Fasziniert von der Technik
19.07.2024 Mutschellen, RudolfstettenEin seltener Beruf
Sommerserie «Hinter den Kulissen»: Rolf Schaufelberger ist Büchsenmacher in Rudolfstetten
Die Gun Factory verkauft und repariert Waffen. Mitinhaber ist Rolf Schaufelberger.
Roger ...
Ein seltener Beruf
Sommerserie «Hinter den Kulissen»: Rolf Schaufelberger ist Büchsenmacher in Rudolfstetten
Die Gun Factory verkauft und repariert Waffen. Mitinhaber ist Rolf Schaufelberger.
Roger Wetli
Büchsenmacher wollte Rolf Schaufelberger eigentlich nie werden. Die entsprechende Ausbildung absolvierte der gelernte Werkzeugmacher und Spezialist in Industrieautomation erst später aus familiären Gründen – und blieb hängen. Der Sohn eines Waffenhändlers gründete 1997 die Gun Factory in Bergdietikon mit, die später nach Rudolfstetten zog.
Waffen und deren Feinmechanik faszinieren den Büchsenmacher. Viele Teile stellt er selbst her. «Ich tue das mit grosser Leidenschaft und Berufsstolz», erklärt er. Rolf Schaufelberger hat Freude, wenn eine Waffe richtig funktioniert. Die Technik hat sich seit 180 Jahren kaum verändert und erfordert feinmechanisches Geschick und viel Konzentration.
Gleichzeitig fühlt sich Rolf Schaufelberger auch als geborener Händler, welcher seine Kunden optimal beraten und ihnen hervorragende Qualität anbieten möchte. Büchsenmachen und Verkauf erfordern aber viel Zeit und bereiten ihm viel Spass. «Geeignete Mechaniker zur Unterstützung zu finden, ist gar nicht so einfach», bedauert er. Schaufelberger betont: «Ich bin sehr gerne in der Werkstatt.»
Sommerserie «Hinter den Kulissen»: Büchsenmacher Rolf Schaufelberger von der Gun Factory in Rudolfstetten
Büchsenmacher gibt es in der Schweiz immer weniger. Einer, der nach wie vor mit Leidenschaft Revolver, Pistolen, Gewehre und andere Schusswaffen zusammenstellt und repariert, ist Rolf Schaufelberger, Mitinhaber der Gun Factory in Rudolfstetten.
Roger Wetli
Die Werkstatt der Gun Factory in Rudolfstetten in der Schürmatt 12 sieht etwa so aus, wie man sich eine solche als Laie ungefähr vorstellt. Neben Drehbänken, Fräsmaschinen, Bohrgeräten und anderen Maschinen hängen Werkzeuge an der Wand. Andere sind feinsäuberlich in Schubladen verstaut. Neben der Werkstatt sieht man ein Lager mit allerlei Ersatzteilen. Im vorderen Bereich ist ein grosszügiger Verkaufsladen eingerichtet. Die Waffen, welche Rolf Schaufelberger noch reparieren und instand setzen muss, stehen gut markiert in einer Ecke. Hier ist ein Teil des Reiches, in dem sich der Macher wohlfühlt. Zusammen mit seinem Team sorgt er dafür, dass die Schusswaffen wieder richtig funktionieren. «Das bedeutet vor allem viel Handarbeit, eine gute Logistik und ein funktionierendes Netzwerk», schmunzelt er. Viele Teile fertigt er selbst an. Schaufelberger tut das mit grosser Leidenschaft und Berufsstolz. «Es ist einfach toll, wenn eine Waffe wieder funktioniert. Die Technik, die dahintersteckt, ist faszinierend.»
Qualität der neuen Waffen nimmt ab
Und diese Technik hat sich in den letzten 150 Jahren kaum verändert. «Nur Gewehrschäfte und Pistolengriffstücke bestehen mittlerweile vielmals aus Kunststoff. Läufe und die am meisten beanspruchten Teile werden aber immer noch aus Stahl gefertigt.» Das Prinzip, dass eine in einer Hülse festsitzende Kugel durch eine Pulverladung in Bewegung gesetzt und mit extrem hoher Geschwindigkeit durch einen Lauf geschossen wird, ist seit fast 180 Jahren das gleiche. «Ich repariere auch Waffen, welche über 100 Jahre und älter sind. Erst antike, das heisst mehrere hundert Jahre alte Waffen, leite ich spezialisierten Berufskollegen weiter», gibt der Büchsenmacher Einblick.
