Gemeinsam Grenzen überschreiten
06.01.2026 Villmergen, Region UnterfreiamtNeujahrskonzert mit Lisa Stoll und anschliessendem Neujahrsapéro
Neujahrskonzert mit den Bläsersolisten Aargau unter der Leitung von Andres Joho und der Alphornsolistin Lisa Stoll begeistert die Zuhörer. Und die Dorfgeschichte am Neujahrsapéro von ...
Neujahrskonzert mit Lisa Stoll und anschliessendem Neujahrsapéro
Neujahrskonzert mit den Bläsersolisten Aargau unter der Leitung von Andres Joho und der Alphornsolistin Lisa Stoll begeistert die Zuhörer. Und die Dorfgeschichte am Neujahrsapéro von Gemeindeammann Ueli Lütolf regt zum Nachdenken an.
Monica Rast
Ein wenig verzweifelnd versucht Bernhard Kühne von den Bläsersolisten Aargau zwischen den einzelnen Stücken das Wasser aus seiner Oboe zu blasen. Entschuldigend wendet er sich ans Publikum: «Es hat sich Kondenswasser gebildet.» Das Publikum schmunzelt und bleibt geduldig, denn auf sie warten noch einige Leckerbissen.
Schon der Einzug der Alphornsolistin Lisa Stoll, umrahmt vom Geläut verschiedener Kuhglocken, wird sichtlich genossen. Gemächlich schreitet Dirigent Andres Joho mit einer Handvoll Glocken in der Hand Richtung Bühne. Schmunzeln meint er: «Das ist eigentlich nicht Teil des Stücks.» Doch man ist sich einig: Es könnte nicht passender sein. «Die Kombination Bläser-Ensemble und Alphorn ist gar nicht so einfach», erklärt Lisa Stoll, «es gab auch gar keine Kompositionen für diese Kombination. Dank Hanspeter Reimann ist dies jetzt möglich. Er hat es wunderbar geschafft, die verschiedenen Instrumente ineinanderfliessen zu lassen. Ich finde sie wunderschön.»
Harmonische Bereicherung
Der lüpfige Ländler-Walzer «Jozsef in Form» von Gottfried Aegler ist dem Hornisten Jozsef Molnar gewidmet, der für sich das Alphorn entdeckt hat. «Ich spiele das Stück ausgesprochen gern», meint die Solistin lachend. Fasziniert lauschen die Zuhörer den Klängen von den Bläsern und der Alphornsolistin und ist erstaunt, wie gut die Instrumente harmonieren.
Die Bläsersolisten Aargau spielen zudem noch Auszüge aus der Operette «Die Fledermaus» und aus Operetten von Offenbach. Mit der Alphorn-Zugabe nimmt Lisa Stoll die Zuhörer auf eine gemütliche Ausfahrt mit ihrem kleinen grünen Kramer-Traktor mit. «Es gibt nichts Endspannenderes. Mit dem Stück wünsche ich euch, dass es immer rund läuft, ihr euch entschleunigen könnt und der Most nie ausgehen wird.» Das Bläserensemble rundet ihren Beitrag mit dem berühmten Radetzky-Marsch von Johann Strauss ab.
«Das Neujahrskonzert in Villmergen hat eine lange Tradition und doch erleben wir heute eine Premiere. Zum ersten Mal findet das Konzert in der Sporthalle statt», begrüsst Bruno Leuppi, Präsident Kulturkreis Villmergen, die Konzertbesucher und bedankt sich bei der Ernst Dambach-Stiftung für die finanzielle Unterstützung. Bei den rund 400 Zuhörern kommt der Ortswechsel gut an und man hört immer wieder, wie schön das Konzert gewesen ist.
Viele von ihnen nehmen auch gleich am Neujahrsapéro im weihnachtlich geschmückten Foyer des Schulhauses teil. Für Gemeindeammann Ueli Lütolf und den Rest des Gemeinderates ist es eine Mammutaufgabe sich durch die Menge zu «prosten». Rundherum sind Glückwünsche zum neuen Jahr zu hören.
Dieses Jahr lässt der Gemeindeammann in seiner Rede die Politik und die Herausforderungen für die kommende Zeit aussen vor. «Für die heutige Gemeinschaft hier im Saal habe ich eine Neujahrsgeschichte gefunden, die uns aufzeigt, wie wir das alles meistern können. Miteinander statt gegeneinander, Zuversicht statt Trübsal und vor allem Zufriedenheit mit dem, was wir haben – eine wunderbar funktionierende Gemeinde.»
Die wahre Neujahrskraft
Es war einmal ein Dorf, in dem man sich kannte – manchmal besser, als einem lieb war. In diesem Dorf lebten tüchtige Menschen. Sie arbeiteten viel, engagierten sich im Verein, im Betrieb oder in der Familie. Und doch lag etwas in der Luft. Man war schneller genervt, schneller beleidigt, schneller überzeugt, dass «die anderen» schuld seien. Am Silvesterabend wurden die Einwohner vom Dorfältesten gebeten, gemeinsam ihre Gedanken, was ihnen im vergangenen Jahr gefehlt hatte, aufzuschreiben. Auf kleinen Zetteln stand: Zeit, Gesundheit, mehr Ruhe, mehr Respekt oder Zufriedenheit.
Ruhig bat er die Menschen, sich umzusehen. «Schaut euch an. Nicht kritisch. Nicht suchend nach Fehlern.
Sondern so, wie ihr jemanden anschaut, mit dem ihr gemeinsam etwas tragen wollt.» Und man sah plötzlich mehr als sonst. Die Nachbarin, die immer freundlich grüsste. Den Mann, der viel schimpfte, aber jedes Jahr beim Dorffest half. Die Familie, die nicht viel hatte, aber immer teilte. Und man erkannte: Hinter vielen lauten Meinungen steckten Sorgen. Hinter manchem Ärger steckte Müdigkeit.
«Miteinander statt gegeneinander», sagte der Dorfälteste. «Zuversicht statt Trübsal. Respekt und Friedfertigkeit – und vor allem Zufriedenheit mit dem, was wir haben.» Gespräche entstanden, wo zuvor Schweigen gewesen war. Als die Glocken das neue Jahr einläuteten, war das Dorf nicht plötzlich frei von Sorgen oder Meinungsverschiedenheiten. Aber etwas hatte sich verändert. Die Menschen gingen mit einem Lächeln nach Hause. Mit dem Gefühl, Teil von etwas zu sein. Wenn man einander mit Respekt begegnet, friedlich bleibt, zuversichtlich nach vorne schaut und zufrieden ist mit dem, was man hat – dann meistert man das Kommende. Gemeinsam. Ein wunderbarer Gedanke zum Jahresbeginn.



