«Freiheitsgefühl ist fantastisch»
17.07.2026 WohlenSerie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst: Pascal Gregor, Kirchenratspräsident und Gleitschirmflieger
Ganz oben am Himmel, da muss die Freiheit grenzenlos sein. Genau das erlebt Pascal Gregor, wenn er sein Lieblingshobby ausübt. Das Gleitschirmfliegen hat es dem Präsidenten des kantonalen Kirchenrates angetan. Der Wohler ist begeistert.
Daniel Marti
«Es ist halt ein alter Traum», sagt Pascal Gregor. Fliegen wie ein Vogel, ohne motorische Unterstützung, nur mit Geschick und Technik – und mit einem Gleitschirm. Wenn er über sein grosses Hobby, übers Gleitschirmfliegen spricht, dann leuchten seine Augen, dann schwärmt er von dieser unbeschreiblichen Freiheit, von den einzigartigen Aussichten über den Vierwaldstättersee. Ein Gleitschirmflug, nur er und diese Leidenschaft. Wenn Pascal Gregor davon erzählt, dann fliegt der Beobachter praktisch mit.
Es brauchte dann aber schon den richtigen Moment, um sich gezielt an die Erfüllung dieses Traums heranzuwagen, räumt er ein. Der Bubentraum steckte lange in ihm. Als Familienvater und im Beruf stark engagiert sah er keine Möglichkeiten, um abzuheben. Nun sind die Kinder erwachsen. Und als Geschenk zum 60. Geburtstag gingen drei seiner vier Kinder auf ihn zu: So ein Schnupperkurs im Gleitschirmfliegen wäre doch etwas. Studieren musste er nicht. Das perfekte Geschenk.
Nach einem Unfall viel gelernt
Logisch, beim Schnupperkurs blieb es nicht, zwei Grundkurse folgten, ebenfalls das Brevet. «Die Ausbildung war intensiv, ich musste vieles lernen, nicht nur das Manövrieren.» Während eines Jahres investierte er alle zwei Wochen einen Tag fürs Fliegen. Theorie- und praktische Prüfung packte er problemlos. «Seit März 2024 darf ich frei fliegen», sagt er. Ein wenig Stolz und viel Freude schwingen bei diesem Satz mit.
Pascal Gregor, der Gleitschirmflieger. Und beinahe hätte das so schöne Hobby abrupt geendet. Ein Unfall, ein Crash beim Start, war heftig. Die Verletzungen heilten wieder. Zum Glück. «Dies war einschneidend», gibt er heute zu. Aber er habe alles genau analysiert. «Es war eine Serie von Fehlern, ich war selber schuld. Und daraus habe ich gelernt.» Diese Erkenntnis ist der Freifahrtschein für weitere Flüge, für weitere einzigartige Erlebnisse.
Aufhören nach dem Unfall, das war kein Thema. «Das Positive hat überwogen. Das Freiheitsgefühl ist einfach fantastisch.» Fliegt denn nach dem Unfall nun eine Spur Angst mit? «Man muss sich immer der Gefahren bewusst sein. Aber wenn man Angst hat, geht das Gleitschirmfliegen nicht», so Pascal Gregor. Darum ist die jeweilige Vorbereitung umso wichtiger. Die Wetterund Windkarte muss zwingend studiert werden. Man muss sich orientieren, ob das Fluggebiet gesperrt ist. Beispielsweise wenn sich die Mächtigen dieser Welt am WEF in Davos oder dann auf dem Bürgenstock treffen. Je nach Wind müsse man Start- und Landeplatz analysieren. «Eine gute Vorbereitung lohnt sich immer. Zudem muss man stets das Risiko abschätzen. Das Risiko liegt eigentlich nur beim Start, und das muss man möglichst kleinhalten.»
Nur der Rucksack reicht
Und dann geht es raus, vielleicht über eine steile Stelle oder über einen Felsen. Raus in die totale Freiheit. Man muss es wohl fast selber erleben. Wer aber den Ausführungen von Pascal Gregor folgt, der fliegt effektiv praktisch mit. «Diese Freiheit ist ein riesiges Gefühl, der alte Menschheitstraum geht in Erfüllung.» Das könne man nicht mit einem Flugzeug vergleichen. «Ich brauche kein Material, nur den Rucksack mit dem Gleitschirm. Und dann bin ich in der Luft − ganz alleine.» Er geniesst den Ausblick jeweils schon vor dem Start. Das Abheben sei dann der «grösste Moment. Und die Thermik zu spüren, ist ebenso schön.»
Mittlerweile kennt er die Berge und Seen der Innerschweiz bestens – allerdings von oben. Der Fronalpstock auf fast 2000 Metern Höhe auf dem Stoos ist sein Lieblingsgebiet. Oder die Rotenflue in der Mythenregion ist ähnlich bezaubernd. Die beeindruckenden Schweizer Berge und die Seenlandschaften von oben ergeben immer wieder einzigartige Einblicke. Für Pascal Gregor gibt es kaum etwas Schöneres.
Positive Zwischenbilanz als Kirchenratspräsident
Wer das intensiv erleben will, der muss einiges investieren. Ein Ausflug dauert jeweils fünf, sechs Stunden. Weg von der Familie. Weg vom Beruf. Pascal Gregor ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Camino Consulting. Er ist Strategie- und Organisationsentwickler, Moderator und Mediator. Und Pascal Gregor ist seit September 2024 auch Kirchenratspräsident der katholischen Kirche Aargau.
Als höchster kantonaler Kirchenrat ist er gefordert. In diesem Job habe er sehr rasch Tritt gefasst, blickt er zurück. Der Umgang mit Bistum und den Kirchgemeinden sei sehr gut. «Man hört auf mich», und er habe sein Beziehungsnetz rasch erweitern können. Pascal Gregor hat als Kirchenratspräsident bisher nur Gutes erlebt – ausser beim öffentlichen Zwist zwischen den Kirchgemeinden Menziken und Reinach. Da habe er sich verschiedene Vorwürfe gefallen lassen müssen.
Ansonsten beschäftigt sich auch der kantonale Kirchenratspräsident mit den bekannten Themen: Die vielen Kirchenaustritte, die Missbrauchsfälle. Die Kirchenaustritte führen dazu, dass der finanzielle Spielraum der Kirchgemeinden knapper wird. «Die Missbrauchsfälle sind furchtbar und sie schaden uns», weiss er. «Aber das ist die Realität.»
Hat er solche Probleme zu meistern, dann ist ein Gleitschirmflug eine schöne Abwechslung. Aber an kirchlichen Belangen mag er in der Luft nicht herumstudieren. Beim Gleitschirmfliegen braucht Gregor vollste Konzentration – nur die garantiert ihm einen sorgenfreien und erlebnisreichen Flug.
Mit Gottes Segen
Und als Kirchenmann kommt er dank dem Gleitschirm dem Himmel näher. «Nein, nein», winkt er schmunzelnd ab, «das spielt keine Rolle.» Manchmal geht er vor einem Flug in einer Wallfahrtskapelle vorbei. Dort hält er dann inne, zündet eine Kerze an und holt sich so Gottes Segen ab – für einen unfallfreien Flug und für eine schöne Zukunft. Denn Gleitschirm fliegen, das möchte Pascal Gregor noch lange. «Das kann mir niemand mehr nehmen», sagt er und strahlt übers ganze Gesicht.


