Thomas Stöckli, Redaktor.
Sie sagen «six-seven» und bewegen dazu die nach oben gedrehten Handflächen abwechselnd auf und ab. Dutzende Male am Tag. Zu jeder Gelegenheit. Begleitet von Gelächter.
Das ...
Thomas Stöckli, Redaktor.
Sie sagen «six-seven» und bewegen dazu die nach oben gedrehten Handflächen abwechselnd auf und ab. Dutzende Male am Tag. Zu jeder Gelegenheit. Begleitet von Gelächter.
Das Verständnis für Jugendworte hält sich bei Nicht-Jugendlichen schon immer in engen Grenzen. Und das ist auch gut so. Schliesslich ist die Abgrenzung ja genau das, was die eigene Sprache bewirken will. Jeder Versuch, sich in der generationenübergreifenden Verständigung lowkey anzupassen, fällt zwangsläufig weniger tuff als cringe aus, also sybau, Diggah.
Während «das crazy», Jugendwort des letzten Jahres, als Allzweckwaffe der Sprachlosigkeit mit viel gutem Willen noch als Kommunikation durchging, wurde mit dem «Six-seven»-Meme eine neue Dimension erreicht. Weg von einer Begrifflichkeit, die sich nur von Eingeweihten und im Kontext sowie nach der Betonung erschliessen lässt, hin zu absolutem Nonsens. Wortwörtlich: Der «Insider-Joke» hat keine Bedeutung. Er steht im Sprachgebrauch für – Trommelwirbel – absolut nichts.
Was wollten sich die Jugendlichen also mit diesem Internettrend gegenseitig mitteilen? Der rationale Verstand stösst an seine Grenzen. Ist es schlicht pubertäre Albernheit? Ein Sich-Abwenden von der Kommunikation als Form des konstruktiven Austauschs? Oder gar die Rückkehr des anti-gesellschaftlichen Dadaismus? «Weshalb soll man einen Baum nicht Pluplusch nennen dürfen, oder Pluplubasch, wenn es geregnet hat?», formulierte Hugo Ball 1916 im Dada-Manifest. Entsprechend hörte sich seine Poesie an: «zimzim urullala zimzim urullala, zimzim zanzibar zimzalla zam elifantolim, brussala bulomen brussala bulomen tromtata …»
Wie auch immer, der «Sixseven»-Trend scheint offenbar ein Verfallsdatum zu haben, wie alle anderen vor ihm: «Langsam nervt es, Bro», sagte jedenfalls kürzlich die 16-Jährige zu den beiden jüngeren Teenagern in ihrer Clique. Beruhigend. Doch die Erleichterung währt nicht sehr lange: Was wohl als Nächstes folgt …?
Glossar:
Bro: Freund/Freundin (kommt von Bruder); cringe: peinlich/gruselig; das crazy: Ausdruck von Überraschung / Zustimmung / ironischer Distanz;
Diggah: Kumpel / irgendeine Person; lowkey: subtil/zurückhaltend; sybau: Schnauze! (Abkürzung für: Shut your bitch ass up); tuff: stark/beeindruckend.