Kerzen, Pilz und Rap
27.05.2026 Wohlen, Musik, Kommende EventsJan Seven Dettwyler gibt am Wochenende zwei Konzerte an einem für ihn ganz aussergewöhnlichen Ort in Wohlen
Die «Acoustic Stories 2»-Tour wäre ja schon genug speziell. Ein Heimspiel sowieso. Doch die Rückkehr in die Bleichi ist für Jan ...
Jan Seven Dettwyler gibt am Wochenende zwei Konzerte an einem für ihn ganz aussergewöhnlichen Ort in Wohlen
Die «Acoustic Stories 2»-Tour wäre ja schon genug speziell. Ein Heimspiel sowieso. Doch die Rückkehr in die Bleichi ist für Jan Seven Dettwyler einzigartig. «Da kommt ganz viel hoch», sagt der 47-Jährige – und erzählt richtig tolle Geschichten.
Stefan Sprenger
Mitte der 90er-Jahre. Jan Dettwyler, zarte 16 Jahre jung, wartet am Bahnhof in Wohlen, um einen Rap-Star abzuholen. Der Deutsche Samy Deluxe fährt ein. Er ist zwar nur ein Jahr älter, ist sich aber von seinen sonstigen Auftritten andere Umstände gewohnt. «Du bist ja noch ein Kind?», war seine erste Reaktion, als er Jan Dettwyler sah.
«Gesessen mit geschlossenen Augen»
Heute – rund drei Jahrzehnte später – ist Jan Seven Dettwyler selbst ein Star in der Musikwelt und erzählt, dass Samy Deluxe damals auf dem Sofa in seinem Elternhaus geschlafen hat. «Wir kamen irgendwann nach Hause, als die Vögel schon zwitscherten. Gepennt haben wir eigentlich nicht, wir sind mehr gesessen mit geschlossenen Augen», erinnert sich der Wohler lachend zurück.
Ein Los gezogen, wer bei wem pennt
Der Grund, wieso er Samy Deluxe am Wohler Bahnhof abholte und dieser danach bei ihm übernachtete, war eine Rap-Party namens «check your head», die in der Wohler Bleichi stattfand. Ein paar Kumpels organisierten jene Hip-Hop-Partys in den 90er-Jahren mehrfach. Konzerte, Breakdance und Sprayen. Zu den Organisatoren zählten Oliver Meier oder Gaston Perroud, die gemeinsam die Rap-Gruppe «Microphonik» bildeten. Und: Jan Dettwyler. «Das waren geile und einmalige Zeiten», sagt er rückblickend. Und es kamen namhafte Rap-Grössen nach Wohlen in die Bleichi. Doppelkopf, Dendemann, Einszwo, Samy Deluxe (alle aus Deutschland)– und ganz viele Schweizer Künstler. «Wir haben jeweils ein Los gezogen, wer bei wem zu Hause pennen kann», sagt Dettwyler. Und er zog Samy Deluxe. Ihm begegnete er 2016 bei «Sing meinen Song» Deutschland wieder. «Er wusste noch genau, wer ich bin», sagt Dettwyler. Auch Samy Deluxe betitelte jenes Konzert und die Begebenheiten in Wohlen als «geile Zeiten».
«Mach. Probier. Lebe.»
Jene Organisation der Konzerte, jene Begegnungen mit den Musikern, jene ersten Erfahrungen, «das waren alles ganz viele wichtige erste Momente in meinem Leben. Dort wurde ich zum Unternehmer, da ist Seven entstanden.» Und er hat auch seine Superkraft entdeckt. Dettwyler erklärt: «Mach einfach. Ausprobieren. Perfektionieren. Der Weg ist das Ziel. Wenn dir Steine in den Weg geleget werden, dann kann man sie sich auch zunutze machen. Die Quintessenz: Hab Freude an dem, was du tust. Hab keine Angst. Mach. Probier. Lebe.»
Diese wertvollen Erfahrungen von damals, die ihn prägten, sind alle an die Bleichi geknüpft. An den Ort, wo diese Rap-Partys stattfanden. Nun kehrt Jan Seven Dettwyler nach drei Jahrzehnten zurück an diese Location. Erstmals tritt er selbst auf, im Kulturwerk Bleichi. «Ich war nach dem Umbau da und habe den Ort besichtigt. Es ist fantastisch», sagt er.
Als Kind ging er dort zum Kerzenziehen, später mit der Familie zum Pilzessen (obwohl er Pilze nicht mag) und er organisierte dort Hip-Hop-Partys. Er lernte in der Bleichi auch DJ Flink kennen, der mit ihm heute noch auf Tour geht und zu seinen besten Kumpels zählt. An diesem Freitag (noch wenige Tickets) und Samstag (ausverkauft) ist er im Rahmen der «Acoustic Stories 2»-Tour zurück im Kulturwerk Bleichi. Es ist gestuhlt, ein ruhiges Ambiente, «ein echtes und ehrliches Heimkommen», wie er sagt. Ein Jan-Programm. In Wohlen, wo alles begann, ist mir das umso wichtiger. Ich werde viele persönliche Storys teilen und Songs spielen, die es sonst an den Konzerten nicht gibt.» Dass er 30 Jahre später wieder in der Bleichi ist, «ist eine schöne Geschichte und das Gegenteil von Daily Business». Im Publikum sitzen viele Freunde, die Familie. «Ich werde wohl viele Menschen kennen. Und ich freue mich riesig».



