weisheiten zielen auf das ganz normale Familienleben. Rogge entlarvt das Elterndasein immer wieder als eine einfache Welt, die aber durchaus auch kompliziert werden kann.
«Bitte nicht böse sein beim Referat», bat deshalb OK-Präsidentin Belinda Lowe den erfahrenen Erzähler noch bei den Begrüssungsworten. «Der Auftritt von Jan-Uwe Rogge ist ein Geschenk. Von seinem Wissen können Kinder und Eltern profitieren», so Belinda Lowe weiter. Aber eben, er hat den Hang dazu, nicht immer nur freundlich zu sein. Trotzdem sind seine Weisheiten mit viel Humor verpackt. Manchmal beissendem und sarkastischem Humor, aber der kommt eben an. Auch als allerbeste Unterhaltung.
«Erziehung ist das Leben selber»
Und genau das tat der Norddeutsche auch. Er sprach mal böse, mal humorvoll und er verfolgte auch sein eigenes Ziel. «Lachen Sie dreimal am Tag mit Ihrem Kind», stieg er ins Referat ein. Um gleich ein erstes Mal böse zu sein: «Wenn ich euch so anschaue, frage ich mich, ob ich denn Kind sein will.» Alle Teilnehmenden lachten trotzdem.
Zeuge ein Kind bei Südwind, habe früher eine Weisheit gelautet. Und wenn nicht? «Dann setze halt die Segel anders.» Auch das kann ein Erfolgsweg sein. Auf jeden Fall hatte er sein Publikum praktisch mit zwei Sprüchen in den Bann gezogen.
Jan-Uwe Rogge ist überzeugt davon, dass alle Eltern «das Kind bekommen, das sie brauchen. Denn Kinder sind immer ein Geschenk. So betrachtet, bekommen wir immer das passende Kind», meint er.
Aber ganz so einfach sind das Kinderleben und das Elternsein eben doch nicht. Darum Rogges Tipp: «Erziehung hat immer auch mit Humor zu tun.» Allerdings bleiben Ratschläge nicht stets haften, gab er zu, «dafür bleiben Geschichten in Erinnerung». Auch darum erzählt er wohl so gerne so viele Geschichten rund ums Erwachsenwerden.
Und Erziehung sei nicht etwa die Vorbereitung aufs Leben, «Erziehung ist das Leben selber». Das Elternsein bedeutet Begleitung, und da gibt es Sackgassen und andere Wege. «Kinder wollen Raum für sich haben, und sie wollen nicht immer beobachtet werden», so Rogge weiter. Und Kinder wollen nicht immer verglichen werden mit anderen Kindern. Dies gilt gemäss dem 79-jährigen Deutschen auch für Mütter und Väter. Deshalb hörte das Publikum wohl so gut zu – und hatte einiges zu lachen. Beispielsweise bei zwei Arten von sogenannten Problemkindern.
«Ich habe schon eine coole Alte»
Ein Einzelkind werde oft als Problemkind bezeichnet, werde ihm oft vorgejammert. Seine Antwort ist einfach: «Dann zeugt ein zweites.» Oder sogenannte Sandwich-Kinder haben es schwer. Rogges Antwort: «Das Beste am Sandwich ist doch die Mitte. Kinder wollen so angenommen werden, wie sie sind, nicht wie wir sie gerne hätten. Und Kinder mögen oft nicht, wie Eltern mit ihnen reden.» Und sowieso, der Wortschatz von 2- bis 21-Jährigen sei immer gleich. Nur zwei Worte sind da wichtig: ich und nein. Eltern sprechen dagegen meistens in der Wir-Form. Das sei halt grundlegend falsch.
Letztlich sollten Eltern dankbar sein, dass sie überhaupt Kinder haben. Rogge baute auch hier einen Ergänzungssatz ein. Die Haltung der Dankbarkeit sei wichtig, «selbst dann, wenn wir denken, jetzt schiesse ich dieses Kind in eine Umlaufbahn, notabene ohne Rückfahrschein». Darum sein Ratschlag: «Wir müssen Kinder so annehmen, wie sie sind.» Ein Dreijähriger dürfe deshalb über sein Mami auch mal ausufernd denken. Beispielsweise: «Ich habe schon eine coole Alte.» --dm

