Mit Militärschuhen fing es an
07.08.2026 Region Oberfreiamt, Boswil, GewerbeSommerserie «Immer noch da»: Zu Besuch bei der Schuhmacherei A. Keusch in Boswil
Der bediente Bahnhof, eine Käserei, Bäckerei oder der Metzgerladen im Dorf – das war einmal. «Lädelisterben» nennt der Volksmund dieses Phänomen. ...
Sommerserie «Immer noch da»: Zu Besuch bei der Schuhmacherei A. Keusch in Boswil
Der bediente Bahnhof, eine Käserei, Bäckerei oder der Metzgerladen im Dorf – das war einmal. «Lädelisterben» nennt der Volksmund dieses Phänomen. Wenige alteingesessene handwerkliche Betriebe sind immer noch da. Etwa die Schuhmacherei A. Keusch an der Zentralstrasse in Boswil.
Richard Gähwiler
Neben den Spezereien-Läden (s’Adolfe Lädeli am Kirchweg und s’Thedore Lädeli von Hermine Notter) und mehreren Kiosken gab es in Boswil noch bis in die 90er-Jahre die Käserei im Oberdorf. Die Metzgerei im «Löwen» wurde bis 1986 von Alois Hildbrand betreut und diejenige von Walter Brun, beim «Gasthaus Sternen» hatte gar bis zur Jahrtausendwende ihre treue Kundschaft. Das war einmal. Strukturwandel und Gewerbeschwund wird dieses Verschwinden von lokalen Betrieben genannt.
Alles in Handarbeit
Es gibt sie aber auch noch, Familienbetriebe mit altem Handwerk wie die Schuhmacherei A. Keusch. Was vor rund 90 Jahren mit «Bernette Schuemi» in einem kleinen Zimmer seinen Anfang nahm, wird noch heute von seinem Sohn Arthur weitergeführt.
Sein Berufsleben startete Arthur 1952 mit einer Lehre als Schuhmacher in Alikon. «Ich machte damals ausschliesslich neue Militärschuhe», erinnert sich Arthur noch genau, «und das alles in Handarbeit.» Das Flicken von Schuhen habe er in späteren Praxisjahren in Brugg gelernt, erzählte er weiter. Weitere Stationen waren Luzern und Zürich, wo er mit drei Franken einen stattlichen Lohn erhielt. Ohne Lohn, aber mit der Gewissheit die Schuhmacherei einmal übernehmen zu können, arbeitete er ab 1960 bei seinem Vater.
Vom Kellerloch ans Tageslicht
Trotz strengem Arbeiten lernte Arthur seine Elisabeth bei einem gemütlichen Jass kennen. Dies fand seine Fortsetzung mit einer provozierten Schuhreparatur. Im Jahr 1960 heirateten die beiden und konnten im folgenden Jahr im Anbau an der Zentralstrasse einziehen. Wohnen im 1. Stock und im Erdgeschoss die «neue Schuhmacherei», ausgerüstet mit der bewährten Gerätschaft seines Vaters. «Früher arbeiteten wir in einem Kellerloch, jetzt hatten wir Platz und helles Tageslicht», erinnerte sich Elisabeth.
Trotzdem, es war anfänglich eine schwierige Zeit. Plastik verdrängte Leder. Die Reparatur von preisgünstigen, in die Mode gekommenen Kunststoffschuhen konnte nicht oder nicht kostendeckend realisiert werden. Es kam so weit, dass Vater Keusch am Morgen in der Schuhmacherei arbeitete und am Nachmittag im Wald Holz verarbeitete. Zusätzlich bedienten sie auch Ablagestellen für Reparaturschuhe: zweimal pro Woche wurden diese von Elisabeth in Hochdorf, Sengen, Sarmenstorf und Obfelden abgeholt und wieder ausgeliefert.
Holz als heimliche Leidenschaft
Am Arbeiten mit Holz fanden auch Arthur und Elisabeth Gefallen. Umso mehr als sie nach dem Umzug ins Unterdorf im Jahr 1980 neben ihrem gepflegten Garten für manchen Ster Holz und Hunderte von «Stuudä» Platz hatten. Bis im Jahr 2020 «holzten» sie so gemeinsam, bis dann alles doch ein bisschen zu viel wurde. «Schuhmacher-technisch» ging es hingegen weiter, auch nach der offiziellen Pension.
So arbeiteten sie freiwillig und mit Freude weiterhin für ihre bestehenden Kunden vor Ort.
Die Serie
Die Welt verändert sich stetig, Dinge verschwinden. In der Sommerserie «Immer noch da» greift die Redaktion Handwerke, Vereine und Themen auf, die sich über die Jahrzehnte gehalten haben. Von der Wyssebacher Sagi über den «Chäber» in Wohlen bis zur Lohnbrennerei. --red




