Mehrwert für alle im Dorf
06.03.2026 Kelleramt, IslisbergIslisberg plant ein neues Mehrzweckgebäude, samt Begegnungszone und Spielplatz
2,305 Millionen Franken. So viel plant die Gemeinde in ein neues Mehrzweckgebäude zu investieren. An der Informationsveranstaltung sorgen vor allem diese Kosten hie und da für ...
Islisberg plant ein neues Mehrzweckgebäude, samt Begegnungszone und Spielplatz
2,305 Millionen Franken. So viel plant die Gemeinde in ein neues Mehrzweckgebäude zu investieren. An der Informationsveranstaltung sorgen vor allem diese Kosten hie und da für Skepsis. Das Projekt erfährt aber auch viel Unterstützung. Entschieden wird an der nächsten «Gmeind» am 17. Juni.
Annemarie Keusch
Für einen Vereinsanlass. Für eine Familienfeier. Für einen Vortrag. Für ein kleines Konzert. Bis zu 150 Personen finden bei Konzertbestuhlung Platz im Saal des geplanten Mehrzweckgebäudes. 80 Personen sind es bei gedeckten Tischen. Der Mittagstisch soll hier untergebracht werden. «Die Schule wächst, der Raumbedarf ebenfalls. Den Mittagstisch und die Tagesstrukturen auszulagern, das wäre ideal», sagt Gemeinderat Michael Moosmann. Der Saal ist unterteilbar geplant. Während die Kinder am Mittagstisch sitzen, könnten die Senioren ihr Mittagessen auf der anderen Seite der mobilen Trennwände einnehmen. Und auch die «Gmeind» würde fortan im neuen Saal stattfinden.
WC-Anlagen, Küche, Lagerraum gehören natürlich dazu. Geplant ist zudem ein Gemeinschaftsraum. Ein Ort, wo sich die Bevölkerung vom Dorf begegnen kann. «Seit das Restaurant Berghof geschlossen ist, haben wir keinen solchen Treffpunkt mehr.» Der Gemeinschaftsraum wird zu den Öffnungszeiten öffentlich zugänglich sein. «Vielleicht bietet jemand regelmässig Kaffee und Kuchen an. So weit sind wir aber noch nicht», sagt Moosmann.
Ursprung im November 2019
An dieser Informationsveranstaltung geht es darum, das Projekt vorzustellen. Denn dieses hat eine lange Geschichte hinter sich und hat viele Veränderungen respektive Erweiterungen erlebt. Ursprünglich war von einem Spielplatz mit Unterstand die Rede, als ein entsprechender Antrag an der «Gmeind» im November 2019 eine Mehrheit fand. Die Schaffung einer Begegnungszone war damals die Intention. Wegen der Pandemie und des Landkaufs für das Projekt verstrich seither einige Zeit. Auch war zwischenzeitlich ein anderer Standort geplant, der aber keine Mehrheit fand. Jetzt soll die Begegnungszone in unmittelbarer Nähe zum Schulhaus entstehen – in westlicher Richtung. Im Sommer 2024 holte der Gemeinderat den Kredit von 20 000 Franken für eine Varianten- und Machbarkeitsstudie, im letzten Sommer die 70 000 Franken als Planungskredit und nun am 17. Juni ist der Baukredit an der Reihe. «Das Projekt ist in seiner Dimension gewachsen, weil wir damit Bedürfnisse aus der Bevölkerung abdecken wollen», sagt Michael Moosmann. Der Vereine, der Schule, der Einwohnerschaft. Gemeindeammann Patrick Stutz sagte es einleitend so: «Wir wollen dem aktiven Dorfleben Sorge tragen.»
Und der Gemeinderat will die Bevölkerung aktiv einbeziehen. Das tut er mit einer entsprechenden Kommission. Das tut er aber auch an diesem Informationsanlass. «Ein offener Austausch ist uns wichtig», betonte Stutz. Roxana Puiu, Langenegger Architekten AG, stellte das Projekt vor. Geplant ist ein Holzbau. Kein starrer Baukörper. «Mit bedeckten Nischen, die unterschiedlich bespielt und gebraucht werden können und die den Wind brechen», führte sie aus. Die starken Niveauunterschiede des Geländes seien eine Herausforderung gewesen, die man für sich genutzt habe. Denn ein Teil des neuen Mehrzweckgebäudes soll unterkellert werden. Hier findet ein Jugendraum Platz. Dank der Hanglage ist auch dieser mit Tageslicht ausgestattet. Und Pläne gibt es auch für den Aussenraum. «Wir wollen ihn naturnah gestalten.» Etwa mit Holzelementen, die das freie Spiel im Terrain fördern. Mit einem Spielplatz, samt Zipline und ebenerdigem Trampolin. Mit einer Boccia-Anlage und einer Grillstelle. «Damit für alle etwas dabei ist», sagt Roxana Puiu.
Keine Erhöhung des Steuerfusses geplant
Gegenwind kommt an diesem Abend bezüglich der Pläne keiner. Was dagegen bewegt, sind die Kosten, die laut Grobkostenschätzung rund 2,305 Millionen Franken betragen. «Wir sind auch erschrocken», gibt Gemeinderat Michael Moosmann zu. Aber das Bauen sei in den letzten Jahren eben teurer geworden. «Vermögen wir das?» Diese Frage stellte sich der Gemeinderat und blickt dabei auch auf grosse Investitionen zurück, die die Gemeinde bereits gestemmt hat: Schulhaus, Turnhalle. Gemeindeammann Patrick Stutz zeigt auf, dass die Nettoschuld pro Einwohner zwar ansteige, aber nach der grossen Investition, die aktuell für 2028 eingeplant ist, wieder abnehme. Auch die Gesamtergebnisse der Gemeinde werden ab 2028 und den aktuell geplanten Investitionen negativ budgetiert. «Aber mittelfristig ist das Projekt tragbar», betonte Stutz. Und die präsentierte Berechnung zeigt einen stabilen Steuerfuss von 98 Prozent. «Ich bin kein Hellseher. Aktuell gehen wir aber davon aus, dass dies so möglich ist.» Zumal die Gemeinde per 2025 den Steuerfuss um sechs Prozentpunkte anhob. «Wir brauchen die aktuellen Mehrerträge, um solche Investitionen zu tätigen.»
Das Budget sei eine Blackbox, monierte ein Stimmbürger. Ammann Stutz versprach auf die «Gmeind» im Juni Richtofferten, die genauere Zahlen zulassen. Was ebenfalls für Skepsis sorgt, ist der Jugendraum und der öffentlich zugängliche Gemeinschaftsraum. Verunreinigungen, Lärm – das sind die Befürchtungen. Gemeinderat Moosmann erwiderte: «Wir wollen die Jungen in die Verantwortung nehmen. Funktioniert es nicht, brechen wir diese Übung ab.» Dass wegen des Mehrzweckgebäudes samt Umschwung ein zweiter Werkhof-Mitarbeiter eingestellt werden müsse, dem sei nicht so. «Vielleicht müssen wir bei der Reinigungskraft das Pensum erhöhen. Den Schlüsseldienst bei Vermietungen und so weiter wird aber jemand aus dem Dorf übernehmen», führte Ammann Stutz aus. Er fasste zusammen: «Unser Dorf hat schon immer Mut bewiesen, wenn es um grosse Projekte ging.» Im Juni wird entschieden, ob dies auch beim Mehrzweckgebäude der Fall ist.

