Geprägt von einem Menschenfreund
28.04.2026 WohlenBeeindruckende Ära
Chregi Bächer prägte den Frauenverein
Wer an den Gemeinnützigen Frauenverein denkt, landet sofort bei ihrem Namen. Chregi Christine Bächer. Sie ist seit 18 Jahren Präsidentin des Vereins. Also fast zwei ...
Beeindruckende Ära
Chregi Bächer prägte den Frauenverein
Wer an den Gemeinnützigen Frauenverein denkt, landet sofort bei ihrem Namen. Chregi Christine Bächer. Sie ist seit 18 Jahren Präsidentin des Vereins. Also fast zwei Jahrzehnte lang prägte sie diese Institution, die 140 Jahre alt ist. Chregi Bächer steht für eine beeindruckende Ära. Nun übergibt sie das Präsidium an eine Co-Leitung.
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Christine Bächer steht seit 18 Jahren dem Gemeinnützigen Frauenverein vor – nun tritt die Präsidentin zurück
Begegnungen ermöglichen und provozieren. Das war ihr stetiger Antrieb. Auch darum ist Chregi Bächer 18 Jahre lang Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins geblieben. Diese Energie investierte sie gern – vor allem weil sie in allen Menschen das Positive sehen will. Nun beendet sie diese Ära mit einem guten Gefühl.
Daniel Marti
«Er ist ein Teil meines Lebens, der äusserst positiv besetzt ist.» Das sagt Christine Chregi Bächer über den Gemeinnützigen Frauenverein. Sie war lange 18 Jahre Präsidentin des Vereins und zieht eine umso kürzere Bilanz. Es sei in dieser Zeit so viel passiert, so Bächer. Und sie habe nur positive Erfahrungen sammeln können, «das hat mir stets ganz viel Energie gegeben». Jetzt sei die Zeit gekommen, um loszulassen. Punkt. Das ist doch nicht alles? «Natürlich» habe sie stets versucht, den Verein der Gesellschaft anzupassen, fügt sie an. Der Verein, der 1886 gegründet wurde, erlebte viele Veränderungen und weist eine grosse Tradition auf. Heute betreut der Gemeinnützige Frauenverein sieben top-aktuelle Projekte (siehe Artikel unten). Auch dank Chregi Bächer.
Und diverse Anlässe wurden mutig von den Wohler Frauen ausprobiert. «Wir sind Wohlen», «Wir schauen über den Gartenhag» oder «Schleichwege» sind noch in bester Erinnerung. Da wurde die Bevölkerung mobilisiert, ihr Wohlen besser kennenzulernen. Das sind gleichzeitig ihre persönlichen Highlights. «Wir haben stets Vielfalt geboten», blickt sie zufrieden zurück.
Erst keine Ahnung – dann Chefin von 400 Frauen
Chregi Bächer (Jahrgang 1970) erlebte tatsächlich ganz vieles um den Frauenverein. Dabei offenbart sie etwas völlig Überraschendes. Im Jahr 2001 wurde sie von der damaligen Präsidentin Brigitta Hubeli angefragt, ob sie denn nicht mithelfen möchte im Vorstand. Sie sagte spontan zu, «obwohl ich gar keine Ahnung hatte vom Verein».
Sieben Jahre später folgte die Anfrage betreffend Präsidium. In die grossen Fussstapfen von Brigitta Hubeli zu treten, das sei nicht einfach, dachte sie. Aber die Aufgabe reizte sie, «und wann erhält man schon die Gelegenheit, Chefin von 400 Personen zu sein?», sagt sie und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Es gab noch einen weiteren Grund, das Präsidium im Jahr 2008 zu übernehmen: Chregi Bächer hat die Menschen gerne.
Als sie ihren Job als Präsidentin antrat, ist sie auf eine «total gute Basis» gestossen. Der Verein war bereits vor 18 Jahren gut strukturiert und war finanziell gesund. Im Vorstand amteten «coole Frauen. Menschen mit Energie.» Also eine ideale Ausgangslage für den Einstieg – und um lange zu bleiben. Und im Gemeinnützigen Frauenverein konnte Chregi Bächer stets schnell etwas bewegen. «Nicht wie in der Politik», fügt sie schmunzelnd an. Mit raschen Entscheidungen und Umsetzungen habe sie in den fast zwei Jahrzehnten nur «positive Erfahrungen gemacht. Ich hatte auch kritische Personen um mich herum und wir wollten immer miteinander Gutes erreichen.» Enttäuschungen hat sie nicht eine wegstecken müssen.