Er bemängelt: «Die Qualität und Fertigungsgenauigkeit der hergestellten Waffen nimmt leider eher ab.» Stolz ist Rolf Schaufelberger, dass er Mitglied im «Club 30» ist. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft – qualifizierte Büchsenmacher und Waffenfachhändler – verfolgen seit der Gründung 1993 gemeinsam das Ziel, neue und bewährte Innovationen in den Waffenbau und das Tuning einfliessen zu lassen. «Die Club-30-Revolver und -Pistolen sind aktuell das Beste, was es an Qualität zu kaufen gibt. Es ist toll, Teil dieser exklusiven Gemeinschaft zu sein», schwärmt Schaufelberger, der sich als Handwerker und Mechaniker sieht. Gleichzeitig fühlt er sich auch als leidenschaftlicher Händler.
Als Kind bereits Waffen zusammengesetzt
All dies hat er bereits als Kind aufgesogen. Sein Vater handelte seit 1959 im Zürcher Oberland mit Waffen. «Er war Kaufmann, aber kein Büchsenmacher und eher auf Jagdwaffen spezialisiert. Ende der 70er-Jahre kaufte er ein Zürcher Waffengeschäft auf. Als Kind bin ich dann oft im Geschäft gewesen und habe ihn damals an Waffenbörsen begleitet», erinnert sich Rolf Schaufelberger. «Bereits als kleiner Junge nahm ich Waffen auseinander und setzte sie wieder zusammen.»
Den Beruf des Büchsenmachers wollte er trotzdem nicht erlernen. Zu sehr sei das eine Einbahn, nach der man nur noch diesen einen Beruf ausüben könne. Also entschied er sich für eine Lehre als Werkzeugmacher, reparierte danach Harleys und spezialisierte sich in der Industrie-Automation.
Trotzdem fand er 1991 den Weg in das Familienunternehmen. Sein Vater und er arbeiteten nun gemeinsam in Zürich. Rolf Schaufelberger blieb aber nur bis 1996. Sein Vater führte das Geschäft bis zu seinem Tod 2019. «Unsere geschäftliche Beziehung war eher schwierig. Mit meinen neuen Ideen stiess ich vielmals auf Widerstand. Ich musste weg», blickt er zurück. Seine Partnerin und er sahen als Option die Gründung einer Harley-Davidson-Werkstatt oder eines Waffengeschäfts. Sie entschieden sich für Letzteres und eröffneten 1997 in Bergdietikon die Gun Factory. Vor etwa 14 Jahren zogen sie an den heutigen Standort in Rudolfstetten. In der Gun Factory Handels AG arbeiten vier Personen in Verkauf, Werkstatt, Versand und Büro. «Wir suchen aktuell einen Büchsenmacher und jemanden für den Verkaufs-Innendienst. Arbeit haben wir definitiv genug.»
Arbeiten statt lange reden
Das ist auch mit der Grund, wieso die Gun Factory nur ausserhalb der Ladenöffnungszeiten telefonisch erreichbar ist. Der Ladenkunde hat immer die erste und höchste Priorität, dann die Telefonate, E-Mails und schliesslich der Rest. «Und irgendwann brauchen wir noch Zeit für präzise und seriöse Werkstattarbeit.» Rolf Schaufelberger schätzt fachliche Kundengespräche, aber nicht die ausführlichen und endlosen Erzählungen über Schiess- und Jagderlebnisse. «Wir müssen schliesslich gewinnorientiert arbeiten und müssen Löhne bezahlen. Solche Gespräche bringen leider keinen Umsatz und wir haben einfach keine Zeit dafür», beteuert er. War sein Vater leidenschaftlicher Jäger, brach er selbst seine Jagdausbildung mit 20 Jahren wieder ab. Er habe damals schlicht andere Interessen gehabt.
Zum Kundenstamm der Gun Factory zählen Waffensammler, Behörden sowie viele Schützen und zunehmend Schützinnen, die in den verschiedensten Schiess-Sportarten zu Hause sind. Das Gun-Factory-Team ist glücklich, dass sich in den letzten 27 Jahren eine sehr seriöse und auch kompetente Kundschaft aufgebaut hat. «Unsere Preise sind ehrlich und konservativ kalkuliert. Wir verkaufen Qualität und Service, keine Rabatte. Diesem Grundsatz treu zu bleiben, hat zu unserem heutigen Kundenstamm geführt.» Ein grosses Anliegen der Gun Factory ist die Zahlung mit Bargeld. «Wir akzeptieren natürlich Kartenzahlung, es geht ja nicht mehr ohne. Aber Bargeld ist Teil unserer Kultur. Die Transaktions- und Kartengebühren sind verdeckte Kosten und diese müssten wir zusätzlich auf den Preis unserer Artikel und meiner Arbeit aufschlagen.»
Seine Faszination für die Technik der Waffen bewahrte Rolf Schaufelberger in all den Jahren. «Schiessen mit allen Arten von Schusswaffen ist extrem spannend. Das höchste Gefühl bleibt für mich aber nach wie vor, wenn eine Waffe einwandfrei funktioniert. Und dafür arbeite ich gerne und intensiv in der Werkstatt.»


