Kurze Wege für hiesigen Aushub
16.01.2026 Thema, Region OberfreiamtDeponie Höll: Der Gestaltungsplan liegt öffentlich auf – Thema ist auch Schützenswertes aus längst vergangenen Zeiten
Das unverschmutzte Aushubmaterial aus dem Freiamt in der Region deponieren können. Zu diesem Ziel soll die Deponie ...
Deponie Höll: Der Gestaltungsplan liegt öffentlich auf – Thema ist auch Schützenswertes aus längst vergangenen Zeiten
Das unverschmutzte Aushubmaterial aus dem Freiamt in der Region deponieren können. Zu diesem Ziel soll die Deponie Höll auf Gemeindegebiet von Boswil und Kallern kurz- bis mittelfristig beitragen. Aktuell liegt der Gestaltungsplan öffentlich auf.
Thomas Stöckli
Über einen Zeitraum von 15 Jahren sollen im Gebiet «Höll», bei der Kartbahn Wohlen, jenseits der Kantonsstrasse, knapp 2 Millionen Kubikmeter an unverschmutztem Aushubmaterial fest in die Landschaft eingebaut werden. Die Rede ist von natürlichem Erdmaterial, Lockergestein und gebrochenem Felsmaterial. «Also einfach Erde, die auf hiesigen Baustellen beim Aushub anfällt», veranschaulicht das Planungsbüro Ilu AG in Horw auf Nachfrage.
Was spricht für den Standort? «Sein geringes übergeordnetes Konfliktpotenzial», heisst es beim Planungsbüro. Gemeint sind etwa die erwarteten Auswirkungen auf den Wald und das Grundwasser. Eine Rolle spielt sicher auch die unkomplizierte verkehrstechnische Erschliessung. Die ist im Gebiet Höll insofern gut, dass die Zufahrten direkt ab der Kantonsstrasse – hier ist auch noch Waltenschwil betroffen – erfolgen können, ohne durch bewohntes Gebiet zu führen. Die Höllstrasse und die Wissenbächli-Querung sollen dazu deponieseitig temporär ausgebaut werden.
Deponieraum ist Mangelware
Normalerweise füllt man mit sauberem Aushub dort auf, wo zuvor Kies abgebaut wurde. Da es in der Region aufgrund der geologischen Gegebenheiten an Kiesgruben mangelt, ist Deponieraum gefragt. Aktuell deckt die Deponie Babilon in Dietwil den akuten lokalen Bedarf. Ab 2027 fehlen im Freiamt allerdings Deponieflächen für rund eine halbe Million Kubikmeter pro Jahr, vor allem in den Teilregionen mittleres und unteres Freiamt, heisst es im Planungsbericht Gestaltungsplan. Die Bedarfsberechnung basiert auf einem kantonalen Richtwert von 3,79 m3 pro Einwohner. Die Deponie Typ A «Höll» soll diese jährlichen Fehlmengen um rund 130 000 m3 reduzieren. Möglich wäre auch deutlich mehr, durch die «moderate Ablagerungsrate» soll erreicht werden, dass vorrangig Aushub aus der Region angeliefert wird. Die Rede ist in diesem Zusammenhang von über 85 Prozent aus dem Freiamt.
Das Projekt sieht vor, fertig aufgefüllte Teilbereiche laufend zu rekultivieren, zu landwirtschaftlicher Nutzfläche, Wald und ökologischen Ausgleichsflächen. In letztere Kategorie fallen Hecken und Krautsäume, aber auch Einzelbäume und Stillgewässer. Der Anteil dieser Ausgleichsflächen ist mit 10,5 Prozent des Ablagerungsperimeters definiert. Darüber hinaus soll der Heuelbach ökologisch aufgewertet und sein Lauf leicht angepasst werden. Die Teiländerung des Kulturlandplans (Deponiezone) und die Ergänzungen der BNO wurden in Kallern und Boswil an der Winter-«Gmeind» 2022 beschlossen, mit Gestaltungsplanpflicht. Der Regierungsrat hat die Zonengenehmigungen Ende 2023 gutgeheissen.