Ihr Lieblingsthema: Begegnungen provozieren
Nun, nach 18 Jahren, ist jedoch Schluss. Sie habe den Präsidentinnen-Job lange genug ausgeübt, sagt sie. Chregi Bächer hat nun Gewissheit, dass es mit dem Verein gut weitergehen wird. «Junge Frauen rücken nach und die können auch allfällige neue Bedürfnisse umsetzen.» Das alles leuchtet ein, aber ebenso gut hätte sie doch die 20 Jahre, das persönliche Jubiläum, ansteuern können. «Ach», winkt sie sympathisch ab, «Zahlen sagen mir nichts. Es ist gut, wie es ist. Ich bin überzeugt davon, dass es jetzt ohne mich gut weitergehen wird.» Der Verein habe sich geöffnet und mit einer fachmännisch begleiteten Standortbestimmung wurden die Zukunftsperspektiven analysiert. Ein guter Moment, um einen Schritt zurück zu machen.
Somit darf man annehmen, dass die scheidende Präsidentin all ihre Ziele erreicht hat. Konkretes habe sie in dieser Hinsicht gar nie formuliert, lautet ihre Antwort. «Es ging immer um Werte, die übrigens schon 1886 präsent waren. Und diese Werte lebten in unseren Projekten weiter. Begegnungen zu provozieren, das war stets mein einziges Ziel, das war mein Antrieb», betont die Mutter von drei Kindern im Alter von 17, 19 und 22 Jahren.
Vorbild und Begleiterin
Zu den provozierten Begegnungen zählten stets Ideen und Visionen. Dabei blieb sie immer bei sich selbst: eben, die Menschen gernhaben. «Das bewirkt immer etwas Positives.» Gleichzeitig mag sie es nicht, in eine Schablone gedrängt zu werden. In der Regel sei sie schon lieber Teamplayerin. Wenn nötig, je nach Projekt, kann Bächer auch zur Einzelkämpferin werden. Schliesslich wollte sie sich als Präsidentin stets den Überblick verschaffen. Und noch einen wesentlichen Punkt stellt sie klar: «Oft ist es schwieriger, Frauen zu führen als Männer.» Das ist für sie nicht neu, diesen Eindruck beobachtete Chregi Bächer schon früher bei ihrer erfolgreichen Karriere als Handballerin.
Als Anführerin einer Gruppe sieht sie sich sowieso nicht. Sie wollte und will stets Vorbild sein, vor allem als Begleiterin von so vielen Projekten im Frauenverein. Dank dieser steten Präsenz wurde Chregi Bächer zum bekannten Gesicht des Gemeinnützigen Frauenvereins. Sie prägte eine ganze Ära. Selbst das relativiert sie mit aller Freundlichkeit. Sie habe doch nicht 20 Jahre lang eine Idee nach der anderen lanciert, das sei oft Teamarbeit gewesen, erklärt sie. Und ihre Energie sei nicht mehr die gleiche wie zu Beginn ihrer präsidialen Zeit.
Hugo Bächer, der Menschenfreund
Am meisten Energie hat sie vor 16 Jahren aufgewendet. Damals startete sie ein Studium als Kindergarten- und Primarlehrerin. Eine herausfordernde Zeit mit damals drei kleinen Kindern. Dass sie dieses Studium nach vier Jahren erfolgreich abschliessen konnte, erfüllt sie heute noch mit Stolz. Seit zwölf Jahren unterrichtet sie, seit drei Jahren ist sie Lehrerin an der Schule in Künten. «Primarlehrerin, das ist mein Traumberuf», betont sie und strahlt übers ganze Gesicht.
Haus, Garten, Partnerschaft, Familie, Studium, Beruf – das alles meisterte sie bravourös neben dem Engagement für den Gemeinnützigen Frauenverein. Und stets war Wohlen das Zentrum. Darum habe sie für ihre Wohngemeinde ein «extremes Heimatgefühl entwickelt», betont Chregi Bächer. «Ja, ich habe Wohlen ziemlich gern.»
Wer Wohlen gernhat, der hätte auch einen anderen Weg einschlagen können. Vor allem Chregi Bächer, die Tochter von Hugo Bächer. Er war eine grosse Figur des FC Wohlen sowie CVP-Grösse und Einwohnerratspräsident der Jahre 1988 und 1989. «Politik ist nicht meine Welt», erklärt sie. «Schon als Jugendliche war das kein Thema, da würde ich mich zu wenig sicher fühlen. In einem Verein kann man viel schneller etwas bewegen.» Darum folgte sie ihrem Vater nicht in die Politik – Anfragen von diversen Seiten lehnte sie zudem alle ab. «Mein Vater war ein grosses Vorbild in seiner Art. Er war gesellig und ein Menschenfreund. Das hat mich geprägt. Er faszinierte mich als Mensch, weniger als Politiker.» Eine wunderschöne Würdigung.
