Klares Ja zur Sanierung
15.05.2026 Jonen, KelleramtGemeindeversammlung Jonen spricht 7,4 Millionen Franken für Gemeindehaus und Mehrzweckhalle
Die «Gmeind» in Jonen hat sämtliche Geschäfte von Einwohnerund Ortsbürgergemeinde deutlich angenommen. Mobilisiert hat ein grosses ...
Gemeindeversammlung Jonen spricht 7,4 Millionen Franken für Gemeindehaus und Mehrzweckhalle
Die «Gmeind» in Jonen hat sämtliche Geschäfte von Einwohnerund Ortsbürgergemeinde deutlich angenommen. Mobilisiert hat ein grosses Investitionsvorhaben, zu reden geben auch ein Gestaltungsplan und eine Wortmeldung unter «Verschiedenes».
Thomas Stöckli
Nichts mit Schonfrist: Franz Odermatt präsentiert bei seinem ersten Auftritt als Gemeinderat an der «Gmeind» Jonen gleich das Hauptgeschäft. Und das vor über 150 Leuten, die sich im Säntissaal drängen. «Das Projekt ist für Jonen wegweisend für die nächsten 30, 40 Jahre», schickt er seinen Ausführungen vorweg. «Und aus Sicht des Gemeinderats ist es notwendig.»
Werterhalt für Jahrzehnte
Gemeint ist die Sanierung des 44-jährigen Gebäudekomplexes von Mehrzweckhalle und Gemeindehaus. Seinerzeit ein weitsichtiges Projekt, mit Strahlkraft über das Dorf hinaus, entspricht es energetisch längst nicht mehr den aktuellen Ansprüchen. Darüber hinaus sind die Räume spürbar in die Jahre gekommen und die Ansprüche haben sich geändert. In der Verwaltung ist der Bedarf an Schalterfläche rückläufig, dafür mehr Büro-Arbeitsplatz gefragt, der unter dem Dach entstehen soll. Bei der Turnhalle reicht derweil der Geräteraum nicht mehr, weshalb hier erweitert wird. Dem Gemeinderat sei es ein Anliegen, das «markante Bauensemble» zu erhalten, so Odermatt. Von einer Sanierung verspreche man sich einen Werterhalt für weitere 30, 40 Jahre, hält er fest. «Ein Neubau wäre teurer und auch ökologisch nicht sinnvoll.»
Die Argumentation und der Zuspruch von Vereinsseite vermögen offenbar zu überzeugen: «Mit Freude», so Gemeindeammann Philipp Ackermann, stelle er fest, dass der Verpflichtungskredit von 7,39 Millionen Franken mit 140 Ja- zu 0 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen genehmigt sei. Bereits im November 2024 wurden für die Projektierung 480 000 Franken gesprochen. Die totalen Kosten betragen demnach 7,87 Millionen Franken.
Zusammenarbeit in der Region
Zwei Stimmen fehlten zum totalen Konsens. Zu den Enthaltungen hat in der Diskussion Ex-Fiko-Präsident Daniel Lang aufgerufen. Nicht, um das Projekt zu verhindern, sondern, um ein Zeichen zu setzen, wie er sagte. Die Post und die Raiffeisenbank haben ihre Filialen bereits aufgelöst, so die Argumentation, die Verwaltung werde vor Ort künftig auch nicht mehr denselben Raumbedarf haben. In Zeiten von Fachkräftemangel, zunehmender Komplexität und digitaler Transformierung müsse man vieles nicht mehr kommunal denken, sondern auf Ebene Kelleramt. «Es geht nicht um Fusionieren», stellte Lang klar, «sondern darum, Kompetenzzentren zu schaffen.» In diesem Zusammenhang forderte er den Gemeinderat auf, stärker mit den Nachbargemeinden ins Gespräch zu gehen und lösungsorientiert in die Zukunft zu blicken.
«Wir pflegen unter den Gemeinden im Kelleramt bereits einen intensiven Austausch», versicherte Ackermann: «Es gibt schon verschiedene Zusammenarbeiten.» Gleichzeitig setze sich der Gemeinderat dafür ein, dass wichtige Service-Dienstleistungen nicht in weit entfernte Gemeinden ausgelagert werden.