Von überregionalem Interesse
Das Interesse an der öffentlichen Auflage sei bisher überschaubar, teilen Roger Rehmann, Gemeindeschreiber von Boswil, und Bernhard Koch, Gemeinderat in Kallern, auf Anfrage übereinstimmend mit. «Für unsere Einwohnerinnen und Einwohner ist das Thema auch nicht neu, da wir ja an der Gemeindeversammlung im Winter 2022 über die Änderung des Nutzungsplanes und der Nutzungsordnung abgestimmt haben und der Gemeinderat schon früh über dieses Projekt informiert hat», so Koch weiter. «Die direkt Betroffenen konnten sich schon in der Mitwirkungsphase zum Gestaltungsplan einbringen. Der Bericht zu dieser Phase ist Teil der Auflage.»
«Die Gemeinde Kallern bietet Hand zu diesem Projekt, da wir damit einen Beitrag zu einem überregionalen Interesse leisten können», sagt Bernhard Koch, wobei sich die Gemeinde Boswil seinen Aussagen vollumfänglich anschliesst: «Das Wachstum in unserer Region löst Bautätigkeiten aus und diese wiederum rufen nach gut erreichbaren Deponiestrukturen.» Die üblichen Hürden für solche Projekte seien in den entsprechenden Berichten der Auflage aufgeführt, etwa Verkehr, Erschliessung, Geländemodellierung, ökologische Ersatzmassnahmen. «Wir stellen fest, dass die Initianten und die Planer diese Hürden ernst nehmen und in ihrer Planung praktikable Lösungen aufzeigen», so Koch.
Nach aktueller Planung könnte der Deponiebetrieb ab 2027 mit den Einrichtungsarbeiten starten, heisst es beim Planungsbüro Ilu AG. In einer ersten Phase ist dann vorgesehen, entlang der Kantonsstrasse eine Böschung aufzubauen. Diese «Initialschüttung» dient nicht zuletzt dazu, Ablenkung der Verkehrsteilnehmenden auf der Kantonsstrasse zu vermeiden. Anschliessend soll die Deponie grundsätzlich von Süden gegen Norden gefüllt werden, zuletzt in einer Schlaufe zurück zum befestigten Platz der Deponieinfrastruktur. Die mittlere Schütthöhe soll 16 Meter betragen, das Maximum 23 Meter.
Spuren aus alten Zeiten
Eine besondere Herausforderung werden im Deponiebetrieb die archäologischen Fundstellen sein, von denen im Planungsgebiet gleich mehrere aktenkundig sind. Parallel zur Kantonsstrasse und im Bereich südwestlich davon sind demnach prähistorische Befunde zu erwarten. In diesem Bereich wird vor der Aufschüttung entsprechend nur der Oberbodenhorizont abgetragen. Muss aus umweltrechtlichen Gründen zusätzliches Material entfernt werden, darf dies nur unter enger Begleitung durch die Kantonsarchäologie sowie die bodenkundliche Baubegleitung erfolgen. Die verbleibenden Bodenschichten werden zum Schutz der archäologischen Hinterlassenschaften nicht abgetragen. Einzig Entwässerungsmassnahmen können unter enger Begleitung ausgeführt werden. Bodensonden sollen hier zudem laufend Daten zu den Auswirkungen auf die archäologischen Hinterlassenschaften liefern, etwa bezüglich Druck und Nässe.
Beidseitig des Wissenbächli haben zudem die alten Römer ihre Spuren hinterlassen. Deren Gebäudestrukturen nordwestlich des Bachlaufs scheinen so gut erhalten zu sein, dass der Bereich weder überdeckt noch mit schweren Maschinen befahren werden darf. Zusätzlich wird auf das Anlegen temporärer Bodendepots in dieser Zone verzichtet. Römische Gebäudestrukturen sind auch südwestlich des Wissenbächleins zu erwarten. Die Deponieinfrastruktur wurde extra so gelegt, dass sie diesen Bereich nicht tangiert. Bis es hier zu Schüttungen kommt, verbleiben gemäss Etappenplanung mindestens zehn Deponiebetriebsjahre. Diese Zeit soll für eine fachgerechte archäologische Untersuchung genutzt werden.
Der Planungsbericht Gestaltungsplan liegt auf der Gemeindeverwaltung Boswil und der Bauverwaltung Kallern noch bis am 9. Februar öffentlich auf, Kallern stellte die Dokumente zudem auf der Website zum Download bereit. Einwendungen bezüglich schutzwürdigen eigenen Interesses sind in dieser Frist schriftlich beim jeweiligen Gemeinderat einzureichen – mit Antrag und Begründung.