Die Nachfolgerinnen – ein gutes Gefühl
Zurück zum Frauenverein, den Chregi Bächer der Politik vorgezogen hat: Ginny Olschimke und Sandra Garro werden als Co-Präsidium das Erbe und die Nachfolge von Chregi Bächer antreten. Und sie freut sich über die Nachfolgeregelung. «Ginny Olschimke ist kompetent, klar, konstruktiv. Sandra Garro ist ideenreich, kommunikativ, eine Wortkünstlerin», lautet ihre Einordnung der beiden designierten Nachfolgerinnen. Sie habe ein ganz gutes Gefühl bei den beiden, so Bächer. Umso leichter fällt ihr der persönliche Abgang. Der Gemeinnützige Frauenverein wird in gute Hände übergehen – und weiterhin umsichtig geführt.
Diese Gewissheit ist für die scheidende Präsidentin ein schönes Geschenk. Das allerdings noch getoppt wird. Ganz zum Schluss der Bächer-Karriere kommt ein weiteres Highlight dazu. An der GV vom nächsten Montag wird der Gemeinnützige Frauenverein mit dem Kulturpreis der Gemeinde Wohlen ausgezeichnet. Welche Ehre.
Überraschend zum Kulturpreis
«Das ist eine Wertschätzung und Anerkennung für ganz viele Frauen», freut sich Bächer. Dabei zählt sie auch ihre Präsidentinnen-Vorgängerinnen auf, Brigitta Hubeli und Theres Rohner. «Diese Auszeichnung gilt aber auch für alle Frauen, die jeweils nur eine Stunde für den Verein gearbeitet haben.» Chregi Bächer denkt eben an alle. Diese Kulturpreis-Ankündigung der Gemeinde sei für sie völlig überraschend gekommen, gibt sie zu. «Das verleiht dem Verein Aufmerksamkeit.» Und die Würdigung sei «mega-megaschön. Denn der Frauenverein verbindet auch Kulturen.»
Der Kulturpreis passt zudem bestens zu ihrer Lebensphilosophie. Sie versuche stets, das Positive in den Menschen zu sehen, erklärt sie. So könne sie dazu beitragen, dass die Menschen versuchen, das Beste aus sich herauszuholen. Diesen Beitrag leistet sie immer wieder gerne. Bei dieser Erklärung strahlt sie sympathisch und freundlich. Und stellt eine ihrer Lieblingsfragen: «Was verdoppelt sich, wenn man es verschenkt? Wertschätzung wie der Kulturpreis. Sowie Liebe und Glück.»
«Auch die Männer profitieren von uns» Gemeinnütziger Frauenverein: Projekte und die Stellung der Männer
Der Gemeinnützige Frauenverein Wohlen wurde 1886 in der Hochblüte der Strohindustrie gegründet. Die Werte und Ziele des Vereins sind nach knapp 140 Jahren ähnlich geblieben: Trotz der Schnelllebigkeit in der Gesellschaft zählt der Verein auf Solidarität, Gemeinschaft, Gemeinnützigkeit und Integration. Der Gemeinnützige Frauenverein begleitet und unterstützt benachteiligte Mitmenschen. Zurzeit zählen sieben Projekte zum Verein: Alleinstehendenzmorge, Betagtenbetreuung, Café international, Senioren-Fasnacht, Flicken, Tischlein deck dich, 1-2-3-Treff. Und die Veranstaltungsreihe «Back to Business» – Frauen für Frauen – beginnt jetzt am kommenden Dienstag, 5. Mai.
Im Gemeinnützigen Frauenverein sollen alle Menschen gleich behandelt werden, erklärt die scheidende Präsidentin Chregi Bächer. Hautfarbe, Konfession, Sprache, Bildung spielen keine Rolle. «Es gibt keine Vorurteile. Vieles wird im Kleinen bewegt. Wir vom Frauenverein möchten grundsätzlich das Zusammenleben verbessern.» Und wenn es nötig ist, werden die Deutschkenntnisse gefördert. «Nur so kann man sich auch vernetzen», sagt Christine Bächer, «denn es ist unser Grundbedürfnis, dass es allen Menschen wohl ist und dass sie das Gefühl des Dazugehörens haben.»
In den letzten Jahren ist die Mitgliederzahl konstant um die 420 geblieben. Und da stellt sich die Frage nach den Männern und jene nach der Gleichberechtigung. Rund 25 Männer sind Mitglieder des Wohler Frauenvereins. «Praktisch hinter jeder Frau, die sich bei uns einsetzt, steht ein Mann», betont Bächer. «Deshalb haben die Männer bei uns schon auch eine grosse Bedeutung. Und was wir im Verein leisten, davon profitieren auch Männer.» Der Name Gemeinnütziger Frauenverein hat eine grosse Tradition. Aber in der Zeit der Gleichberechtigung dürfe man sehr wohl auch über einen neuen Namen diskutieren, sagt Chregi Bächer. «Eventuell Familienverein?» Aber eine allfällige neue Namensgebung ist nun Sache der neuen Co-Leitung des Präsidiums.
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