Lösungen statt Angstparolen
29.05.2026 Bremgarten, LeserbriefeDie sogenannte «10-Millionen-Initiative» der SVP verkauft eine einfache Parole als Lösung für komplexe Probleme. Gerade im Aargau zeigt sich jedoch, dass sich unsere Herausforderungen nicht mit Abschottung und Angstmacherei lösen lassen. Unternehmen, Spitäler und ...
Die sogenannte «10-Millionen-Initiative» der SVP verkauft eine einfache Parole als Lösung für komplexe Probleme. Gerade im Aargau zeigt sich jedoch, dass sich unsere Herausforderungen nicht mit Abschottung und Angstmacherei lösen lassen. Unternehmen, Spitäler und Pflegeheime suchen schon heute dringend Fachkräfte, während gleichzeitig der Druck auf Verkehr, Wohnraum und Schulen wächst. Diese Probleme löst man nicht mit Schlagworten, sondern mit verantwortungsvoller und nachhaltiger Politik.
Ja, die Schweiz wächst. Ja, das bringt Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig steht unser Land aber auch vor einer grossen demografischen Entwicklung. Die Gesellschaft wird älter, viele Menschen gehen in Pension, und in zahlreichen Berufen fehlen schon heute Arbeitskräfte. Ohne Zuwanderung würden viele Bereiche unseres Alltags kaum mehr funktionieren.
Eine Gesellschaft, die wächst, ist zudem meist auch eine erfolgreiche und wirtschaftlich starke Gesellschaft. Regionen, die stagnieren oder Bevölkerung verlieren, kämpfen oft mit Fachkräftemangel, wirtschaftlichem Rückgang und sinkendem Wohlstand. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Wachstum stattfindet, sondern, wie man es politisch gestaltet.
Die SVP spricht gerne von Zahlen und Obergrenzen. Dabei vergisst sie, dass hinter diesen Zahlen Menschen stehen – Familien und Arbeitskräfte, die unsere Gesellschaft mittragen. Wer sie nur als Belastung darstellt, wird der Realität nicht gerecht.
Steigende Mieten, volle Züge oder belastete Schulen entstehen nicht einfach wegen «den Ausländern». Es wurde auch zu lange zu wenig in bezahlbaren Wohnraum, Infrastruktur, Bildung und gute Arbeitsbedingungen investiert. Der Markt allein regelt diese Herausforderungen nicht. Es braucht eine aktive Politik, die gestaltet und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Gleichzeitig müssen Politik und Wirtschaft wieder stärker in die Ausbildung eigener Fachkräfte investieren, statt sich einfach auf bereits ausgebildetes Personal aus dem Ausland zu verlassen.
Besonders widersprüchlich wirkt die Haltung der SVP auch im Aargau. Einerseits schürt sie Ängste vor der Zuwanderung, andererseits bekämpft sie oft genau jene Investitionen, die den Druck im Alltag reduzieren würden – etwa beim öffentlichen Verkehr oder beim bezahlbaren Wohnraum.
Die Schweiz war immer dann stark, wenn sie pragmatisch, offen und solidarisch handelte. Probleme müssen gelöst werden – mit Investitionen, fairen Regeln und Zusammenhalt. Nicht mit populistischen Scheinlösungen.
Stefan Dietrich, SP-Grossrat, Bremgarten
