«Ich hatte eben eine grosse Klappe»
10.07.2026 Wohlen, PorträtDas grosse Hobby
Sommerserie: Roland Büchi, Politik/Motocross
Bekannt ist er als Politiker. Er war Grossrat und vertritt die SVP im Einwohnerrat. Roland Büchi ist aber auch leidenschaftlicher Motocrossfahrer. Der 64-jährige Wohler kennt ...
Das grosse Hobby
Sommerserie: Roland Büchi, Politik/Motocross
Bekannt ist er als Politiker. Er war Grossrat und vertritt die SVP im Einwohnerrat. Roland Büchi ist aber auch leidenschaftlicher Motocrossfahrer. Der 64-jährige Wohler kennt keine Angst, stellt sich den Herausforderungen auf der Piste. Motocross ist sein grosses Hobby. Die Geschichte rund um Roland Büchi macht den Auftakt zu einer Sommerserie. --dm
Serie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Roland Büchi, Politiker und Motocrossfahrer
Er macht beides sehr gerne, weil er einfach Spass daran hat. Politik und Motocross – das sind die Leidenschaften von Roland Büchi. Seit knapp 30 Jahren ist der 64-Jährige auf den Pisten unterwegs. Das Engagement für die Politik schraubt er langsam runter. So hat er noch mehr Zeit für das geliebte Hobby.
Daniel Marti
Da stand er also am Startbalken. Und plötzlich ging es ihm doch noch durch den Kopf: «Was mache ich da eigentlich? Bin ich etwa im falschen Film?» Schweissgebadet schon vor dem Startzeichen. Und dann zischten seine Konkurrenten links und rechts an ihm vorbei. Das war die Premiere von Roland Büchi als Motocrossfahrer. In den späten Neunzigerjahren in Balsthal. «Da waren Fahrer dabei, die an WM-Läufen Punkte geholt hatten», erinnert er sich. Und er mittendrin – zwar nicht so lange – bald hinterher. Büchi hat es ins Ziel geschafft. Immerhin. «Ganz weit hinten in der Rangliste, und total ausser Kraft», wie er heute erklärt. Das war sein erster Ernstkampf als Motocrossfahrer, eine wahnsinnige Premiere. Und eine ehrliche Erkenntnis: «Ich glaube, ich hatte eine grosse Klappe», sagt er über sein erstes Rennen.
Politik – eine gute Lebensphase
Trotzdem, es war der Beginn seiner Motocrosskarriere. Der Motorsport liess ihn von da an definitiv nicht mehr los. Seit knapp 30 Jahren ist er aktiv dabei – und daneben hatte er noch seine Politkarriere. Und die kam selbst für ihn überraschend. Einwohnerrat (16 Jahre), Grossrat (vier Jahre), Präsident der SVP Wohlen (zehn Jahre), Präsident der Einbürgerungskommission – diese vier politischen Ämter begleiteten ihn. Den Einstieg schaffte er über das Dorfparlament. Jean-Pierre Gallati, der heutige Regierungsrat, fragte ihn, ob er denn Interesse habe. Interesse hatte er schon, «vor allem interessiert mich, was in Wohlen so läuft». Dass er vor etwas mehr als 16 Jahren gewählt wurde, überraschte ihn total. «Ich bin kein Fasnächtler, ich bin in keinem Verein. Darum rechnete ich mir keine Wahlchancen aus.»
Es klappte auf Anhieb – beim ersten Versuch. «Das erstaunt mich noch heute», sagt er mit einem Schmunzeln. «Als Einwohnerrat wollte ich stets dazu beitragen, dass die Verhältnisse in Wohlen besser werden.» Ähnlich spielte es sich bei den Grossratswahlen ab. Erste Kandidatur, prompte erfolgreiche Wahl.
«Die Politik hatte in den letzten 17, 18 Jahren für mich eine grosse Bedeutung», betont er. «Dabei habe ich im Alter von 20 Jahren wohl nicht mal alle Gemeinderäte gekannt.» Aber der Abstecher in die Politik habe sich gelohnt, «es war und ist eine gute Lebensphase, ich habe dabei ganz viel gelernt». Nach zehn Jahren als Präsident der SVP-Volkspartei sei es nun an der Zeit, die politischen Ämter langsam abzugeben, «und die Pension zu geniessen».
Roland Büchi (Jahrgang 1962), gelernter Maurer und technischer Angestellter, ging vor eineinhalb Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. «So habe ich mehr Zeit für mein Hobby», betont der Familienvater. Und das ist hauptsächlich der Motocrosssport.
Mit dem ersten Podestplatz kam der entscheidende Schub
Interessiert war er am Motocross eigentlich schon immer. Vor allem das traditionelle Rennwochenende in Wohlen faszinierte ihn – halt als Zuschauer. Und in der Saison 1992/93 wagte er den ersten Schritt – als Passagier im Seitenwagen seines Kollegen.
