Kalter Wind aus Zürich
17.04.2026 Kelleramt, EnergieZürcher Immissionen tragen
An der Grenze zum Kanton Zürich sollen zwei der 70 geplanten Windkraftanlagen entstehen. Die Freiämter Gemeinden Arni, Islisberg und Oberwil-Lieli wurden aus der Presse darauf aufmerksam. Sie wehren sich dagegen. Denn sie ...
Zürcher Immissionen tragen
An der Grenze zum Kanton Zürich sollen zwei der 70 geplanten Windkraftanlagen entstehen. Die Freiämter Gemeinden Arni, Islisberg und Oberwil-Lieli wurden aus der Presse darauf aufmerksam. Sie wehren sich dagegen. Denn sie würden die Immissionen tragen müssen. --vaw
Pläne für Windkraftanlagen im Kanton Zürich betreffen Aargauer Gemeinden
Im Rahmen der Teilrevision kantonalzürcherischer Richtplan und Windkraftanlagen werden 70 Standorte für Windkraftanlagen geplant. Zwei von ihnen würden direkt an der Aargauer Grenze platziert. Das hätte grosse Auswirkungen für Mensch und Umwelt in Arni, Islisberg und Oberwil-Lieli. Die Gemeinden wehren sich.
Verena Anna Wigger
Sie haben eigentlich gar kein Mitspracherecht. Denn die beiden Windkraftprojekte sollen im Kanton Zürich realisiert werden. Das spricht Vizeammann André Huber, Arni, aus. Dabei würden die beiden Projekte Arni massiv verändern. Darum hat sich der Gemeinderat der Kellerämter Gemeinde entschieden, zu intervenieren und zu kommunizieren.
Es tönt harmlos: Die Teilrevision kantonalzürcherischer Richtplan und Windkraftanlagen steht an. Diese sieht siebzig Standorte für Windkraftanlagen vor. Einer der Standorte befinde sich im «Himmelsbüel» in Hedingen, direkt an der Grenze zum Kanton Aargau und rund drei Kilometer nordwestlich von Affoltern am Albis. Hier handle es sich um einen Hügel von knapp 600 Metern Höhe.
Auf der anderen Gemeindeseite von Arni geht es um den Standort «Chuewald» in der Gemeinde Aesch, Zürich. Ebenfalls ein Ort nahe der Kantonsgrenze zum Aargau. Dieses Gebiet umfasse einen bewaldeten Hügelzug mit einer maximalen Höhe von 633 Meter über Meer. «An beiden Standorten müsste Wald gerodet werden», sagt Vizeammann Huber. Was noch viel markanter ist: Werden beide Anlagen gebaut, flankieren sie Arni auf zwei Seiten. Die über 200 Meter hohen Masten und Räder würden das Dorf dominieren.
Kanton Zürich informiert, wünscht aber keinen Dialog
«Im Sommer vor zwei Jahren sind wir durch die Medien per Zufall darauf aufmerksam geworden», sagt Huber. Damals habe der Gemeinderat entschieden, dass er seinem Unverständnis eine Stimme geben wolle.
So hat man im Mitgestaltungsverfahren eine Eingabe gemacht. «Unsere Eingabe wurde nicht einmal bestätigt», sagt Huber. Doch sei es anderen Gemeinden im Kanton Zürich und Aargau genauso ergangen.
Dem Gemeinderat geht es um die Lebensqualität im Dorf. Huber weiss, «die Bevölkerung hat das Thema gar nicht auf dem Schirm».
Ausmass aufzeigen
Das ganze Ausmass wird auf der Visualisierung sichtbar. Werden die beiden Projekte realisiert, stehen auf zwei Seiten des Dorfes Windkraftanlagen, welche viermal so hoch sind wie normale Hochspannungsmasten. Und Arni ist dann quasi umringt. Brisant dazu ist, dass die beiden Projekte nach dem Standard des Bundes gar nicht erst geplant werden dürften. Denn sie verletzen den Abstand zu Wohngebieten. Davon abgesehen sieht Huber den Nutzen der Räder nicht. Denn Windräder, die in der Schweiz erstellt werden, bringen heute eine Auslastung von unter 20 Prozent. Dabei braucht es eine Auslastung von 30 bis 40 Prozent, damit sie wirtschaftlich betrieben werden können, so Huber weiter. Daher gelte für ihn das planerische Argument, «dass es schlichtweg zu wenig Wind hat». Für Huber und den Gemeinderat Arni ist klar: «Die Schweiz ist kein Windland.» Wenn die Stromproduktion subventioniert werden muss, gehe das nicht auf. Er betont, dass er auf jeden Fall für nachhaltige Energie wie beispielsweise Wasser oder Solar einstehe.
