Lauter Migros-Kinder
03.04.2024 WohlenÜber 100 Jahre für die Migros
Brigitte Schalch arbeitete 49 Jahre für die Migros. Begonnen hat sie in der Filiale in Bremgarten. Dort lernte sie auch ihren Mann Urs kennen. Und dort machte ihr Sohn Sandro später die Lehre. Heute hat die Wohler Familie ...
Über 100 Jahre für die Migros
Brigitte Schalch arbeitete 49 Jahre für die Migros. Begonnen hat sie in der Filiale in Bremgarten. Dort lernte sie auch ihren Mann Urs kennen. Und dort machte ihr Sohn Sandro später die Lehre. Heute hat die Wohler Familie Schalch über 100 Jahre bei der Migros gearbeitet. Sie erzählt ihre aussergewöhnliche Geschichte. --spr
Die Familie Schalch hat gemeinsam über 100 Jahre bei der Migros gearbeitet – es werden noch mehr
Sandro Schalch ist Leiter einer Migrosfiliale. Auch seine Frau, seine Mutter, sein Vater und seine Tante haben für die Migros gearbeitet. Zusammengezählt über 100 Jahre lang. Die aussergewöhnliche Geschichte der Wohler Familie Schalch handelt von ganz viel Liebe und Treue.
Stefan Sprenger
1. April 1975. Der erste Arbeitstag liegt 49 Jahre zurück. Brigitte Schalch begann in der Migros in Bremgarten. An ihrem ersten Tag hat sie Bananen aufgehängt. Die Wochen-Aktionen lernte sie jeweils auswendig. Und später, als sie an der Kasse arbeitete, schenkte sie den Kunden immer ein Lächeln. «An der Kasse ist man der letzte Eindruck, den man von der Migros hat. Und ich wollte immer, dass der gut ist», sagt Brigitte Schalch, die ledig Etterlin hiess und in Oberlunkhofen aufwuchs.
Doppelt verliebt in der Migros
Zwei Jahre später – 1977 – wollte sie ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen. Ein junger, schlanker stellvertretender Filialleiter hatte seinen ersten Arbeitstag. Urs Schalch aus Wohlen. Von Anfang an haben sich die beiden gemocht, später verliebt – und 1980 in Wohlen geheiratet. Ein Jahr später wechselt sie ihren Arbeitsplatz, aber nicht ihren Arbeitgeber. Von Bremgarten geht es in die Migrosfiliale nach Wohlen.
Die Geschichte beginnt erst. Und sie wird nur noch besser. Brigitte Schalch sitzt in ihrem Zuhause an der Turmstrasse in Wohlen und erzählt alles. Die 64-Jährige ist mittlerweile pensioniert. Nach 49 Jahren bei der Migros, 42 Jahre davon in Wohlen. Sie wurde ein bekanntes Gesicht des orangen Riesen in der Freiämter Metropole. Sie winkt bescheiden ab: «Ach was.»
Ihr Sohn Sandro sitzt ebenfalls am Tisch. 1989 wurde er geboren. Bei ihm und seinem älteren Bruder Pascal stellte sich gar nie die Frage, ob sie ein Migros- oder Coop-Kind sind. «Es war klar», sagt Sandro. Als er mit 16 Jahren in die Berufswelt einstieg, schnupperte er zuerst im kaufmännischen Bereich, dann im Volg in Fischbach-Göslikon. Dort arbeitete seine Tante Lydia Koch. «Sie ist mittlerweile auch seit bald 14 Jahren in der Migros in Wohlen», erzählt Brigitte Schalch. Sandro absolvierte noch eine dritte Schnupperlehre: in der Migros Bremgarten. Und – wie könnte es anders sein – er machte dort die dreijährige Lehre zum Detailhandelsfachmann. Danach wechselte er ebenfalls nach Wohlen. Eine kurze Zeit lang arbeitete er gemeinsam mit Mutter und Tante in derselben Filiale. «Wenn man das so erzählt, klingt das doch sehr aussergewöhnlich», sagt Sandro Schalch lachend.
Doch die Treue zum «M», zum orangen Riesen, zur Migros, sie geht noch weiter – und sie hat noch weitere Geschichten bereit. Vater Urs arbeitete damals fast 20 Jahre lang für die Migros, ehe er in die Logistikbranche wechselte. Heute ist der 67-Jährige pensioniert. Urs sitzt zu Hause nicht am Tisch, er kümmert sich um die Enkeltochter. Auch sie ist ein Migroskind. Um das zu erklären, muss Sandro etwas ausholen. Nach seiner Zeit in Wohlen machte er die Ausbildung zum Detailhandelsspezialisten, wurde stellvertretender Marktleiter der Migros Mutschellen, dann Filialleiter der Migros Fahrwangen, später war er noch in Aarau und Suhr.
Sie hat auch die Coop-Supercard
Heute ist er Filialleiter der Migros in Schönenwerd. Bei den internen Weiterbildungen lernte er Janina kennen. Immer wieder haben sie sich gesehen, irgendwann verliebt. 2017 kamen sie zusammen. 2021 kam ihre Tochter zur Welt. Janina arbeitet heute noch bei der Migros. Übrigens: Auch die Mutter seiner Frau arbeitete fast ihr ganzes Berufsleben bei der Migros. Und seine Frau Janina machte die Lehre beim Coop, ehe sie zur Migros wechselte.
Brigitte Schalch sitzt stolz am Tisch: «Die Migros ist für uns mehr als ein Laden.» Auch wenn sie pensioniert ist, macht sie nach wie vor die Ferienvertretungen in Wohlen. War sie auch mal im Coop einkaufen? Sie muss laut lachen. «Ja, ich habe sogar die Coop-Supercard. Man muss ja wissen, was die Konkurrenz so treibt.» Sandro – mittlerweile auch 19 Jahre bei der Migros – sagt trocken: «Ich gehe nur in den Coop, wenn ich Bier kaufe.»
Bruder ist nicht bei der Migros: «Wir mögen ihn trotzdem»
Bei der Familie Schalch war einzig Pascal kein Migros-Mitarbeiter. Er machte eine Lehre zum Sanitärinstallateur und arbeitet heute als stellvertretender Bereichsleiter Wasserversorgung bei der IB Wohlen AG. «Wir mögen ihn trotzdem», sagt sein Bruder lachend.
Sandro – in Waltenschwil zu Hause – und Pascal – in Uezwil wohnhaft – teilen mit ihren Eltern eine weitere Leidenschaft: das Laufen. Urs Schalch war einst Präsident der Läuferriege Wohlen. Bei den Vereinsläufen steckt Vater Urs heute noch die Strecke ab, Mutter Brigitte macht die Zeitmessung – und die Söhne rennen mit.
Ebenfalls erwähnenswert sind die familiären Umstände von Urs und Brigitte Schalch. Er hat insgesamt sieben Geschwister, sie elf. Und nun sind sie mittlerweile vierfache Grosseltern. «Bald fünf», sagt Sandro Schalch happy. Im Sommer wird er erneut Vater. «Und weil die Migros solch ein guter Arbeitgeber ist, kriege ich vier Wochen Vaterschaftsurlaub», sagt er. Was wird es? Ein Junge oder ein Mädchen? Sandro Schalch sagt lachend: «Ein Migroskind.»