Dann schaute er 1996 beim Oldtimer-Motocross in Zetzwil vorbei. «Keine Sache, das sind ja alles alte Männer», dachte er sich. «Kann ich auch.» Mit einem Standardtöff wagte er in Balsthal seine Premiere. Die fiel vom Resultat her mässig aus. Aber eines wusste Büchi sofort: «Jetzt muss ich trainieren.» Er schaffte sich eine richtige Motocrossmaschine an – und er wurde von Jahr zu Jahr besser. Bis er allerdings erstmals aufs Podest fuhr, dauerte es lange. Im Jahr 2009 in Hornussen landete er auf dem Treppchen. «Dieser Podestplatz gab mir einen riesigen Schub», weiss er heute.
Roland Büchi startete stets in den Oldtimer-Kategorien. In der Schweiz und bei Europameisterschaftsläufen ist der Jahrgang des Piloten massgeblich, in Italien ist der Jahrgang des Motorrads entscheidend. Deshalb fährt er eine Maschine mit Jahrgang 1966. «Die ist aber nur auf dem Papier alt», stellt er klar. Rahmen und Motor sind neu. Damit ist er heute noch bei allen Rennen konkurrenzfähig.
Auf Italiens Pisten fühlt er sich einfach wohl
Der erste Podestplatz gab ihm nicht nur Schub, «sondern der hat in mir die Leidenschaft geweckt». Von da ging es nach Italien ins Training – und sehr bald auch zu den Rennen. In Italien ist er zusammen mit Joe Büsser rasch auf einer EM-Piste für Oldtimer-Motorräder gelandet. Die beiden Schweizer waren sofort willkommen. «Bleibt hier, ihr könnt gleich bei der italienischen Meisterschaft mitfahren», sagten die italienischen Gastgeber. Gesagt, getan. Als Dankeschön für die Gastfreundschaft holte Büsser den Tagessieg, Büchi wurde glänzender Dritter. Von da an entwickelte sich eine enge Verbindung, eine Freundschaft «mit einer total kollegialen Stimmung». Die Anlagen in Italien haben permanente Pisten und gute Infrastrukturen. «Da ist alles vorhanden.» Das sei ein grosser Vorteil gegenüber den Rennen in der Schweiz, die halt oft auf einem Acker gefahren werden.
Logisch, Roland Büchi durfte sich schon als italienscher Meister der Oldtimer-Klasse feiern lassen. Er wurde auch Schweizer Meister. Etliche Pokale zieren den Töffraum in seinem Keller im Wohler Oberdorf.
Der Politiker fährt regelmässig um die Spitzenplätze – in der Schweiz und in Italien. Ein besonderes Training braucht er dafür nicht. «Eigentlich bin ich ein fauler Siech», lacht er. Mountainbike-Fahren und die Rennen, «die sind besser als jedes Training», umfassen seinen Trainingsplan.
Einmal hat es fürchterlich gekracht
Und wie sieht es aus mit Mut und der Risikobereitschaft als 64-Jähriger? «Die Motorräder sind ja nicht ganz so schnell, da braucht es keinen besonderen Mut. Und klar, ein gewisses Risiko besteht immer.» Wie vor zwei Jahren, als es tatsächlich krachte: Schlüsselbeinbruch, sechs gebrochene Rippen. Roland Büchi nimmt das heute einigermassen gelassen: «Ein Sturz gehört halt irgendwann dazu. Denn auch in unserer Kategorie wird wenig Rücksicht genommen auf den Konkurrenten, jeder will gewinnen. Trotzdem: Es geht immer auch um den Spass.»
Gibt es im Ruhestand überhaupt noch sportliche Ziele? «Unfallfrei bleiben», sagt er sofort. «Und immer zumindest in der Nähe der Podestplätze ins Ziel fahren.» Beweisen müsse er nichts mehr, aber das Oldtimer-Rennen am Wohler Motocross würde er schon gerne mal gewinnen. Vielleicht stehen die Chancen in zwei Jahren nicht schlecht, dann steigt er in die Altersklasse 66plus auf. Dann ist er einer der Jüngeren im Feld.
Kein Ende in Sicht
Auch in den kommenden Jahren ist «Motocrossfahren einfach mein grosses Hobby. Bei den Motocrossrennen gibt es zudem weniger Probleme als in der Politik.» Aber vergleichen könne man das ja nicht. Zudem bekomme er in der Regel «positive Feedbacks, in der Politik und im Sport».
Wichtig sei auch eine Spur Gelassenheit. Darum ist für Büchi ein Karriereende als Motocrossfahrer in «weiter Ferne», wie er sagt. «Erst wenn ich keinen Spass mehr daran habe, werde ich aufhören.» Bis 70 wolle er unbedingt dabei bleiben. Bis zur Kategorie 72plus soll es gehen. Spitzenränge möchte er belegen, wie vor zwei Wochen, als er bei einem Europameisterschaftslauf in der Slowakei Achter wurde. Dieser Ausflug hat Roland Büchi viel Spass gemacht. «Das war für mich Freiheit und Leidenschaft», betont er. Und so richtig geniessen konnte er das Spektakel ebenfalls.



