Zu «In Bern obe», Gastkolumne von Peter Füglistaler vom Freitag, 15. Mai
Werter Herr Füglistaler. Mal vorab: Ich bin sicher, dass fast 100 Prozent der Bauern auf die Direktzahlungen verzichten würden, wenn sie das Einkommen über die erzeugten ...
Zu «In Bern obe», Gastkolumne von Peter Füglistaler vom Freitag, 15. Mai
Werter Herr Füglistaler. Mal vorab: Ich bin sicher, dass fast 100 Prozent der Bauern auf die Direktzahlungen verzichten würden, wenn sie das Einkommen über die erzeugten Produkte lösen könnten. Nur würde dann ein Liter Milch 3.50 Franken kosten und ein Kilogramm Käse mindestens 40 Franken, ein Kilogramm Kartoffeln 6 Franken. – Woher ihr Einkommen kam, ist wohl allen klar. 100 Prozent öffentliche Gelder.
Meiner Meinung nach gibt es auf der Welt nur zwei Player, welche die Welt im Griff haben. Die Ölindustrie, davon hängt fast alles ab. Weil da nur ein paar wenige sind, halten sie nach Absprache das Öl eher knapp und bestimmen den Preis. Und da sind noch die Bauern, die den Auftrag haben, für alle Leute erschwingliche Lebensmittel zu produzieren, denn davon ist jeder Mensch abhängig. Ohne Essen kein Leben. Und das ist nicht mehr in den Köpfen der europäischen Menschen. Leider auch vieler Schweizer.
Ich bin sicher, nach 14 Tagen leeren Gestellen in den Läden kämen die ewigen Lästerer gegen die Bauern bettelnd auf den Knien angekrochen für ein bisschen Milch, Kartoffeln oder Mehl. Ich bin aber auch überzeugt, dass gut betuchte Menschen einem finanziell ärme- ren Menschen die letzten zwei Liter Milch durch Überbieten vor der Nase wegschnappen würden. Das ist dann Marktwirtschaft oder den Reichen gehört die Welt. Angebot und Nachfrage.
Der Bauer kann auch ohne Öl überleben. Für sich allein kann er auch mit der Hacke noch Lebensmittel anbauen. Aber alle anderen Menschen müssten dann halt aus dem Leben scheiden. Die Folge davon ist, dass jeder Bauer dann plötzlich ganz viele Kollegen und Freunde hätte, die in der Scholle anpacken möchten – leider nur, bis die Gestelle wieder voll sind.
Also bitte mehr Respekt und Demut vor den Bauern.
Sepp Brülisauer, Alt-Käsemeister, Künten