Freude mit Vorsicht vermischt
06.03.2026 Wohlen, BaugewerbeGemeinderat erteilt Baubewilligung für das Projekt «Reach 17» der Raiffeisenbank – Widerstand wohl nicht beendet
Freude bei der Raiffeisenbank, Konsternation beim Verein «Schöner Wohlen». Das multifunktionale Projekt «Reach ...
Gemeinderat erteilt Baubewilligung für das Projekt «Reach 17» der Raiffeisenbank – Widerstand wohl nicht beendet
Freude bei der Raiffeisenbank, Konsternation beim Verein «Schöner Wohlen». Das multifunktionale Projekt «Reach 17» hat die Baubewilligung erhalten. «Schöner Wohlen» ist mit dem Vorgehen der Baubehörde jedoch nicht einverstanden.
Daniel Marti
«Reach 17» war öfters in den Schlagzeilen, positiv und negativ. Das Projekt für Kultur, Kulinarik und Freizeit der Raiffeisenbank Wohlen kam in der Öffentlichkeit zwar recht gut an. Aber der Abbruch des Lüthi-Tschiemer-Hauses, erbaut im Jahr 1820, passte gewissen Kreisen nicht. Vor allem der Verein «Schöner Wohlen» mobilisierte Kräfte, um das über 200-jährige Haus zu retten. Noch an der Generalversammlung von letzter Woche gab es einen gewissen Zweckoptimismus. Mit dem Rückzug der Einsprachen (siehe Ausgabe vom vergangenen Dienstag) wurden die Hoffnungen zwar arg geschmälert. Und nun schafft der Gemeinderat Fakten. Er erteilt diese Woche grünes Licht für «Reach 17». Im Klartext: Die Raiffeisenbank Wohlen Genossenschaft, Stegmattweg 1, erhält die Bewilligung für Abbruch und Neubau von zwei Gebäuden (Arealüberbauung «Reach 17»), inklusive Tiefgarage, diverse Nutzungen und Wohnungen an der Friedhofstrasse 7, 9 und 17.
Viel Freude – viel Mehrwert
Damit hat das Projekt wohl die letzte grosse Hürde genommen. Mit «Reach 17» soll laut Raiffeisenbank «ein einzigartiger Treffpunkt für das Freiamt und Wohlen» entstehen. «Wir freuen uns alle sehr, dass wir die Baubewilligung erhalten haben», sagt Erich Füglistaler, Vorsitzender der Bankleitung, auf Anfrage.
«Reach 17» bringe einen Mehrwert für die Bevölkerung von Wohlen und des ganzen Freiamts, so Füglistaler weiter. «Und es entsteht ein toller Treffpunkt für die Bevölkerung mit kulinarischen Angeboten in hoher Qualität, mit Kultur und Veranstaltungen, einem Quartierladen und weiteren Dienstleistungen.»
Ein vielfältiges Gastroangebot, Kultur, Arbeitsmöglichkeiten und ein Fitnesscenter sollen die Region mit «Reach 17» bereichern. Das Auditorium ermöglicht Theater, Kleinkunst und Referate. «So entwickeln wir ein einmaliges Freizeitangebot, von dem alle profitieren», so die Bank auf ihrer Homepage. Mit «Reach 17» realisiert die Raiffeisenbank Wohlen auch Mietwohnungen, Büroräume und grüne Aussenanlagen. In der Markthalle im Erdgeschoss finden Gäste eine Auswahl an Essensständen.
Mit dem neuen Zeitplan zuerst noch abwarten
Die Gebäude sind vier und fünf Stockwerke hoch und auf die Nachbarhäuser abgestimmt. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass die Baubewilligung im vierten Quartal 2025 erteilt wird und der Baustart im ersten Quartal 2026 erfolgen kann. Die Eröffnung wäre in diesem Optimalfall für Ende 2027 vorgesehen gewesen.
Durch die Einsprachen sowie die Interventionen von «Schöner Wohlen» kam es unweigerlich zu Verzögerungen. Wie sieht ein allfälliger neuer Zeitplan aus? Erich Füglistaler, Vorsitzender der Bankleitung: «Wir wollen jetzt erst die Rechtskraft abwarten, aktualisieren den Zeitplan und planen dann, weitere Details zum Vorgehen zu kommunizieren.»
Anfragen unbeantwortet
Die Vorsicht von Erich Füglistaler ist nachvollziehbar, denn der Prozess bis zur Baubewilligung war bekanntlich nicht widerstandslos. Und wenn man die aktuelle Haltung vom Verein «Schöner Wohlen» berücksichtigt, dann ist die Zurückhaltung wohl die richtige Taktik. Denn Philipp Simka, Vereinspräsident von «Schöner Wohlen», ist alles andere als zufrieden. An der Generalversammlung von letzter Woche erläuterte er die Situation – Rückzug der Einsprachen und diverse offene Fragen. «Seit damals haben wir noch einige Anfragen und Anträge bei der Baubehörde platziert – allesamt vor der aktuellen Publikation der Baubewilligung. Diese sind bis dato alle unbeantwortet geblieben», sagt er auf Anfrage.
Die Angelegenheit ist noch nicht erledigt
Damit setze die Publikation der Baubewilligung das Tüpfelchen auf dem «i» von einem «aus unserer Sicht eh schon fragwürdigen Prozess, den es nun zu klären gilt».
Und Philipp Simka wird auch deutlich: «Die Sache ist für uns somit nicht erledigt – denn bis jetzt hat sich leider immer noch niemand sachlich mit unserem Anliegen auseinandergesetzt, und zusätzlich dürfen wir jetzt noch die Unregelmässigkeiten in diesem Prozess untersuchen.» Zudem sei der Prozess «Ausdruck eines dramatisch schlechten Stils», und das stehe ausser Frage.


