«Lunzi» ist zurück auf der Bühne
14.08.2026 Wohlen, Kommende Events, KunstPhilipp Galizia ist wieder mit «Am Seil abelo» unterwegs – am 18. und 19. September im Sternensaal
Es war sein allererstes Solostück. Nun kehrt der Murianer Kleinkünstler Philipp Galizia mit «Am Seil abelo» auf die Bühnen ...
Philipp Galizia ist wieder mit «Am Seil abelo» unterwegs – am 18. und 19. September im Sternensaal
Es war sein allererstes Solostück. Nun kehrt der Murianer Kleinkünstler Philipp Galizia mit «Am Seil abelo» auf die Bühnen zurück – mit Christian Roffler am Piano. Die Idee dazu hatte Galizia schon vor mehreren Jahren. Nun wird sie Realität.
Annemarie Keusch
«Lunzi» ist nicht mehr alleine. Der Totengräber, dessen Geschichte in «Am Seil abelo» im Zentrum steht. Er, der auch einmal bei einem üppigen Grab ein Bouquet entfernte und dieses auf ein eher tristes Grab stellte. Eben dieser Lunzi ist tot und Philipp Galizia setzt sich in seinem ersten Soloprogramm mit seinem Kontrabass an jenen Platz in der Beiz, wo «Lunzi» jeweils gesessen hat. Und er erzählt seine Geschichten. Jene des knorrigen, verschmitzten, gutmütigen und wortkargen Totengräbers. Galizia und «Lunzi» eroberten 2002 die Kleinkunstbühnen des Landes. Und nun sind sie zurück. Mit Christian Roffler am Piano und damit mit einem arbeitslosen Kirchenorganisten. «Ihnen geht die Arbeit aus. Ihre Auftritte sind selten ausverkauft», sagt Galizia dazu.
Gegen 25 Jahre sind vergangen, seit Philipp Galizia mit «Am Seil abelo» Premiere feierte. Angesprochen auf Erinnerungen, sagt er: «Ich hatte Angst, war das erste Mal einen ganzen Abend allein auf der Bühne.» Es war aber auch der Moment, der für ihn den künstlerischen Durchbruch bedeutete. Seither ist er Stammgast auf den Kleinkunstbühnen im ganzen Land.
Auswendig konnte er es immer noch
Nun nimmt Philipp Galizia «Am Seil abelo» wieder auf. «Vieles kann ich immer noch auswendig», sagt er und lacht. Das Auswendiglernen sei für ihn jeweils eine grosse Herausforderung. «Aber wenn es gespeichert ist, dann so richtig.» Die Idee, den Erstling wieder aufzuführen, ist dabei nicht neu. Während der Pandemie wars, als er sich mit Christian Roffler daran wagte. «Mit dem neuen Programm geriet das etwas in Vergessenheit.» Nun habe er grosse Lust, es zu wagen. Was nicht heisst, dass das neue Programm «öppeneso» nicht gut läuft. «Im Gegenteil, wir dürfen an vielen neuen Orten auftreten.» «Am Seil abelo» soll eine Ergänzung sein.
Eine, die Philipp Galizia viel bedeutet. «Es ist das Stück, das ich am meisten gespielt habe, das am meisten in Erinnerung geblieben ist.» Bei ihm, aber auch beim Publikum. Ob es auch das beste seiner bisherigen Soloprogramme war? «Das würde ich nie zugeben, ist aber wohl so», sagt der Murianer und lacht. Das erste Stück. «Ich habe alles reingehauen. Da ist ganz viel von mir drin.» Zu verdanken habe er den Erfolg unter anderem auch Adrian Meyer, der das Stück schrieb und Regie führte. Meyer war es auch, der Galizias unkonkrete Pläne, mit einem Soloprogramm aufzutreten, sofort aufnahm. «Alles Weitere passierte dann einfach», erzählt Galizia. Vorher war er viele Jahre in verschiedenen Formationen unterwegs. Meyer ist übrigens auch bei der Neuauflage als Regisseur involviert.
Nostalgie und Erinnerungen
Natürlich hat sich über die gut zwei Jahrzehnte einiges verändert. «Vor allem die Erfahrung», sagt Philipp Galizia. Etwas sei aber gleich geblieben: die Herausforderung des Erzählens, «dass möglichst das ganze Publikum mitfliegt». Aber auch darin hat Galizia mittlerweile viel Erfahrung. «Ich mache das mittlerweile 35 Jahre lang. Vielleicht gar 60 Jahre lang, weil ich den Clown spiele, seit ich auf der Welt bin.» Viel verändert habe er an der Geschichte von «Am Seil abelo» nicht. «Wenn eine Geschichte gut ist, dann ist sie zeitlos.» Zumal das Publikum dies wohl auch so erwartet. «Es gibt sicher einige Leute, bei denen Nostalgie mitschwingt und bei denen Erinnerungen wach werden. Bei mir ist dem nicht unbedingt so. Auf der Bühne habe ich auch gar keine Zeit für nostalgische Momente, schliesslich will ich abliefern und überzeugen.»
Dass dies gelingen wird, da bestehen kaum Zweifel. Im Gnadenthal hat Galizia «Am Seil abelo» vor wenigen Monaten erstmals wieder aufgeführt. «Die Begeisterung war gross. Natürlich hat mich das gefreut und durchaus auch stolz gemacht. Es ist nach wie vor ein tolles Werk.» Nun freut sich Galizia auf die Auftritte im Wohler Sternensaal, «meinem Urmutter-Haus». Weitere Stationen sind bereits fixiert – unter anderem im Kellertheater in Bremgarten. Parallel ist Galizia natürlich immer noch mit «öppeneso» unterwegs. Quasi doppelspurig, also.
Der Vorverkauf für die zwei Aufführungen von Philipp Galizias «Am Seil abelo» im Wohler Sternensaal beginnt am Montag, 17. August.

