Der 76-er Jahrgang in Villmergen geht als Chasperli-Theater durch die Fasnacht
Die Katze ist aus dem Sack respektive die Figur auf die Hand gesteckt. Am gut besuchten Ahösle stellten die Jahrgänger ihr Motto vor. Die Mitglieder präsentieren sich als ...
Der 76-er Jahrgang in Villmergen geht als Chasperli-Theater durch die Fasnacht
Die Katze ist aus dem Sack respektive die Figur auf die Hand gesteckt. Am gut besuchten Ahösle stellten die Jahrgänger ihr Motto vor. Die Mitglieder präsentieren sich als unterschiedlichste Chasperli-Figuren. Das weckt bei vielen Anwesenden Erinnerungen.
Chregi Hansen
«Tra-tra-trallala»: Wenn dieser Ausruf in den 70er- und 80er-Jahren erklang, wurde es sofort ruhig in den Kinderzimmern. Die Chasperli-Hörspiele von Jörg Schneider waren ein Renner in der Deutschschweiz. 20 Langspielplatten mit 40 Geschichten wurden zwischen 1967 und 1976 veröffentlicht.
Exakt 50 Jahre später erklingt das «Tra-tra-trallala» nun also vor dem Güüggibueb-Brunnen. Die 76er haben ihren Fasnachtswagen als riesengrosses Chasperli-Theater gestaltet. Hier treten aber keine Handpuppen auf – nein, die Jahrgänger haben sich selbst als Puppen verkleidet. Und hier also begrüsst der Chasperli zum Ahösle die grosse Publikumsschar. Die besteht zum einen aus älteren Jahrgängen, die sehen wollen, was ihre Nachfolger auf die Beine stellen. Aus Delegationen aus den Nachbargemeinden. Aber auch aus ganz vielen Kindern. Ob sie die Figur mit der Zipfelmütze noch kennen?
«Flötle statt Güügge?»
Es scheint so. «Send er alli do?», fragt der Chasperli in die Runde, und ein lautes «Jaa!» schallt zurück. «Und well ehr all do send ond ech do ben, send mer alli do», geht es weiter im Text – genau so, wie es im Vorbild von früher auch der Fall war. Und dann führen die 76er ein selbst geschriebenes Stück auf. In diesem bereiten sich der Chasperli und sein Kumpel, der Seppl, aufs traditionelle Güüggen vor. Doch die Brillenschlange Zirpa hat keine Freude an den Klängen. «Kein Rhythmus, keine Melodie, einfach furchtbar», so ihre Kritik an diesem Brauch. Darum hypnotisiert sie die beiden und redet ihnen ein, dass dieser Jahrgang doch besser mit Flöten durch die Strassen zieht.
Und der Trick scheint zu funktionieren, die beiden vertauschen die selbst geschabten Hörner mit Flöten. Zum Glück taucht die sonst so langsame Schnecke («D Yolanda isch scho lang da!) auf und kann den Spuk rückgängig machen. Man stelle sich vor, die 76er wären am Schmudo wirklich mit Flöten durchs Dorf gezogen. «Das wäre ein Skandal und Trauerspiel zugleich geworden», stellt der Chasperli fest.
Inklusive Krokodil
Kaum ist das Stück zu Ende, tauchen sie plötzlich alle auf, die vielen Figuren aus der Hörspielreihe. Da sind der Obertüüfel Hörnlimaa, der König Watschelbei, der Füürwehrmaa Brändli oder das Prinzässli Schu-Fu. Es ist eine Pracht, die viele Figuren aufgereiht vor dem Wagen zu sehen. Und natürlich wurde auch der Güüggibueb beim Brunnen entsprechend verkleidet. Zusammen mit dem bekannten Krokodil des Pfnüsi passt er auf, dass die Fasnacht so gefeiert wird, wie es die Tradition verlangt.
Mit diesen Geschichten aufgewachsen
«Wir haben lange nach einem Motto gesucht. Aber als dann die Idee des Chasperli auftauchte, waren schnell alle begeistert», erzählt Esther Sorg, die zu den 76ern gehört und ihrer Passion für die Fasnacht auch mit einer Karikatur auf der letzten Seite dieser Zeitung Ausdruck verleiht. Das Motto passt, schliesslich seien alle mit diesen Hörspielen aufgewachsen. Der Vorteil sei, dass sich jeder und jede eine eigene Figur wählen kann und nicht einfach alle gleich aussehen. «Die Älteren kennen die Charaktere vermutlich alle noch. Bei den Jungen sind wir nicht sicher. Darum sind wir alle auch angeschrieben», fügt sie schmunzelnd hinzu, bevor sie zusammen mit den anderen auf den gelungenen Auftakt in eine anstrengende Woche anstösst.