Mieten entspannt Familien-Budget
03.02.2026 Muri, GewerbeMarco Tramontano führt ein Unternehmen, bei welchem man Kinderwagen ausleihen kann
Jährlich werden 80 000 Kinder geboren und 90 000 Kinderwagen entsorgt. Dieser Umstand hat den Jungunternehmer dazu bewogen, in das Business der Kreislaufwirtschaft und der ...
Marco Tramontano führt ein Unternehmen, bei welchem man Kinderwagen ausleihen kann
Jährlich werden 80 000 Kinder geboren und 90 000 Kinderwagen entsorgt. Dieser Umstand hat den Jungunternehmer dazu bewogen, in das Business der Kreislaufwirtschaft und der Kinderwagenvermietung einzusteigen. Durch den Service werden Umwelt und Budget von jungen Familien geschont.
Verena Anna Wigger
Er ist selbst Vater einer vierjährigen Tochter und eines zweijährigen Sohns. Er kennt die Herausforderungen davon, Kinderwagen zu kaufen, auszuleihen oder zu mieten. Auch dass die Kleinen sehr schnell wachsen und der Wagen oftmals nicht mehr passt. Aber auch die Thematik eines Geschwisterwagens oder der praktischen Veloanhänger.
Genau in diesem Segment ist die Firma «Loopi» tätig, welche in Winterthur gegründet wurde. Als Produktentwickler hat er das Jungunternehmen eine Zeit lang beraten. Denn aus diesem Bereich kommt der Zürcher Marco Tramontano. Als Produktentwickler hat er Tätowier-Pistolen und Taschenlampen entwickelt und designt. Aber auch Schutzbleche und Velogarnituren für die bekannte Marke Scott oder Veloanhänger von Leggero, eine Spezialität für Kinder und Familien, wurden mit seinen Designideen veredelt. So wurde er quasi auch zum Fachmann im Bereich Produkte für junge Familien. Anfänglich war es lediglich ein Auftrag zur Beratung. Daraus wurde eine Zusammenarbeit und letztendlich hat sich Marco Tramontano als Mitgründer der Firma, wie sie heute besteht, eingebracht und die Firma im Sommer 2025 übernommen.
Den Weg als Jungunternehmer beschreiten
Tramontano gefiel die Ursprungsidee. Das Gründersextett wollte den Kinderwagen neu überlegen und ihn robuster bauen. Daraus sollte ein Schweizer Produkt werden. Die Idee, einen Schweizer Kinderwagen selbst zu entwickeln, stellte sich als sehr kostenintensiv und herausfordernd heraus. Dazu haben die Jungunternehmer festgestellt, dass sie ihr junges Unternehmen an die Wand fahren würden, wenn sie diesen Weg weiter beschreiten. Zudem stellte sich heraus, dass nicht mehr alle Gründer mit dem gleichen Elan die Firma vorantreiben wollten.
Um sie weiterzubringen, haben sie sich dem Urteil der TV-Show «Höhle der Löwen» gestellt. Und haben eine Zusage erhalten. Am Ende seien sie aber aus eigener Kraft weitergekommen. Nach vier Jahren Arbeit im Unternehmen haben Tramontano und einer der Ursprungsgründer die Firma im letzten Sommer übernommen. Es habe eine neue Fokussierung gegeben. «Diesen neuen Fokus braucht es», sagt der heutige CEO.
Sortiment und Angebote gewachsen
Was mit dem Ausleihen von Kinderwagen begonnen hat, umfasst heute ein Sortiment an Kinder- und Geschwisterwagen, Federwiegen und Veloanhängern, die mittlerweile gemietet, aber auch gekauft werden können. Auch die Art, wie die Produkte vermietet werden, wird laufend angepasst. Denn die Gründer wollen auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. So ist ein Kauf mit Rückgaberecht ebenfalls möglich.
Wichtig ist ihnen der Kreislauf. Produkte sollen nicht im Müll landen, solange ihre Lebenszeit dies zulässt. «Manche Eltern wollen den Wagen kaufen», ist die Erfahrung des gebürtigen Zugers. Diese Wagen nehmen sie später auch zurück. Was sie nicht können, ist «fremde» Produkte annehmen. Durch ihre Zusammenarbeit mit einem Hersteller haben sie die Möglichkeit, die Wagen wieder verfügbar zu machen.
Asien und Freiamt verbinden
Egal ob dies ein vermieteter Wagen oder ein Rückkauf ist, die Wagen kommen nach Muri. Im Lagerhaus der Firma Sprinter hat das Jungunternehmen den für sie idealen Logistiker samt Gewerberaum gefunden. Hier werden die Wagen geputzt, die Bezüge gewaschen oder ausgetauscht und nötige Reparaturen vorgenommen, bevor die Wagen wieder ausgemietet werden. Ernst Engel ist einer der vier Servicemitarbeiter, welche die Wagen aufbereiten. Hier werden auch die neuen Produkte zusammengestellt, damit sie gebrauchsfertig an die Kunden ausgeliefert werden können.
Auch wenn die Wagen und Hilfsmittel mehrere Kinder begleiten, ist es für das Unternehmer selbstverständlich, dass ihre Produkte einwandfrei sind. «Wir haben eine Fünf-Sterne-Bewertung auf Google», sagt Tramontano. Ihm ist bewusst, dass gute Mund-zu-Mund-Werbung eines der starken Argumente für ihre Dienstleistung ist. «Ein guter Wagen, mit dem man sich zeigen kann», das sei das, was ihre Kunden suchen. Da ihre Werbekanäle hauptsächlich online und auf Social Media sind, mache dies den Ausschlag.
Die Wagen kommen von einem führenden Hersteller aus den Niederlanden. Produziert werden sie in Asien. Die notwendigen Dienstleistungen werden im Freiamt erbracht. Aus eigener Erfahrung weiss das junge Unternehmen, dass ein Schweizer Kinderwagen oft zu teuer ist. CEO Tramontano findet: «Der Mix aus ausländischem Qualitätsprodukt und Schweizer Dienstleistung ist die beste Lösung.»
Mieten lohnt sich immer
Die Lebensdauer eines Kinderwagens umfasst drei bis fünf Mietzyklen. Eine Mietdauer umfasst im Minimum sechs Monate. Im Anschluss werden die Wagen nochmals aufbereitet und dann als Premium-Occasionen verkauft. Da das Mietabo rund einen Viertel eines guten Neuwagens kostet, lohnt sich diese Überlegung. Denn wenn die Kinder aus dem ersten Wagen herausgewachsen sind, bietet «Loopi» ein Nachfolgemodell bis zum Alter von drei Jahren an. Künftig soll es sogar Laufräder im Angebot geben.
Ein weiterer Vorteil liegt im Lager in Muri. So ist das Unternehmen in der Lage, innerhalb weniger Tage oder auch auf Vorbestellung einen Wagen auf den gewünschten Termin zu liefern. Überhaupt sieht das kleine Team in seiner flexiblen Arbeitsweise und lokalen Wertschöpfung einen grossen Pluspunkt für die Kunden.

