Im gleichen Sinn weiterführen
24.07.2026 Region Unterfreiamt, Niederwil, GewerbeDie Gärtnerei Gisler in Niederwil wird von einer Mitarbeiterin übernommen
Lange hielt sich das Gerücht, dass die Gärtnerei geschlossen wird. Für viele Gartenbesitzer ein Schock. Nun aber ist klar: Der Betrieb geht weiter und per 1. August in neue ...
Die Gärtnerei Gisler in Niederwil wird von einer Mitarbeiterin übernommen
Lange hielt sich das Gerücht, dass die Gärtnerei geschlossen wird. Für viele Gartenbesitzer ein Schock. Nun aber ist klar: Der Betrieb geht weiter und per 1. August in neue Hände über. Alex Gisler selbst tritt in den verdienten Ruhestand.
Chregi Hansen
Wenn die Gartensaison beginnt, dann gibt es für viele Freiämter nur ein Ziel: die Gärtnerei Gisler in Niederwil. Dann füllt sich der grosse Parkplatz, drängen sich Menschenmassen in die Gewächshäuser, decken sich die Kunden mit Pflanzen für die kommenden Monate ein. In dieser Phase ist zusätzliches Personal nötig. «Ja, der Frühling ist eine extrem strenge Zeit», sagt denn auch Alex Gisler, der den Familienbetrieb in zweiter Generation führt. In dieser Phase werden die Tage lang und intensiv. «Aber ich mag die Zeit trotzdem. Die vielen Kontakte mit den Kunden. Die Gespräche. Die Freude in ihren Gesichtern», so Gisler weiter.
Den intensiven Frühling gab es auch dieses Jahr. Diesmal aber gepaart mit grosser Erleichterung. Zuvor fürchteten viele, dass der Traditionsbetrieb für immer schliessen könnte. Inhaber Alex Gisler wird im Herbst 67 Jahre alt und geht in den Ruhestand. Die Suche nach einer Nachfolge harzte lange. «Es gab Interessenten. Auch andere Firmen und Investoren. Aber es hat nicht gepasst», erklärt Gisler. Von den eigenen Kindern wollte niemand übernehmen. Eine Zeit lang überlegte er sich gar, alles abzureissen und eine Überbauung zu realisieren. «Es gab viele Gerüchte im Dorf. Auch unter den Mitarbeitenden. Es war keine einfache Zeit», schaut er zurück.
Die neue Inhaberin kennt den Betrieb bestens
Dann die erlösende Nachricht: Mit Yvonne Klaus übernimmt eine langjährige Mitarbeiterin das Geschäft. Ab 1. August hat sie das Ruder in der Hand. «Es ist ein grosser Schritt für mich. Darum habe ich mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht dazu. Aber ich hätte es bereut, wenn ich es nicht gewagt hätte», sagt sie. Seit 22 Jahren arbeitet die gelernte Gärtnerin im Betrieb. «Ich habe mich damals auf ein Inserat beworben, ohne die Gärtnerei oder Niederwil zu kennen», schmunzelt sie. Inzwischen kennt sie das Geschäft und die Kunden bestens. Weiss, worauf es ankommt. «Ich will den Betrieb im bisherigen Sinn weiterführen und höchstens um den einen oder anderen Aspekt noch erweitern», versichert sie. Auch der Name bleibt gleich, denn schliesslich ist Gisler ein Begriff in der Region.