Dazu kommen laut Huber Bedenken in Sachen Naturschutz. In diesen Landstreifen gibt es Milan-Nester. Diese würden durch die Bauvorhaben platt gemacht. All diese Punkte haben den Gemeinderat von Arni dazu bewogen, aktiv gegen die beiden Projekte vorzugehen.
Oberwil-Lieli ebenfalls betroffen
So ähnlich ergeht es auch dem Gemeinderat von Oberwil-Lieli. Gemeindeammann Ilias Läber sagt auf Anfrage: «Wir sind völlig auf dem Holzweg mit unserer Energiestrategie.» Das Mitteland sei so dicht besiedelt, dafür eignen sich Windparks nicht. Auch Oberwil-Lieli hat beim Kanton Zürich eine Stellungnahme abgegeben. Darin wird ebenfalls das Windpotenzial in der Schweiz infrage gestellt. Das Gebiet sei auch ungeeignet wegen der Gewässerschutzzonen. Auch andere Naturschutzthemen werden in der Stellungnahme angesprochen.
Islisberg fühlt sich nicht ernst genommen
Der Gemeinde Islisberg geht es nicht anders. Auch ihre Stellungnahme blieb unbeantwortet. Gemeindepräsident Patrick Stutz hat nochmals Stellung bezogen. Auch er bedauert, dass der Kanton Zürich und die Verantwortlichen zwar im Oktober 2024 einen Informationsanlass durchgeführt haben, aber dennoch kein Dialog stattfindet. «Unsere Befürchtungen wurden und werden nicht ernst genommen», sagt Stutz.
Aus Sicht der Gemeinde Islisberg seien die geplanten Anlagen ein grosser Eingriff in Natur und Landschaftsbild. Weiter stehen diese Anlagen zu nahe am Siedlungsgebiet und können negative Auswirkungen auf die Menschen haben. «Es ist zu befürchten, dass sensible Personen wegziehen könnten», sagt der Gemeindepräsident. Solche Anlagen schwächen klar die Wohnund Lebensqualität in der Region. «Der Eingriff in die Natur und Landschaft steht in keinem Verhältnis zu der zu erwartenden Stromproduktion», so der Gemeindepräsident von Islisberg.
Er sieht noch viel Potenzial im Bereich PV-Anlagen mit geeigneter Speicherung. «Wenn dieses Potenzial ausgeschöpft ist, kann man über nächste Schritte diskutieren», so Stutz.
Leider habe es die Politik verpasst, gute Rahmenbedingungen für die Investitionen in PV-Anlagen zu schaffen. Hier müssen zwingend bessere Anreize und sicherere Bedingungen geschaffen werden. Am meisten aber stört ihn, «dass wir als direkt Betroffene nicht ernst genommen werden». Es sei zu hoffen, dass der Kanton Zürich den Richtplanentwurf nochmals überarbeite.
Meinungen aus Zürich
Ein grosser Gegenwind gegen die beiden Projekte kommt aus Zürcher Gemeinden wie Aesch. Hier wehrt man sich gegen die geplante Windkraftanlage «Chüebode». Aus dem Knonaueramt kommt der Gegenwind zum Projekt «Himmelsbüel». Es gibt auch Befürworterstimmen. Diese sind anonym dem Bericht zum Mitwirkungsverfahren vom November 2025 zu entnehmen: «Mehrere Parteien begrüssen die Festlegung von Windeignungsgebieten. Es würden dadurch Planungssicherheit geschaffen und geeignete Standorte für die Windenergie eingegrenzt. Windenergie sei ein wichtiger Baustein der Energiewende. Der Kanton Zürich sei verpflichtet, ebenfalls seinen Beitrag zu leisten», heisst es da beispielsweise.

