Mehr Geld für Rathaus-Umbau
05.06.2026 Traditionen, BremgartenOrtsbürger sind sich einig
Traditionell als Aufgalopp für die Einwohner-«Gmeind» versammelt sich der Stadtrat schon einige Tage vorher im Rund der Ortsbürger. Deren Gemeindeversammlung war die erste unter der Leitung von Stephan Troxler. Dabei ...
Ortsbürger sind sich einig
Traditionell als Aufgalopp für die Einwohner-«Gmeind» versammelt sich der Stadtrat schon einige Tage vorher im Rund der Ortsbürger. Deren Gemeindeversammlung war die erste unter der Leitung von Stephan Troxler. Dabei wurde unter anderem ein Zusatzkredit für den Umbau des altehrwürdigen Rathauses abgesegnet. Die defizitäre Rechnung beunruhigte dagegen niemanden. --huy
Ortsbürger-«Gmeind» folgt dem Stadtrat bei sämtlichen Traktanden
71 Ortsbürger befanden diese Woche über acht Geschäfte. Diskussionen gab es kaum – dennoch wurde Wichtiges beschlossen. So kann etwa der Umbau des Rathauses Ende Jahr in Angriff genommen werden.
Marco Huwyler
Es war nicht irgendeine Gemeindeversammlung, der die Ortsbürger diesen Dienstagabend beiwohnten – es war die erste unter Vorsitz von Stephan Troxler. «Ich bin ziemlich nervös», gab dieser unumwunden zu. «Zum Glück habe ich von Doris Stöckli ein Kleeblatt erhalten.»
Eine nette Geste der ehemaligen Frau Vizeammann fürwahr. Und sie machte sich durchaus bezahlt. Denn der neue Bremgarter Stadtammann hatte bei seiner Premiere kaum Klippen zu umschiffen. Unangenehme Fragen oder Einwände der Stimmbürger blieben gänzlich aus. Und so dürfte der 2. Juni 2026 Stephan Troxler in angenehmer Erinnerung bleiben – wenngleich er die Versammlung ungewohnt blauäugig zu bestreiten hatte (vgl. «Rüsstüfeli»). So meisterte er die Gesprächsführung äusserst souverän und versetzte diese immer wieder mit wohltuendem Humor.
Büros werden optimiert
«Ich muss langsamer reden, sonst gibts noch zu früh Znacht», schmunzelte Troxler nach gut einer halben Stunde, während der man zügig durch die Traktanden gekommen war. Soeben hatten die Ortsbürger den Zusatzkredit von 122 000 Franken für die Raumoptimierung des Rathauses ohne Federlesen gutgeheissen. Damit dürfte sich die Arbeitssituation von Teilen der Verwaltung in den nächsten Jahren merklich verbessern. Sobald die Baubewilligung vorliegt, wird mit dem Umbau gestartet. Voraussichtlich noch in diesem Jahr.
Das im Jahr 1819 erbaute, 1912 ergänzte und 1973 erweiterte Gebäude im Herzen der Altstadt gehört den Ortsbürgern – welche dieses an die Einwohnergemeinde und das Bezirksgericht vermieten. Früher waren in den obersten beiden Stöcken Wohnungen. Seit einigen Jahren werden auch diese als Büros der städtischen Verwaltung genutzt. «Doch die Raumsituation ist dort wirklich suboptimal», wie Troxler am Dienstag nochmals bekräftigte. «Ich habe manchmal regelrecht ‹Verbarme› mit denen, die dort einquartiert sind.» Doch dies ändert sich nun. Insgesamt 357 000 Franken (gegenüber ursprünglich genehmigten 235 000 Franken) stehen nach dem Entscheid der Ortsbürger für Raumoptimierungen zur Verfügung. Dabei werden unter anderem Büros und Empfänge verschoben, Wände eingerissen, um grössere Räume zu schaffen, Wege verkürzt und ein neuer Gemeinschaftsraum im vierten Stock realisiert.
Die Kosten können von den Ortsbürgern zu 80 Prozent über einen höheren Mietzins an die Einwohnergemeinde überwälzt werden. Der Rest geht zulasten der Ortsbürgergemeinde. «Das entspricht der gängigen Mietpraxis», erklärte Troxler. Im Gegenzug stellen die räumlichen Optimierungen auch eine Aufwertung beziehungsweise einen Mehrwert der Liegenschaft dar.
Minus nicht beunruhigend
Das gilt nach den umfassenden und teuren Sanierungsarbeiten der letzten Jahre bekanntlich auch für die Liegenschaft der Marktgasse 33 (Metzgerei Stierli). Ein Projekt, das die Ortsbürger nach der Beendigung im Vorjahr an dieser «Gmeind» erneut beschäftigte – macht es sich doch markant in der Jahresrechnung bemerkbar.
So kommt der aussergewöhnlich hohe Verlust von 3,54 Millionen Franken durch eine Bewertungskorrektur des «Stierli-Hauses» zustande. Ohne diesen ausserordentlichen buchhalterischen Aufwand hätte die Jahresrechnung mit einem Gewinn von rund 957 000 Franken abgeschlossen. Die Ortsbürger zeigten sich entsprechend wenig beunruhigt vom dicken Minus und genehmigten den Abschluss ohne Gegenstimme.
Überraschungskonzert zum Schluss
Gleiches gilt im Übrigen für sämtliche Geschäfte eines harmonischen Abends, an dem die Ortsbürger mit Thomas Fisch und dessen zwei Söhnen auch drei Neue im Kreis der Ihren willkommen heissen durften. Sie taten dies vorbehaltslos zustimmend und unter warmem Applaus. Und noch bevor der neue Ortsbürger dem Rund kollektiv Cremeschnitten spendierte, kamen die Anwesenden gar noch in den Genuss eines Überraschungskonzerts.
Die Bremgarter Kantorei mit Leiterin Heinrika Rimann Beltrán bedankte sich auf diesem Weg dafür, dass die Ortsbürger den Chor vor dem Musiktheater am kommenden Wochenende bereits vor der Gemeindeversammlung das Casino nach seinen Bedürfnissen einrichten lassen liessen. Ein stimmiger Abschluss für Troxlers Premiere.
Die Geschäfte
Die Ortsbürger genehmigen am 2. Juni folgende Traktanden: Protokoll, Rechenschaftsbericht, Rechnung Ortsbürgergemeinde, Rechnung Forstbetrieb Wagenrain, Rechnung Holzhandelsbetrieb Wagenrain, Zusatzkredit Rathaus, Aufnahme Thomas Fisch und Söhne ins Bremgarter Ortsbürgerrecht. Die Beschlüsse sind noch nicht abschliessend. Sämtliche Geschäfte unterliegen dem fakultativen Referendum. --huy



