Im Gartenparadies
05.04.2024 Mutschellen, Region Wohlen, Region Bremgarten, Region Oberfreiamt, Region Unterfreiamt«Draussen, mein Zuhause»: Zu Besuch im Generationengarten der reformierten Kirchgemeinde Mutschellen
Frühlingszeit ist Gartenzeit. Doch nicht jeder hat einen Garten bei sich zu Hause. Sein Gartenglück kann man aber auch in einem Schreber- oder ...
«Draussen, mein Zuhause»: Zu Besuch im Generationengarten der reformierten Kirchgemeinde Mutschellen
Frühlingszeit ist Gartenzeit. Doch nicht jeder hat einen Garten bei sich zu Hause. Sein Gartenglück kann man aber auch in einem Schreber- oder Gemeinschaftsgarten finden. Das haben auch Edith und Günter Rink aus Rudolfstetten getan. Sie gärtnern auf dem Stück Land zwischen der reformierten Kirche und dem Jugendpavillon (JuPa) in Widen.
Sabrina Salm
Bereits lassen sich Knoblauch und Zwiebeln entdecken. Narzissen, Primeln und andere Blumen mit farbiger Blütenpracht wachsen empor. Es spriesst, blüht, wächst und gedeiht in den Gärten. So auch im Generationengarten der reformierten Kirchgemeinde in Widen.
«Unkraut jäten ist jetzt der grösste Teil der Arbeit», sagt Edith Rink und steckt die Hacke in die Erde. «Nach den Eisheiligen geht es dann mit der Bepflanzung so richtig los.» Ihr Mann Günter fügt hinzu: «Aber im Garten gibt es eigentlich immer etwas zu tun.» Er ist zum inoffiziellen «Obergärtner» über die Parzelle zwischen Kirche und JuPa erkoren worden. Der pensionierte Gärtner gibt sich bescheiden. «Ich stehe gerne mit Rat und Tat zur Verfügung. Aber der Chef bin ich nicht», und mit Nachdruck betont er: « Das hier ist ein Miteinander.» Doch es ist nicht abzustreiten, seine über 40-jährige Berufserfahrung ist für die kleine Gartengemeinschaft zu einer wichtigen Stütze geworden.
Wissen um die Natur nahebringen
Der «Miteinanderlebensraum», auf dem gegärtnert wird, gehört der reformierten Kirchgemeinde. Die Idee, ein Stück Land in kleine Parzellen aufzuteilen und Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit zu bieten, etwas anzupflanzen, wurde vor 14 Jahren umgesetzt. Mittlerweile hat sich die Gemeinschaft verändert. «Es hat sich mehr zum Generationengarten gewandelt», erzählt das Ehepaar Rink. Vom über 90-jährigen Senior bis hin zu Familien mit kleinen Kindern beschäftigen sich viele mit Freude im Garten. «Es ist schön zu sehen, dass auch immer mehr junge Menschen Interesse am Gärtnern haben.» Es bestätigt: Der Wunsch nach einem eigenen Stückchen Garten ist ungebrochen. «Das ist toll», freut sich Günter Rink. Ihm ist es wichtig, das Wissen um die Natur und die Freude an einem eigenen Stück Garten den Kindern nahezubringen. Zwischen den Gartennachbarn finde ein reger Austausch statt und man hilft sich gegenseitig. Es sei eine gute Mischung der Generationen. Um die Balance zwischen jung und alt zu halten, wäre es jedoch wünschenswert, wenn sich noch mehr Senioren dazugesellen würden. «Wer also Lust hat, ein bis zwei Beete für sich zu bewirtschaften, kann ungeniert fragen.»
Gemeinsames Anpacken
Jeder «Mieter» hat seine eigenen ein bis drei Beete, die er nach Belieben bepflanzt. Es gibt Bereiche, wie zum Beispiel die Blumenbeete und den kleinen Teich, die alle gemeinsam pflegen. In einem Häuschen ist das Werkzeug oder auch der Rasenmäher untergebracht. Hier hat auch jeder sein eigenes Abteil. Günter Rink hat eine kleine Gartenbibliothek eingerichtet. Falls er mal nicht da ist, können sich seine Gartenkollegen aus den Büchern Tipps und Tricks holen.
«Im Frühling und Herbst treffen wir uns zu einem gemeinsamen Arbeitstag», so Edith Rink. Da wird der Garten fit für die neue Saison beziehungsweise bereit für den Winter gemacht. «Ansonsten macht jeder so, wie er will.»
Viel Platz für Begegnungen
Seit seiner Pensionierung ist Günter Rink viel im Garten anzutreffen. Er schneidet die Büsche, bringt Insektenhotels sowie Vogelhäuschen an oder werkelt sonst was. Gärtnern habe viele Vorteile. Man ist an der frischen Luft, hält sich fit und erntet feines regionales Gemüse. Es sei aber auch Entspannung. «Ein Garten wird noch zu oft mit Arbeiten assoziiert», meint Günter Rink. «Das ist zwar auch einer der schönen Aspekte am Gärtnern, doch ist es so viel mehr. Man entdeckt die Schönheiten der Natur und kann dem Zwischenmenschlichen frönen.»
Es habe viel Platz für Begegnungen, wissen die Rinks. Zwischen allem Werkeln darf also eine Pause nicht fehlen. «Neben unserem Sitzplatz habe ich in unserem Gartenparadieschen unter dem Lindenbaum eine kleine Oase der Ruhe eingerichtet», lächelt er und zeigt auf die noch blätterlose Linde. «Hier soll man einfach absitzen und den Garten und die Natur geniessen.» Denn die Seele pflegen ist mindestens genau so wichtig wie die Pflege des Gartens.