Keine Stellenplanerhöhung in Berikon
24.02.2026 Mutschellen, LeserbriefeDie politische Entscheidungsfindung verläuft erfahrungsgemäss langsam und zurückhaltend – ausser, wenn es um Anliegen des Gemeinderats geht. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb über die Stelle des Verwaltungsleiters bereits zum zweiten Mal innerhalb ...
Die politische Entscheidungsfindung verläuft erfahrungsgemäss langsam und zurückhaltend – ausser, wenn es um Anliegen des Gemeinderats geht. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb über die Stelle des Verwaltungsleiters bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren abgestimmt werden soll. Üblicherweise wird ein bereits behandeltes Thema frühestens nach mehreren Jahren erneut zur Abstimmung gebracht. Hinzu kommt, dass im Jahr 2025 Erneuerungswahlen stattgefunden haben und der Gemeinderat in neuer Zusammensetzung tätig ist. Es wäre angezeigt gewesen, diesem zunächst die Möglichkeit zu geben, sich einzuarbeiten, bevor derselbe Antrag wie vor zwei Jahren erneut gestellt wird.
Im Kern ist die Frage jedoch einfach: Die konkrete organisatorische Ausgestaltung der Verwaltung ist zweitrangig. Entscheidend für die Führung der Kosten ist, dass eine verbindliche finanzielle Obergrenze für die Personalkosten definiert wird. Diese muss zwingend eingehalten werden. Wird sie überschritten, ist ein entsprechender Antrag an die Gemeindeversammlung zu stellen. In Zeiten finanziellen Drucks wäre diese Obergrenze konsequent zu senken.
Ein ausgeprägter Sparwille des Gemeinderats ist derzeit nicht erkennbar. Im Rahmen der Fusionsabstimmung von 2017, die von der Bevölkerung abge- lehnt wurde, versprach der damalige Gemeinderat, die Zusammenarbeit mit den anderen Mutschellen-Gemeinden zu intensivieren. Konkrete Resultate sind seither kaum sichtbar. Gerade angesichts der angespannten finanziellen Lage wäre eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit ein naheliegender und sinnvoller Ansatz, um Kosten zu reduzieren.
Es gäbe verschiedene Möglichkeiten: Aufgaben könnten gebündelt oder gemeinsam wahrgenommen werden. Denkbar wäre etwa, dass eine Gemeinde für alle Mutschellen-Gemeinden die Steuerverwaltung übernimmt, eine andere die Finanzverwaltung und eine weitere das Bauwesen. In der Privatindustrie, aber auch im Gemeindewesen sind solche Modelle bereits erfolgreich umgesetzt, und auch in Berikon wird man sich früher oder später in diese Richtung bewegen müssen.
Das sind die strategischen Fragen zu den Kosten, welche zuerst zu beantwortet sind. Danach wird entschieden, welches Modell das Richtige ist. Dieselben strategischen Fragen gibt es auch auf der Ertragsseite (was braucht es für eine Steuersenkung). Es ist klar, dass der Gemeinderat zur Beantwortung dieser strategischen Fragen etwas Zeit braucht. Bis diese beantwortet sind, ist man gut beraten, auch das operative Modell nicht zu ändern.
Thomas Trüb, Berikon