Sanierung ab Frühling 2027
Der weitere Zeitplan sieht nun vor, mit dem Baubewilligungsverfahren und den Ausschreibungen zu beginnen. Im Winter sollen die Provisorien erstellt werden. Die Gemeindeverwaltung wird während der Bauzeit im Säntissaal einquartiert, für den Turnbetrieb sieht die Planung vor, die Auslastung der Pilatus-Halle zu optimieren und über dem «Roten Platz» ein Zeltdach zu errichten. Die Sanierungsarbeiten sollen dann im Frühling 2027 beginnen, im Falle der Mehrzweckhalle für ein halbes Jahr, beim Gemeindehaus für ein ganzes. Entsprechend dürfte das Gesamtprojekt dann im Sommer 2028 abgeschlossen sein.
Die Beschlüsse
An der Joner Einwohnergemeindeversammlung haben 142 von total 1566 Stimmberechtigten teilgenommen, was einer Quote von 8,9 Prozent entspricht. Sämtliche Geschäfte wurden deutlich angenommen, vom Protokoll über den Rechenschaftsbericht und die Jahresrechnung, die mit einem Ertragsüberschuss von knapp 350 000 Franken abschliesst. Weiter sagten die Joner Ja zur Sanierung von Mehrzweckhalle und Gemeindehaus für 7,4 Mio. Franken und zur Einbürgerung von Ramadan Djeladini. Vorgängig hielten die Ortsbürger ihre Versammlung ab. Von 191 Stimmberechtigten waren 54 dabei – stolze 28,3 Prozent. Sie hiessen das Protokoll, den Rechenschaftsbericht und die Jahresrechnung einstimmig und rechtsgültig gut. Philipp Ackermann machte auf das Ortsbürgerfest aufmerksam, das am 16. August bei der Waldhütte gefeiert wird. --tst
Verzögerung «Im Feld»
Gestaltungsplan nicht genehmigungsfähig
Im Rahmen der Ortsbürgergemeinde orientierte Gemeindeammann Philipp Ackermann über den Stand der Dinge bezüglich Gestaltungsplan «Im Feld, Teilgebiet Nordost». Diesem habe der Kanton – obwohl selbst bei der Erarbeitung involviert – inzwischen die Unterstützung entzogen. In der vorliegenden Form gelte dieser als nicht mehr genehmigungsfähig, so der Gemeindeammann. Hauptkritikpunkt sei die Gebäudelänge in der Achse der Kantonsstrasse.
Offen ist nun, ob der Gestaltungsplan angepasst oder ein komplett neues Projekt erarbeitet werde. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie sei inzwischen in Arbeit. Eine Option könnte auch sein, das Planungsgebiet aufzuteilen, um zumindest einen Teil bereits umsetzen zu können. «Wir haben allerdings noch keine Zusage des Kantons, ob so eine Aufteilung überhaupt möglich ist», so Ackermann. Wie auch immer: «Das wird uns sicher noch einige Jahre beschäftigen.» --tst
Auto abgeschleppt
Böse Überraschung nach Beerdigung
Unter «Verschiedenes» verlangte Alt-Gemeindeschreiber Arnold Huber an der Einwohner-«Gmeind» das Wort. Er berichtete, wie während einer Abdankung das Auto von Trauergästen abgeschleppt wurde – ins 38 km entfernte Dietlikon. «Wo bleibt in einer solchen Situation das Augenmass?», fragt er. «Wo bleiben Ethik und gesunder Menschenverstand – grad bei Beerdigungen?» Solche Aktionen empfinde er als schädigend für das Image der Gemeinde. Entsprechend bittet er den Gemeinderat, bei der Repol Bremgarten eine Begründung einzufordern, wie ein solcher Einsatz im Zusammenhang mit einer Beerdigung begründet werde und ob dieses Vorgehen dem Verständnis von Verhältnismässigkeit und dem öffentlichen Auftrag der Polizei entspreche. «Bei mir bleibt Kopfschütteln zurück», so Huber. Der Parkplatz-Engpass sei bekannt, bestätigte Ackermann und versprach, dass der Gemeinderat die gewünschten Abklärungen vornehmen werde. --tst

