Mit ganz viel Dankbarkeit
23.06.2026 MuriNach 19 Jahren im Stiftungsrat des Spitals Muri und 16 als Präsidentin hört Sabina Rüttimann auf
Den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt zu finden, das gehöre zur Professionalität. Sabina Rüttimann ist überzeugt, dass dieser ...
Nach 19 Jahren im Stiftungsrat des Spitals Muri und 16 als Präsidentin hört Sabina Rüttimann auf
Den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt zu finden, das gehöre zur Professionalität. Sabina Rüttimann ist überzeugt, dass dieser Zeitpunkt jetzt ist. Per Ende Monat tritt sie als Präsidentin des Stiftungsrates des Spitals Muri zurück. «Es wird mir nicht leichtfallen, den Badge abzugeben», sagt sie.
Annemarie Keusch
Es ist ein klares Zeichen dafür, wie lange sich Sabina Rüttimann schon für das Spital Muri engagiert. «Als ich frisch im Stiftungsrat war, diskutierten wir darüber, ob ein Regionalspital ein MRI braucht.» Heute sind zwei in Betrieb und ausgelastet. Mehr als 19 Jahre sind seither vergangen. Und Sabina Rüttimann ist nur noch eine Woche im Amt als Stiftungsratspräsidentin des Spitals Muri. Meilensteine hat sie in dieser Zeit ganz viele erlebt. Die neue Spitalfinanzierung, den Erweiterungsbau mit einem Investitionsvolumen von 60 Millionen Franken, den Namenswechsel von Kreisspital für das Freiamt zu Spital Muri, die Coronapandemie, die neue Angebotsstrategie. Die Liste ist nicht abschliessend. «Ja, es ist einiges passiert in all den Jahren.» Zusammenfassend liesse sich sagen: «Es wurde komplexer, herausfordernder, zeitintensiver und umfassender.» Und es galt, auch unpopuläre Entscheide zu treffen.
Immer herausfordernder
Natürlich wird Rüttimann auf die Schliessung der Geburtenabteilung angesprochen, deren Beschluss vor eineinhalb Jahren hohe Wellen auslöste. «Das zu kommunizieren, war einer der schwierigsten Momente», gesteht sie. Weil sie um die Emotionalität des Themas wusste. Und dennoch: «Der Prozess bis zu diesem Entscheid war lang, und ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass diese neue Strategie die richtige ist.» Natürlich löste dieser Entscheid in Muri und in der Region einiges aus. «Ja, ich wurde im Dorf immer wieder darauf angesprochen. Aber das Aushalten gehört zu dieser Aufgabe dazu», sagt Rüttimann, die selber in Muri lebt.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen, zwingen zu betriebswirtschaftlichen Entscheidungen; das finanzielle Umfeld für das Spital wird immer herausfordernder. «Das ist durchaus nicht immer einfach zu vermitteln, weil man grundsätzlich assoziiert, dass im Spital Kranken geholfen wird und Gewinne einem Spital nicht gut anstehen. Aber die Zahlen müssen stimmen, sonst hat die Institution keine Zukunft.» Rüttimann denkt beispielsweise an bauliche Erneuerungen, für die Geld zur Seite gelegt werden muss. Grossen Einfluss hat dabei auch die Politik, gerade bei der Festlegung der Tarife. «Da können wir als Spital kaum Einfluss nehmen. Das Spital macht keine Politik.» Heisst nicht, dass die aus Sicht der Spitäler sowohl ambulant als auch stationär zu tief bemessenen Tarife nicht für Frustration sorgen. «Und es ist zu befürchten, dass sich die Situation diesbezüglich auch nicht entspannt.»
Lösungen suchen anstatt Probleme
Eine ähnliche Entwicklung sieht die langjährige Stiftungsratspräsidentin bei der Herausforderung des Fachkräftemangels. Sie betont: «Es ist umso wichtiger, dass wir unseren jahrelangen und treuen Mitarbeitenden Sorge tragen.» Den jährlichen Jubilarenanlass zu besuchen, gehörte für sie immer dazu. «Es ist eine gute Möglichkeit, die Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Alle Mitarbeitenden gehen ihren Aufgaben mit viel Empathie, Leistungsbereitschaft und Fachwissen nach.»
Es entspricht aber nicht Sabina Rüttimanns Charakter, trotz zeitweiliger Frustration den Kopf in den Sand zu stecken. «Wir können die Welt nicht verändern, aber unsere Einstellung dazu.» Lösungen zu suchen, anstatt Probleme herbeizureden.
Vor allem die Menschen werden ihr fehlen
Sechs ordentliche Sitzungen mit dem Stiftungsrat, ausserordentliche, Strategieworkshops, die Stifterversammlung, die Treffen mit dem Finanzausschuss, der monatliche Austausch mit dem CEO – mit Marco Beng und Daniel Strub waren das während der 19 Jahre nur zwei Personen –, die Sitzungen mit dem Wahlausschuss, der Politanlass, die Versammlung der Gönnervereinigung und viele mehr. «Ja, ich habe in den letzten Jahren viel Zeit am Spital Muri verbracht.» Während der Pandemie nahm Sabina Rüttimann regelmässig an den Sitzungen des Krisenstabs teil. Entsprechend fällt ihr der Abschied nicht leicht. «Ich werde vor allem die Menschen vermissen, weniger die Verantwortung», sagt sie. Das Miteinander mit dem CEO, der Spitalleitung, im Stiftungsrat, als Teil des gesamten Spitalteams. «Es wird mir nicht leichtfallen, Ende Monat den Badge abzugeben.»
Dennoch ist Sabina Rüttimann überzeugt, dass der Zeitpunkt der richtige ist. «Diesen zu erkennen, das gehört zur Professionalität dazu», betont sie. Obwohl Wehmut dazugehört. «Es dürfte nicht sein, dass ich aus Müdigkeit oder Frust aufhöre.» Die Aufgaben hätten in den letzten Jahren stetig zugenommen, ihre Komplexität auch. «Ich arbeite Vollzeit in einer Führungsposition im Grossraum Zürich. Die Vereinbarkeit von Beruf und Stiftungsrat wurde immer schwieriger», ergänzt sie, die einen juristischen Hintergrund hat und bei einer Versicherung tätig ist. Zudem präsidiert sie den Kirchenchor in Muri.
Freut sich darauf, durchatmen zu können
Verbunden wird sie dem Spital ganz sicher bleiben. Rüttimann ist Mitglied der Gönnervereinigung. Und sie wird verfolgen, wie sich das Spital Muri weiterentwickelt. «Ich weiss, dass auch der künftige Stiftungsrat stets den Stiftungszweck und das Wohl des Spitals Muri im Zentrum seiner Überlegungen haben wird. Das stimmt mich zuversichtlich.» Sie wünsche dem Spital betriebswirtschaftliche Stabilität, damit die erforderlichen Gewinne und damit die Zukunft gesichert sei und motivierte, engagierte und kompetente Mitarbeitende, die sich der Gesundheit der Patientinnen und Patienten annehmen.
Trotz Wehmut, Sabina Rüttimann freut sich auch, durchatmen zu können. «Wegen der Aufgaben des Spitals stand anderes nicht selten hintenan. Ferien wurden mit Blick auf den Sitzungskalender gebucht. Das ist jetzt nicht mehr notwendig.» Sie schaue, was nun auf sie zukomme. Sich weiterhin zu engagieren, das schliesst sie nicht aus. «Es war und ist mir wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.»

