Generationen kommen zusammen
03.04.2024 Region Oberfreiamt, WaltenschwilBesonderheit zum Jubiläum
50. Eierauflesete in Waltenschwil
Es ist ein Anlass mit regionaler Strahlkraft: Nicht nur aus Waltenschwil, sondern auch aus den umliegenden Dörfern pilgern Jahr für Jahr am Ostermontag die Familien in Richtung ...
Besonderheit zum Jubiläum
50. Eierauflesete in Waltenschwil
Es ist ein Anlass mit regionaler Strahlkraft: Nicht nur aus Waltenschwil, sondern auch aus den umliegenden Dörfern pilgern Jahr für Jahr am Ostermontag die Familien in Richtung Tierpark, um die über 2000 Eier zu suchen, die der Osterhase für sie versteckt hat. So auch an der Jubiläumsdurchführung, an der sich der Natur- und Vogelschutzverein mit dem Verstecken von goldenen Eiern eine kleine Besonderheit hat einfallen lassen. Für jedes gefundene Spezialei winkte ein Schokoladen-Osterhase. Vielleicht auch deshalb war die Suche besonders intensiv. --cbl
Zum 50. Mal wurde die traditionelle Eierauflesete in Waltenschwil durchgeführt
Jahr für Jahr durchstöbern Kinder und Erwachsene auf der Suche nach den farbigen Ostereiern den Wald rund um den Tierpark. Zur 50. Durchführung hat sich der organisierende Natur- und Vogelschutzverein nun etwas Besonderes einfallen lassen: Wer eines der zehn goldenen Eier findet, der durfte einen grossen Schoggiosterhasen mit nach Hause nehmen.
Celeste Blanc
Auch wenn an diesem Ostermontag ein eisiger Wind durch den Waltenschwiler Wald pfeift und die dicken dunklen Wolken mit einem Spritzer Regen drohen, konnte das kühle Wetter der gewohnt ausgelassenen Stimmung an der Eierauflesete keinen Abbruch tun. Dass dabei sogar noch der Osterhase zu sehen ist, der vor seiner Hütte die letzten Vorbereitungen tätigt, lässt vor allem die Jüngsten staunen. «Osterhase! Hallo, Osterhase!», ruft dabei ein kleines Mädchen ganz aufgeregt, unterstützt vom lautem Kreischen anderer junger Besucherinnen und Besucher.
Wesentlich abgeklärter geht es hingegen bei den älteren Kindern zu und her – diese sichern sich an der Absperrung den besten Platz für den Startschuss. «Es ist einfach ein riesiger Plausch», meint Besucher Michael Steinhauer, der das Treiben beobachtet. Der heute 33-Jährige war selbst als Junge immer an der Eierauflesete dabei – nun ist er Jahre später mit seinem Göttibub Lias am Traditionsanlass. Eine schöne Fügung, findet Steinhauer: «Ich habe es geliebt, in der Natur zu sein. Nun darf ich ihm das zeigen. Das macht das Ganze schon zu etwas Besonderem.»
Durch das Dickicht über Stock und Stein
Kurz vor halb 10 Uhr steigt dann die Spannung. Alle warten ungeduldig auf den Startschuss. «Auf die Plätze, fertig, los!», verkündet der Vizepräsident des Natur- und Vogelschutzvereins Ruedi Amstutz durch das Mikrofon – und die meisten der gut 400 Besuchenden rennen mit ihren geflochtenen Körben und grossen Säcken ausgestattet wie junge Hasen in die Wälder.
Ganze 2160 Eier, die vom Boswiler Wirt Peter Wyrsch gesponsort wurden, versteckte der Natur- und Vogelschutzverein in diesem Jahr zwischen den Baumwurzeln, unter Blättern sowie im Dickicht, wobei sie auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu erkennen sind. Auffällig dabei ist, dass sich viele der gleichen Suchmethode bedienen: Mit einem Stock ausgerüstet, schieben sie die Blätter und Geäst beiseite, wo sie allfällige Eier vermuten. Zur 50. Durchführung versteckte der Verein zudem zehn goldene Eier im weitläufigen Waldgebiet. Davon waren je fünf im Gebiet für die grösseren Teilnehmer wie auch im Bereich der Jüngeren zu finden. «Jedes Jahr ist der Anlass eine aufregende Sache. Deshalb sollte es auch nur eine kleine Besonderheit für die 50. Durchführung sein», meint Präsident Markus Meier.
Das Wissen, dass einem beim Finden eines goldenen Eis ein Osterhase aus Schokolade winkt, schien besonders die Kinder anzuspornen. Diese legten sich mächtig ins Zeug und schlichen über den Waldboden, pirschten zwischen jungen Tannen hindurch und wendeten Stock und Stein, um eines der begehrten Gegenstände zu finden. Doch auch wer nicht auf der Suche nach einem goldenen Ei war, verfolgte grosse Pläne. Etwa die sechsjährige Milay Zbinden, die mit ihrer Mutter entlang der Wegränder fündig wurde. Vier Eier liegen bereits im Körbchen. «Nun fehlen noch zwei – für jedes meiner Lebensjahre eins», verkündet sie stolz.
Erster und bisher einziger Osterhase
Die Eierauflesete in Waltenschwil wird seit 1971 durch den Natur- und Vogelschutzverein organisiert, was zu einem Traditionsanlass und Treffpunkt geworden ist. Mittlerweile kommen Eltern und Grosseltern mit Kindern und Enkelkindern an die Eierauflesete, an der sie selbst in jungen Jahren bereits schon teilgenommen haben. So ist auch die in Waltenschwil aufgewachsene Katja Pibiri mit ihrer Familie auf Eiersuche. Vor dem grossen Gehege warten ihre Kinder ganz aufgeregt auf den Osterhasen. «Man trifft ehemalige Freunde und Bekannte, mit denen man aufgewachsen ist, heute mit ihren Kindern. Das ist das Schöne und darum kommen wir sehr gerne her», meint Pibiri, die ihre Tochter hochnimmt, damit ihr der Osterhase ein Ei in die Hand drücken kann.
Der Osterhase, er ist eines der grossen Highlights in Waltenschwil. Seit 1986 schlüpft Markus Meier in diese Rolle. Mit 14 Jahren zum ersten Mal, ist er heute 38 Jahre später erster und einziger Osterhase in Waltenschwil. «Es ist immer interessant und amüsant», lacht Meyer. Am Gitter, wenn die Kinder einem die Hand erwartungsvoll entgegenstrecken, sieht man die Eltern und die Grosseltern, die man kennt. Das macht schon viel aus am Anlass.» Dass zur 50. Eierauflesete aufgrund der unsicheren Wetterprognose weniger Menschen als gewohnt zum Tierpark gepilgert sind, ist für den Präsidenten des Vereins nicht schlimm. «Über all die Jahre, wo wir von sehr gutem Wetter profitiert haben und sehr viele Menschen gekommen sind, hält es sich mit einem solchen Anlass die Waagschale», meint er.
Dass 400 Personen gekommen sind, damit ist man zufrieden. «Hauptsache, jene, die gekommen sind, hatten ihren Spass und konnten viele Eier mit nach Hause nehmen.»