Genehmigung statt Überschreitung
02.06.2026 Mutschellen, RudolfstettenRudolfstetten-Friedlisberg: «Gmeind» stimmte für Zusatzkredit für das alte Gemeindehaus und das Stöckli
Nur wenige Fragen und ausschliesslich Einstimmigkeit gab es an der Einwohnergemeindeversammlung in Rudolfstetten-Friedlisberg. Der ...
Rudolfstetten-Friedlisberg: «Gmeind» stimmte für Zusatzkredit für das alte Gemeindehaus und das Stöckli
Nur wenige Fragen und ausschliesslich Einstimmigkeit gab es an der Einwohnergemeindeversammlung in Rudolfstetten-Friedlisberg. Der Baurechtsvertrag mit der Pfadi wurde verlängert, die zusätzlichen Ausgaben für das alte Gemeindehaus und das Stöckli genehmigt. Ein Aufreger folgte nur bei der Vorstellung der Rechnung 2025.
Roger Wetli
«Sind wir hier an einer Gemeindeversammlung oder an einer SVP-Parteiversammlung?», wurde aus den Reihen der Stimmberechtigten gerufen, als Gemeindepräsident Reto Bissig die Rechnung 2025 vorstellte. Einige quittierten diese Bemerkung mit Applaus. Bissig hatte zuvor bedauert, dass im März das Aargauer Stimmvolk die Initiative der Jungen SVP abgelehnt hatte. Mit dieser wäre die Sozialhilfe für Personen gekürzt worden, welche sie seit über zwei Jahren beziehen. «Das hätte die Sozialhilfe weniger attraktiv gemacht», so der Gemeindepräsident. Nach diesem Ruf erklärte er sich als SVP-Sympathisant. Das Thema wurde danach nicht mehr aufgegriffen.
Ein deutliches Plus statt Minus
Reto Bissig zeigte sich erfreut über den Rechnungsabschluss. Rechnete der Gemeinderat beim Budget 2025 mit einem Minus von 2 Millionen Franken, resultierte ein Plus von 300 000 Franken. «Dieses gute Resultat basiert unter anderem auf Effekten, die wir nicht beeinflussen können», betonte er. «So erhielten wir namhafte Steuereinnahmen, die in der Vergangenheit nicht bezahlt wurden.» Das Resultat wäre noch besser gewesen, hätte die Gemeinde nicht bereits jetzt gewisse Abschreibungen gemacht. «Diese belasten dafür spätere Budgets nicht mehr», so Bissig.
Zu denken geben ihm die jährlich stark steigenden Pflegerestkosten. Bei 40 Personen aus Rudolfstetten zahlte die Gemeinde 2025 rund 1,33 Millionen Franken. «Verfügt der Gemeinderat diesbezüglich über Handlungsbedarf?», wollte jemand wissen. «Leider nur beschränkt», bedauerte Bissig. «Die Einwohner werden immer älter und gehen immer später in ein Pflegeheim. Der Pflegebedarf ist dann dafür umso grösser.» Ihn störe, dass die Gemeinden diese Restkosten zahlen müssten, während der Kanton Gewinn mache und Reserven anlege. «Wir haben da bereits interveniert. Eine Änderung ist aber schwierig zu erreichen.»
Zusätzliche Arbeiten umgesetzt
Ganz ohne Fragen genehmigten die Stimmberechtigten einen Zusatzkredit von 950 000 Franken für unvorhergesehene Arbeiten der Sanierung des alten Gemeindehauses und des Stöckli. Gemeinderat Michael Gutknecht erklärte: «Die meisten dieser Arbeiten sind bereits ausgeführt. Wir finden es aber besser, wenn wir transparent sind und jetzt diesen Zusatzkredit beantragen, anstatt dann einfach den bewilligten Baukredit zu überschreiten.» So kostet zum Beispiel die unterirdische Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Gemeindehaus rund 180 000 Franken mehr als vorgesehen und eine erst nicht geplante Erdsondenwärmepumpe berappt sich auf 320 000 Franken. Gutknecht betonte, dass der Gemeinderat bei all diesen Zusatzarbeiten verantwortungsvoll gehandelt habe. «Sie gewährleisten die Sicherheit und eine bessere Energieeffizienz.» Ebenfalls diskussionslos wurde der Baurechtsvertrag mit der Pfadi Alpha Centauri um weitere 30 Jahre verlängert. «Die Pfadi plant eine umfassende Sanierung ihres Gebäudes und braucht jetzt die Sicherheit dieses Baurechtsvertrags», erklärte Michael Gutknecht. «Die Bedingungen bleiben die gleichen wie bisher. Das heisst, die Pfadi zahlt uns keinen jährlichen Betrag, trägt aber die Notariats- und die Sanierungskosten. Und sie stellt ihr Gebäude auch anderen Vereinen zur Verfügung.»
Bau neuer Urnenwände noch dieses Jahr
Gemeinderat Patrik Luther stellte in Aussicht, dass die neuen Urnenwände noch diesen August oder September erstellt werden. «Noch müssen wir zwei Einwendungen zum Baugesuch behandeln. Die Zeit drängt aber, da die bisherige Urnenwand nur noch über drei bis vier freie Plätze verfügt.» Bezüglich des Baugesuchs für einen Grabhügel betonte Luther, dass dieser erst gebaut werden könne, nachdem der Souverän an einer Gemeindeversammlung Ja gesagt habe. «Wann das sein wird, wissen wir noch nicht», so Luther.
Das Mitwirkungsverfahren für den Gestaltungsplan Isleren ist vom 15. Juni bis 14. Juli vorgesehen, stellte Michael Gutknecht in Aussicht. Die Vorprüfung des Kantons liege jetzt vor. Öffentliche Informationsanlässe zu diesem Thema gibt es am 16. und 18. Juni. Über 120 Einwendungen wurden für ein Baugesuch einer Mobilfunkantenne auf der Liegenschaft Hofrain 6 eingereicht. Darunter ist eine Sammeleinwendung. Michael Gutknecht: «Die Einsprecher sind vor allem Personen aus dem Gebäude selbst und aus den umliegenden Gebäuden. Die Einwendungsverhandlungen werden folgen», kündigte er an.
Die Beschlüsse
An der Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle von Rudolfstetten nahmen 105 von 2583 Stimmberechtigten teil. Alle Traktanden wurden ohne Gegenstimmen angenommen. Es sind dies: 1. Protokoll vom 7. November 2025. – 2. Rechenschaftsbericht 2025. – 3. Jahresrechnung 2025. – 4. Kreditabrechnungen; – 4.1 Sondernutzungsplanung Isleren. – 4.2 Sondernutzungsplanung Isleren (Zusatzkredit). – 4.3 Pumptrackanlage Sportzentrum Burkertsmatt. – 4.4 Strassenerneuerung Friedlisbergstrasse. – 4.5 Erneuerung der Werkleitungen und Strassenerneuerung für die Obere Dorfstrasse. – 5. Verlängerung des Baurechtsvertrags mit der Pfadi Alpha Centauri. – 6. Zusatzkredit über 950 000 Franken für die energetische Sanierung, die Anschaffung eines Batteriespeichers und die Umbauten des bestehenden Gemeindehauses und des Stöckli. – 7. Überweisungsantrag Alfred Oggenfuss anlässlich der «Gmeind» vom 7. November 2025: Gesamtrevision Bau- und Nutzungsordnung. – 8. Verschiedenes.

