Im Alter umso wichtiger
03.02.2026 Region Oberfreiamt, Gewerbe, GesundheitSeit fünf Jahren hat Waltenschwil einen Zahnarzt im Dorf – direkt bei der Pflegewohngruppe Bünzpark
Er habe es unterschätzt. Das gibt Benno Schmidli zu. Vor fünf Jahren eröffnete er, der seit vielen Jahren in Wohlen eine Zahnarztpraxis ...
Seit fünf Jahren hat Waltenschwil einen Zahnarzt im Dorf – direkt bei der Pflegewohngruppe Bünzpark
Er habe es unterschätzt. Das gibt Benno Schmidli zu. Vor fünf Jahren eröffnete er, der seit vielen Jahren in Wohlen eine Zahnarztpraxis führt, eine solche auch in Waltenschwil. «Bereut habe ich es aber nie», betont er. Als Teil des Bünzparks liegt ein Fokus auch auf der Zahnhygiene im Alter.
Annemarie Keusch
Dem Dorf etwas zurückgeben. Das war Benno Schmidlis Ziel. «Aber ich fühlte mich dazu nicht verpflichtet», betont er. Seit 30 Jahren ist er in Waltenschwil zu Hause. Trotzdem brauchte er Bedenkzeit, als Josef Füglistaler, damals wie heute Präsident des Vereins Bünzpark, auf ihn zukam. Eigentlich war angedacht, dass die Räumlichkeiten unter der Hausarztpraxis mit einer Physiotherapie belebt werden. Weil das aber nicht zustande kam, ging Füglistaler auf Schmidli zu. «Zwei Praxen zu führen, das ist in der Zahnmedizin-Branche eher unüblich», weiss Benno Schmidli. In beiden immer präsent sein – unmöglich. «Ich empfand es als Abenteuer, darum sagte ich zu», sagt Schmidli rückblickend.
Des Risikos war er sich dabei von Anfang an bewusst. Zwar musste er in Wohlen Patienten abweisen, weil die Auslastung schlicht zu hoch war. «Dennoch war schwierig vorauszusehen, wie viele Leute statt nach Wohlen nach Waltenschwil kommen und wie das neue Angebot im Dorf ankommen würde.» Denn einen Zahnarzt, das gab es in Waltenschwil vorher noch nie. Fünf Jahre später lächelt Benno Schmidli zufrieden. «Es läuft bestens.» Gerade ältere Leute im Dorf sind froh, in Waltenschwil nun auch zum Zahnarzt gehen zu können. Aber Benno Schmidli gibt auch zu, das Ganze etwas unterschätzt zu haben. «Die Belastung war grösser als gedacht», sagt er. Gerade am Anfang sei der Austausch sehr intensiv gewesen, zumal Schmidli nur einen Tag pro Woche selbst in der Praxis in Waltenschwil tätig ist. «Das hat sich aber längst gut eingependelt, vor allem auch dank dem Team vor Ort», sagt er.
Spürt Dankbarkeit
Bereut, nach Waltenschwil «expandiert» zu haben, hat Benno Schmidli dabei nie. «Im Gegenteil. Es war trotz aller Herausforderungen auch sehr spannend, eine Praxis zu gründen und einzurichten, obwohl beim Einrichten dann vor allem die Mitarbeiterinnen am Zug waren.» Die Praxis in Wohlen gründete einst sein Vater. Kommt hinzu, dass Schmidli seit Jahren in Waltenschwil lebt. «Auch mir ist das Angebot im Dorf wichtig.» Eine Zahnarztpraxis sei sicherlich ein Gewinn, die entsprechende Dankbarkeit spüre er. Zumal ihm Waltenschwil wichtig ist. Es ist das Dorf, in dem er den grössten Teil seines Lebens zu Hause ist. «Aber ich bleibe auch ein bisschen Wohler», sagt er und lacht.
Die Zahnarztpraxis ist Teil des Bünzparks. Der Austausch ist eng, mit der Pflegewohngruppe und mit der Hausarztpraxis der Schäfers. «Es ist ein Miteinander, wie man es sich wohl einst erhoffte», sagt Schmidli. Der Kontakt sei gut, auch über die beruflichen Aspekte hinaus. Das gemeinsame Pétanque-Turnier ist nur ein Beispiel dafür. Überhaupt legt Schmidli nicht nur Wert darauf, dass in den Praxisräumen alles wie gewünscht läuft. Ein Fokus lag seit jeher auch auf dem Garten, dem Naturgarten. «Wir haben das schönste Wartezimmer der Schweiz.» Im Sommer sitzen die Patientinnen und Patienten oft draussen, die Mitarbeiterinnen verbringen ihre Pausen dort.
Speichelproduktion nimmt ab
Als Zentrum für Wohlbefinden im Alter, so beschreibt sich der Bünzpark. Mit der Pflegewohngruppe, aber auch mit den altersgerechten Wohnungen. Zwar sind die Patientinnen und Patienten in Schmidlis Praxis ganz unterschiedlichen Alters, aber die Zahnhygiene im Alter spielt eine gewisse Rolle. «Grundsätzlich ist Zahnhygiene eigentlich nicht altersabhängig, entweder ist sie den Menschen wichtig, oder nicht.» Es gebe 90-Jährige, die ihre Zähne besser putzen als 25-Jährige. «Aber ganz allgemein ist es so, dass das Interesse an Hygiene im Alter abnimmt, so auch am Zähneputzen und an der Mundhygiene.» Entsprechend wichtig sei es, die Patientinnen und Patienten zu motivieren. «Idealerweise tun das auch die Angehörigen oder das Pflegepersonal.»
Denn Schmidli weiss, dass Mundhygiene im Alter eigentlich besonders wichtig ist. «Die Speichelproduktion nimmt ab und Speichel neutralisiert die Säuren der Bakterien und verhindert damit Löcher in den Zähnen.» Kommt hinzu, dass das Zahnfleisch mit zunehmendem Alter meist leicht zurückgehe. «So entstehen mehr Flächen zwischen den Zähnen, wo sich Essensreste sammeln können.» Aufklärungsarbeit sei darum besonders wichtig. Aber Benno Schmidli weiss, dass das nicht einfach ist. Etwa, wenn die körperlichen Möglichkeiten weniger werden, oder wenn die Vergesslichkeit immer mehr wird. «Dann sind die Angehörigen und das Pflegepersonal umso wichtiger.»
Benno Schmidli ist 60-jährig. Wie es mit der Praxis in Waltenschwil weitergeht? «Wir sind gut aufgestellt», betont er. Fünf verschiedene Zahnärzte sind regelmässig hier. Das Team, wozu übrigens auch seine Tochter gehört, ist beständig, alle Stellen sind besetzt. «Es macht Freude und es wird weitergehen in Waltenschwil.» Veränderungen seien aber nicht ausgeschlossen.
Mehr Infos: www.praxis-im-buenzpark.ch.


