Mehr Zeit für Prävention
02.06.2026 Mutschellen, Oberwil-Lieli, SchuleOberwil-Lieli: An der «Gmeind» wird über eine Stellenerhöhung der Schulsozialarbeit entschieden
Die Schulsozialarbeit an der Schule von Oberwil-Lieli verfügt aktuell über ein Pensum von 20 Prozent. Nun beantragt der Gemeinderat an der ...
Oberwil-Lieli: An der «Gmeind» wird über eine Stellenerhöhung der Schulsozialarbeit entschieden
Die Schulsozialarbeit an der Schule von Oberwil-Lieli verfügt aktuell über ein Pensum von 20 Prozent. Nun beantragt der Gemeinderat an der «Gmeind» vom 5. Juni eine Aufstockung um 10 Prozent. Dies, um den zunehmenden Aufwänden gerecht zu werden.
Roger Wetli
«Die vorhandenen Ressourcen werden nur bedingt den steigenden Anforderungen gerecht und die wichtige präventive Arbeit kommt zu kurz», erklärt Schulleiterin Jeannette Hecht. Gerade diese Prävention sei jedoch zentral. «Es geht darum, Kinder frühzeitig zu stärken, sie in ihrer sozialen Kompetenz zu fördern und ihnen Kompetenzen für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten zu vermitteln.» Das Ziel sei es nicht, Kindern alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, sondern sie zu befähigen, Herausforderungen selbstständig und verantwortungsvoll zu bewältigen. «Denn auch der faire Umgang mit Konflikten will gelernt sein», ist Hecht überzeugt.
Konflikte nahmen zu
In Oberwil-Lieli wurde die Schulsozialarbeit per 1. August 2020 mit einem 10-Prozent-Pensum eingeführt. Die Erhöhung auf 20 Prozent erfolgte an der Einwohnergemeindeversammlung vom 25. November 2022. Aktuell besuchen 200 Schülerinnen und Schüler die Schule in Oberwil-Lieli. Jeannette Hecht weiss, dass der Schulsozialarbeitsverband für eine Schule von rund 200 Kindern ein Pensum von etwa 40 Prozent empfiehlt. «Aktuell liegen wir mit den bestehenden Ressourcen unter dieser Empfehlung», hält Hecht fest. Der Gemeinderat rechnet mit zusätzlichen Kosten von rund 10 000 Franken.
Ihr geht es bei dieser Stellenprozenterhöhung nicht um die eigentliche Pensen-Zahl, sondern um die Tatsache, dass in den letzten Jahren verschiedene Konflikte an der Schule zugenommen haben. So gibt es heute deutlich mehr sozial- und verhaltensauffällige Kinder in allen Klassenstufen, die Eltern mischen sich markant mehr ein und die Belastung des Lehrpersonenteams nimmt zu.
Jeannette Hecht geht ins Detail: «Ein Teil der Schülerinnen und Schüler nimmt das Angebot direkt in Anspruch, ein grosser Teil profitiert jedoch indirekt von präventiven Massnahmen, beispielsweise durch Sozialtrainings, Klasseninterventionen oder begleitete Gespräche.» Gerade im laufenden Jahr zeige sich ein steigender Bedarf an Einsätzen im Vergleich zu den Vorjahren. «Diese Entwicklung entspricht einem allgemeinen Trend und hängt, laut unserer Einschätzung, unter anderem mit veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und gestiegenen Anforderungen der Eltern an ihre Kinder und an die Schule zusammen.» Eltern würden häufiger und früher in schulische Belange eingreifen. Jeannette Hecht weiss: «Während Konflikte unter Kindern oft rasch lösbar sind, gestaltet sich die Situation komplexer, wenn Konflikte über die Kinder auf Elternebene ausgetragen werden.» Zudem würden Konflikte unter Eltern die Situation in der Schule indirekt beeinflussen und seien äusserst anspruchsvoll für eine Schule. «In solchen Fällen übernimmt die Schulsozialarbeit eine vermittelnde Rolle, strukturiert Gespräche und unterstützt alle Beteiligten dabei, den Fokus wieder auf das Wohl des Kindes zu lenken und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.»
Besser für das Schulklima
Mit den aktuellen 20 Stellenprozenten stosse die Schulsozialarbeit in arbeitsintensiven Phasen schnell an ihre Grenzen. «In solchen Situationen werden Prioritäten gesetzt, wobei akute Fälle verständlicherweise im Vordergrund stehen», so Hecht. Sie betont: «Diese moderate Aufstockung um 10 Prozent ermöglicht es, den Bedarf sorgfältig zu beobachten und die Wirkung gezielt zu prüfen.» Die Schulleitung und der Gemeinderat würden die weitere Entwicklung eng begleiten und gegebenenfalls mittelfristig eine zusätzliche Erhöhung auf 40 Prozent in Betracht ziehen. Jeannette Hecht gibt zu bedenken: «Bei einer Ablehnung der Stellenprozenterhöhung müsste der Fokus noch stärker auf akute Problemlagen gelegt werden. Präventive Angebote könnten weiterhin nur sehr eingeschränkt umgesetzt werden.» Das wäre aus ihrer Sicht bedauerlich, da gerade diese Prävention wesentlich dazu beitrage, alle Beteiligten nachhaltig zu entlasten und ein förderliches Lernklima für die Kinder zu schaffen. Sie nennt noch einen weiteren Aspekt: «Gerade auch vor dem Hintergrund, dass wir viele engagierte, gut ausgebildete, teilweise noch junge Lehrpersonen im Einsatz haben, ist eine starke Schulsozialarbeit ein wichtiger Pfeiler: Sie unterstützt, begleitet und ergänzt die pädagogische Arbeit im Schulalltag.»
Die Traktanden
An der Gemeindeversammlung von Oberwil-Lieli vom Freitag, 5. Juni, sind folgende Themen traktandiert: 1. Protokoll vom 28. November 2025. – 2. Rechenschaftsbericht 2025. – 3. Jahresrechnung 2025. – 4. Zusicherung des Gemeindebürgerrechts an vier Personen. – 5. Erhöhung Pensum der Schulsozialarbeit von 20 auf 30 Prozent. – 6. Verschiedenes.