Die neue Inhaberin ist sich bewusst, dass sie eine grosse Verantwortung übernimmt. Aber sie ist bereit dazu. «Ich habe mich in den letzten Monaten gezielt weitergebildet», erzählt sie. Geholfen hat auch die Tatsache, dass die Gärtnerei über viele langjährige Mitarbeitende verfügt, die den Weg mit der neuen Chefin mitgehen. Die Erleichterung, dass es weitergeht, ist nach der langen Zeit der Unsicherheit bei allen riesig. Die Übergabe findet am 1. August statt. Nach einer Woche Ferien startet Yvonne Klaus am 10. August in ihrer neuen Rolle als Geschäftsführerin. «Ich wünsche ihr viel Erfolg und Freude an dem, was sie tut», sagt Alex Gisler.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Auch er ist erleichtert, dass der Betrieb in gute Hände kommt. Gegründet wurde die Gärtnerei 1961 durch seine Eltern Oskar und Margrit, die beide inzwischen verstorben sind. «Sie haben hier alles aufgebaut. Und es war am Anfang nicht einfach. Sie waren Fremde im Dorf. Auch die Konkurrenz aus den umliegenden Gemeinden hatte keine Freude am neuen Betrieb», weiss Gisler aus Erzählungen der Eltern. Sein Vater hat die ersten Gewächshäuser noch selbst gebaut, hat zu Beginn auch auf Obstbau und Gemüse gesetzt. Heute ist die Gärtnerei Gisler vor allem bekannt für ihre umfangreiche Pflanzenproduktion, die vielen Orchideen, die grosse Auswahl an Blumen, Saisonflor, Stauden und Hecken sowie für individuell bepflanzte Blumenschalen.
«Meine Eltern haben viel gearbeitet. Auch wir Kinder mussten mithelfen», so Gisler weiter. Der Betrieb wuchs, es kamen immer wieder weitere Gewächshäuser dazu. Aber auch der Erfolg stellte sich ein. «Meine Eltern waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Menschen verdienten mehr Geld und wollten sich eine schöne Wohnumgebung schaffen. Die Lage war gut, die vielen Parkplätze ein Plus», so der abtretende Inhaber weiter. Zudem hielt sich sein Vater nicht an die Preisabsprachen, die damals noch üblich waren, und war günstiger als die meisten anderen. Zuverlässige und langjährige Lieferanten, regelmässige Investitionen (beispielsweise auch die Nutzung von Regenwassern zum Giessen) und gutes Personal trugen ebenfalls zum Erfolg bei. Je nach Saison arbeiten 12 bis 18 Personen in der Gärtnerei. Wichtig war aber auch die Bereitschaft, viel zu arbeiten. «Gerade im Frühling können die Tage schon sehr lang werden», weiss Gisler aus eigener Erfahrung. Dies hat er auch dieses Jahr zu spüren bekommen, allerdings zum letzten Mal.
Sich ein neues Zuhause suchen
Er selbst war sich lange nicht sicher, ob er den Betrieb übernehmen soll, arbeitete erst in der Reisebranche. 1994 entschloss sich Alex Gisler aber, die Nachfolge doch anzutreten. «Anfangs war es nicht ganz einfach. Mein Vater hatte schon etwas Mühe loszulassen. Und war nicht begeistert, wenn ich etwas verändert habe», erinnert er sich. Mit dem Umzug der Eltern nach Bellikon hat sich die Situation verbessert. Er selbst möchte es seiner Nachfolgerin einfacher machen. Aktuell wohnt er zwar noch im Haus auf dem Firmengelände, doch das soll sich ändern. «Direkt im Betrieb zu wohnen, hatte Vorund Nachteile», sagt er heute. «Man war schnell vor Ort, wenn etwas passiert ist, etwa nach einem Hagelsturm. Aber man konnte auch nie richtig abschalten.»
Dieses Problem hat die Nachfolgerin nicht. Sie pendelt zwischen ihrem Wohnort Zetzwil und dem Betrieb in Niederwil. Und das wird so bleiben. «Ich werde in nächster Zeit wohl etwas weniger Freizeit haben. Aber ich freue mich auf die neue Aufgabe», sagt sie. Auch Alex Gisler spürt eine Vorfreude auf sein Leben als Pensionär. Er hat sehr viel gearbeitet in den vergangenen Jahren, musste zudem manchen persönlichen Schicksalsschlag erleben. «Es wird anfangs sicher komisch, immer frei zu haben. Und ich werde sicher die vielen Kontakte zu den Kunden vermissen. Umgekehrt wird es schön, wieder mehr Zeit für uns zu haben», sagt er. Mehr Zeit, um auch mal wegzufahren, beispielsweise in die Urner Berge, wo er gerne ist. Das kann er nun mit der Gewissheit, dass der Familienbetrieb weitergeführt wird. Die Erleichterung darüber, die ist nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei ihm und seiner Frau Sandra gross.

