Stefan Sprenger, Redaktor.
Wir leben in kuriosen Zeiten. Die Weltwirtschaft hat Schnappatmung. Die Strasse von Hormus ändert alle sechs Stunden ihre Öffnungszeiten. Offen. Nein, geschlossen. Nein, doch offen. Eine Bombe. Wieder ...
Stefan Sprenger, Redaktor.
Wir leben in kuriosen Zeiten. Die Weltwirtschaft hat Schnappatmung. Die Strasse von Hormus ändert alle sechs Stunden ihre Öffnungszeiten. Offen. Nein, geschlossen. Nein, doch offen. Eine Bombe. Wieder geschlossen. Und das jeden Tag in der Woche. 20 Prozent des globalen Öls und verflüssigten Erdgas fliessen durch diese Strasse. Bei jedem Entscheid liegt die Börse auf der Intensivstation – oder ist wieder zurück im Leben. Öffnungen. Schliessungen. Drohungen. Europa geht das Kerosin aus. Der Grossteil des Öls für Asien (rund 90 Prozent) geht durch die Strasse. Die Welt wartet und beobachtet die Situation sorgenvoll, während zwei Männer Öffnungszeiten-Roulette mit der Weltwirtschaft spielen. Gestern Montag heisst es in den News: «Der Iran hat den USA einen Plan zur Öffnung der Strasse von Hormus und einem möglichen Kriegsende vorgelegt.» Mal schauen, ob das heute noch so ist. Vermutlich nicht. Am Wochenende ist Trump während einer Pressekonferenz im Oval Office eingeschlafen. Die Augen zu. Einfach eingepennt. Live im TV. Trump, der mächtigste Mann der Welt, ist im Standby-Modus und komplett durchgedreht. Und niemand zieht ihm den Stecker. Das Allerschlimmste: Dieser Typ hat einen Atomkoffer.
Bei solchen Neuigkeiten sehnt man sich nach innerem Frieden. Die Psychologin Laurie Santos entwickelte einen Kurs namens «Wissenschaft des Wohlfühlens». Er war hocherfolgreich und thematisierte unangenehme Wahrheiten, die wir alle eigentlich schon wissen. Sie fragte: «Wenn Menschen so intelligent sind, warum sind wir dann so schlecht darin zu erkennen, was uns wirklich glücklich macht?» Dinge, von denen wir glauben, dass sie glücklich machen, haben keinen dauerhaften Einfluss auf unser Wohlbefinden. Mehr Geld, einen besseren Job, ein grösseres Haus. Die Forschung zeigt, dass uns nichts davon auf die Dauer happy macht. Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, dauerhaftes Glück aus dem «Äusseren» zu holen. Dinge, die unser Wohlbefinden wirklich verbessern, schieben wir Menschen oft nach hinten. Soziale Verbindungen, Freundlichkeit, Präsenz im Moment, viel Bewegung und viel Schlaf. Kann das bitte jemand dem verwirrten Typ mit dem Atomkoffer sagen?